Grenzexperimente

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Theater zum Thema Grenzen: viel mehr wissen unsere Redakteure nicht, als sie am vergangenen Sonntag, den 8. Juli,  die Kulturbackstube „Die Bäckerei“ zum .S:I:D:U:N:O. – Spiellabor Festival besuchen. Und was ist eigentlich ein Spiellabor? Beim Betreten der Bäckerei werden die Gäste erstmal mit Handschlag und Kuchenkostproben von ein paar Clowns begrüßt…

 

Das Spiellabor Festival wurde vom Theaterkollektiv .S:I:D:U:N:O. organisiert und fand vergangenes Wochenende zum ersten Mal in der Bäckerei statt. Über knapp ein halbes Jahr wurden in sogenannten Spiellaboren fünf Performances erarbeitet. Dabei beschäftigten sich  Menschen verschiedener Generationen, mit Migrationshintergrund und mehr oder weniger sichtbaren Beeinträchtigungen, mit dem Thema Grenzen. Mit Unterstützung der Spielleitung,  wurden die Ideen und persönlichen Erfahrungen der Gruppen kreativ umgesetzt und bühnenreif gemacht.

Die Darstellung der Freiheit im Spiellabor „Brückenschlag!“

 

Auch beim Betreten des Aufführungsraums steht die Clowntruppe Spalier und geleitet die Gäste zu ihren Plätzen. Der erste Spiellabor-Programmpunkt lässt ihren Witz und Klamauk allerdings direkt vergessen. Minimalistisch aber mit Nachdruck, widmet sich die Spiellabor-Darbietung „Brückenschlag“ der Grenzthematik in Bezug auf Sprache, Freiheit und Liebe. Kunst und Grenzen macht sich dagegen das Spiellabor „Messwechsel“ zum Thema, indem es in seiner Performance mit  verschiedenen Arten der Emotionsübertragung spielt. Zwischen den Programmpunkten wird es aber auch wieder bunt, denn die Clowns haben eine Modenschau einstudiert, die dem Publikum nicht vorenthalten werden soll.

Das Clownkollektiv „Lückenbüßer“ umrahmte an beiden Tagen die Programmpunkte des Festivals. Während die Beiträge der Spiellabore ihr Thema ernst, emotional und zum Teil tragisch beleuchten, sorgen die Clowns für Auflockerung im Programm. Als Zuschauer wird man so davor bewahrt, in der düsteren Stimmung einer Darbietung zu verharren und kann sich nach einer kurzen Ablenkung unbefangen auf das nächste Stück einlassen.

Eine Szene aus „meine.deine.unsere.WELT“

 

Nach der Pause bietet sich den Zuschauern Chaos auf der Bühne: herumliegenden Möbel und Alltagsgegenständen, dazwischen reglos Menschen. Das Stück in das dieses Bild übergeht, wird zum Highlight des Abends. Unter dem Titel „meine.deine.unsere.WELT“ feierte die .S:I:D:U:N:O.-Produktion bereits im August 2017 Premiere. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Afghanistan, dem Irak, Syrien und Österreich erarbeiteten Matthias Rankov und Lukas Schumacher die zeitgenössische Theaterperformance. In einem Zusammenspiel aus Schauspiel, Musik und Tanz bringt sie dem Publikum Themen wie Heimat, Liebe, Angst und Konflikte aus Sicht der Jugendlichen näher. Belohnt wird die Bühnenleistung mit minutenlangen Standing-Ovations aus dem Zuschauerraum.

Während zum Abschluss des Festivaltages am Samstag der Solokünstler Kamil Szlachta mit seinen Stücken begeisterte, klingt der Sonntagabend mit der multikulturellen Band „Nar-I Günberi – Das Feuer der Sonnenwende“ aus. Den Gesichtern der Mitwirkenden, Gäste und natürlich der Clowns nach, scheint das Spiellabor-Festival eine gelungene Premiere hingelegt zu haben. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal. Grenzen abzubauen bleiben bis dahin sicher noch genug.

 

Fotos: Uli Ringhofer

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