#UniGesichter: Make-up Artist Anna Ziegner

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Am Gelände der Universität Innsbruck fällt Anna Ziegners Make-up- und Kleidungsstil auf. Beide sind durch düstere Extravaganz gezeichnet. Diese wurde in der deutschen Stadt Waldshut-Tiengen geschult.

„Ich war ein sehr braves und kreatives Kind“, sagt Anna Ziegner. Die Kiste voller Bastelmaterial in ihrem Zimmer ist das Überbleibsel verschiedenster schöpferischer Phasen. Es gab eine Zeit, in der sie sogar Mini-Desserts machte. „Mir ist erst kürzlich aufgefallen, dass das auch eine Form des Modellierens ist.“

HDTV erschwert die Arbeit von Maskenbildnern.

 

Seit März studiert die 21-Jährige Anglistik und Amerikanistik an der Universität Innsbruck. Wenige Monate zuvor setzte sie sich noch mit der Herstellung von Glatzen und Clowns auseinander. Im Jänner 2017 begann sie die Ausbildung zum staatlich anerkannten Make-up Artist an der IMC Maskenbildnerschule in Waldshut-Tiengen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs. Der Unterricht bereitete sie vor allem auf die Arbeit in der Filmbranche vor. Im Dezember desselben Jahres machte Anna ihren Abschluss, blieb jedoch noch bis Ende Jänner in der Stadt, um ein Diplom für Frisuren- und Schneidetechniken zu erlangen. Einen Aufnahmetest gibt es bei der Maskenbildner Ausbildung keinen. Aber die Kursgebühr beträgt insgesamt 17.000 Euro.

Das Studium beginnt mit den Grundlagen: der Anatomie des menschlichen Kopfes. Das erste Projekt war die Modellierung eines Totenkopfes aus Plastilin. Eine freie Modellierung nach Bildvorlage folgte. Ebenfalls Bestandteil des ersten Semesters waren ein vierwöchiger Airbrush-Kurs und die Herstellung von künstlichen Gebissen, Tränensäcken und Nasen. „Das sind nur kleine Teile, die aber einen großen Effekt erzielen“, erklärt die gebürtige Tirolerin. Im zweiten Semester folgten beispielsweise Beauty-Make-up und die Anfertigung von Masken aus Latexschaum und Silikon.

Der Totenkopf musste nach der Modellierung ungefähr drei Monate lang trocknen.

 

Besonders beim Thema Beauty-Make-up fühlte sich Anna in ihrem Berufswunsch bestätigt. Seit Jahren schminkt sie sich fast täglich. „Wenn ich mich richtig style, stehe ich ungefähr eineinhalb Stunden vor dem Spiegel und Kleiderschrank“, sagt Anna. Vor der Pubertät wehrte sie sich noch gegen Make-up. Im Alter von ungefähr 14 Jahren griff sie dann doch zu Stift und Pinsel: Ein blauer Eyeliner eroberte ihr Teenie-Herz. Nicht alle Beteiligten waren mit der neuen Liebe einverstanden. „Meine Eltern mussten sich erst daran gewöhnen, dass ich aussah wie einen Paradiesvogel“, erinnert sich Anna. Aber es dauerte nicht lange, bis sie den Lebensstil ihrer Tochter akzeptierten. Mittlerweile stylt sich Anna jedoch auch wieder dezenter. Nieten und Kunstleder dürfen trotzdem nicht fehlen.

Momentan steht eine wichtige Entscheidung bevor: Wie geht es weiter? Anna möchte unbedingt als Maskenbildnerin arbeiten, doch in Österreich sind die Chancen diesbezüglich sehr gering. Bis Herbst möchte sie ihr Studium in Innsbruck fortsetzten. Möglicherweise erwartet sie dann die Rückkehr nach Deutschland und der endgültige Einstieg in die Arbeitswelt.

Die Anwesenheitspflicht vieler Seminare macht die Arbeit als Maskenbildnerin fast unmöglich.

 

Anders als beim Theater muss das Make-up in der Filmbranche sehr realistisch aussehen.

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                Annas freie Modellierung nach Bildvorlage.

 

    

Davor und danach: Make-up kann nicht nur verjüngen.

 

Fotos: Anna Ziegner

Foto 3 & Titelbild: Christina Vettorazzi

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