Nix mit Schlafen! Schlafzimmer-Festival #3

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Pyjamas, stickige Luft und Gammeln mit Netflix – all das verbindet man mit dem Wort „Schlafzimmer“. Ein Ort, der müde macht und an dem wir uns von einem anstrengenden Tag erholen. Stop! Schlafzimmer sind nicht nur Orte, wo man abschalten kann. Beim Schlafzimmerfestival am Samstag, 21. April 2018, werden sechs WG-Schlafzimmer, Die Bäckerei und der Hofgarten zu Orten verwandelt, bei dem in jeder Location bis zu 30 wache Studierende Musik, Improvisationstheater, Lyrik, Comedy, Tanzkurse und viele weitere Acts erleben können. „Die Zeitlos“ war auch beim 3. Schlafzimmerfestival dabei und ist alles andere als müde geworden.

 

Create your venue

Eine Woche vorher wählt man aus dem Programm insgesamt drei Acts aus. Bis zu 30 ZuschauerInnen haben in einem Schlafzimmer Platz und stellen sich nach dem Prinzip „First come – first serve“ ihr persönliches Festivalprogramm zusammen. „Der Zeitlos“ fällt bei dem Angebot die Wahl schwer. Der letzte Programmpunkt hingegen steht fest: Ab 22 Uhr findet im Hofgarten die Aftershowparty statt, bei dem ein Gewinneract einen finalen Auftritt performen darf. Wem diese Ehre gebührt, stimmen die TeilnehmerInnen des Festivals online ab.

Southside Beauty stimmt sich ein.

 

Von Südtirol in die Südstaaten

Um 18 Uhr beginnt unser Abend in einer WG in der Höttinger Gasse. „Southside Beauty“ heißt die Band, die mit Gitarre, Banjo, Melodica und Gesang Harmonie und Liebe in das Schlafzimmer bringt. Judith, Che und Julian kombinieren ein Südtirolerisches Schlaflied und Musik der Südstaaten, Rock, Folk und Blues in ihrer Playlist. Multitasking ist gefragt, denn nicht jeder hat sich auf ein einziges Instrument konzentriert, sondern Melodica, Rassel und Gesang gleichzeitig performt. Fazit: Wer Johnny Cash gut findet, den wird Southside Beauty genauso begeistern.

„Ich bin Che, links von mir sitzt Julian und rechts von mir der Grund, warum wir Southside Beauty heißen.“

 

Lyrisch gebrüllt

Auch Iris von der Flussschmiede macht Musik. Sie macht Musik mit Worten. Ihre Lippen sind sehr rot und auch ihr Kleid, als sie in der Mitte des Raumes steht. Iris ist Lyrikerin, Geschichtenerzählerin und Tänzerin. Sie scheint die freien Künste zu vereinen in ihrer Performance. Während die Sonne untergeht und keiner daran denkt, das Licht im Raum anzumachen, erzählt sie Geschichten. Von fragenden Kindern, von ahnungslosen Erwachsenen und von Jesus am Kreuz. Während die Dämmerung die Farben mit sich nimmt, bleibt Iris Silhouette, die sich tänzerisch im Raum bewegt und in der Mitte irgendwo zwei entschlossene Augen. Die junge Dichterin erschafft lebendige Wortwesen, die sie bedingungslos in den Raum stellt und schreit dem Publikum auf poetisch leise Art ins Gesicht. Dass sie weitersuchen sollen und nicht aufhören damit, Fragen an das Leben zu stellen.

Iris von der Flussschmiede bewegt sich tänzerisch im Raum.

Iris nimmt die Farben der Dämmerung mit sich.

 

Delikajazz

Fernández/Greinöcker sind ein Jazz Duo und erzählen zwischen den einzelnen Nummern ihre musikalische Liebesgeschichte. Die Geschichte von einem Österreicher und einem Spanier, die sich auf der Bühne gefunden haben. Ihre Besetzung ist minimal gehalten. Der Kontrabass gibt die leisen Beats und der feine Sound von Gitarre tänzelt mädchenhaft und unverfänglich dazu. Sie spielen die großen Jazzstandards und geben ihre eigene, feine Note dazu. Nichts Lautes und Aufdringliches. Keine Aufreißer-Kunst, sondern beseelte Klänge für ein sehr leise gewordenes Publikum und zwischendurch singen sie leise mit. Für Jazz-Lovers eine delikate Praline, für die Anfänger eine liebevolle Einführung in das Genre.

Eine musikalische Liebesgeschichte:Fernández und Greinöcker

Beseelte Klänge füllen das Schlafzimmer.

 

Text: Bianca Brodbeck, Judith Rubatscher

Bilder: Christina Vettorazzi

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