Das Leben – im Bogentheater

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Absurd, unlogisch aber gleichzeitig mit Sinn, lustig und trotzdem tiefgründig: Besser lässt sich das neue Stück des Studententheaters „UnidramARTik“  wohl nicht beschreiben. Nach der erfolgreichen Premiere am Freitag ist „Das Leben – Ein absurdes Theaterstück“ diesen Sonntag (27.Mai) sowie am Donnerstag (31.Mai) und Freitag (01.Juni) jeweils ab 20 Uhr im Bogentheater zu sehen.

 

Verwirrend

Schon beim Eintreten in das Theater zwischen den Clubs der Bögen steigt das Publikum in eine surreale Welt. Das Donnern der Züge über den Köpfen und das schwarze Gewölbe bauen eine Distanz zum Leben außerhalb auf. Stattdessen tauchen wir in eine Welt ein, in der Kommoden Fellbeine mit Krallenfüßen haben, in eine Welt mit schrillen Farben und rosa-blauem Glitzer Make-up. „Ein Ball, ein blauer Ball, ein richtiger blauer Ball“, auch aus den Texten der Schauspieler wird man nicht wirklich schlau.

Anders

Statt, wie gewohnt, mit einem Handlungsstrang und Protagonisten führt uns die Gruppe über bis fast in die Unverständlichkeit verfremdete und zugespitzte Szenen aus dem Leben in die Irrationalität. Die These: Das Leben ist absurd. Zwar drehen sich die Dialoge zunächst noch um uns bekannte Themen wie Liebe, Geld, Macht und Einsamkeit. Doch je weiter der Abend fortschreitet, desto wahnwitziger wird, was sich auf der Bühne abspielt. Eine junge Frau glotzt das Publikum durch eine Kiste an, Wissenschaftler erforschen fossile Löcher, die Sprache wird überverkompliziert und schließlich sollen Flaschen und Klobrillen sprechen können.

Spiegelnd

Dennoch ergibt irgendwann das meiste, was auf den ersten Blick verrückt und irrwitzig anmutete, irgendwie Sinn und scheint gar nicht so weit hergeholt. Der aufgeregt auf die Bühne stürmende Conférencier, der sich im Laufe des Abends öfter als fünf Mal beim Publikum entschuldigt, weil nicht alles so läuft wie geplant, könnte genauso gut Schaffner bei den ÖBB sein, wenn der Zug wieder einmal Verspätung hat. Wissenschaftler sind auch in diesem Stück so verwirrend, wie man es sich vorstellt bzw. repräsentieren den Dozenten-der-keine-Ahnung-hat-wie-er-erklären-soll ausgezeichnet. Generell fällt einem bei einfacher, zweifacher, dreifacher Betrachtung auf, dass sich das Theater, das sich auf der Bühne abspielt, kein bisschen von unserem Leben unterscheidet. Wir sitzen auch stundenlang vor dem Fernseher und wollen dort das Leben sehen, aber eigentlich betrachten wir nur uns selber. Und wenn uns die Medien etwas auftischen, dann glauben wir das. Und wenn das bedeutet, dass wir jedem unserer Schritte eine Bedeutung zukommen lassen und jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen, dann ist das eben so. Aber wie wäre unsere Gesellschaft, wenn das alle machen würden? Gute Frage – keine Antwort. Die Frage nach der Existenz von Gott aber wird vehement diskutiert, ebenso wie die Sinnhaftigkeit von Start-Ups oder neuen Geschäftsideen. Obwohl, eigentlich sollte uns vor allem eine Figur beschäftigen. Die, die ein Individuum sein möchte, keines ist und keines wird, weil sie nicht wie alle anderen sein kann und dadurch ausgeschlossen wird.

Vielleicht verlassen einige verwirrte Zuschauer die Bögen mit großen Schritten, bedacht darauf ja keinen Schritt zu viel zu machen. Andere hören auf in ganzen Sätzen zu sprechen, denn die Worte sind ja schließlich gezählt. Um es mit den Worten einer Figur zu beschreiben: „Wir glauben nur, was wir wissen.“ Was wir wissen, ist, dass dieses Stück fürs Leben, leben und leben lassen geschrieben wurde und deswegen glauben wir, dass einem tollen Theaterabend und einem unbeschwerten Weiterleben danach, nichts im Wege steht.

 

Wenn ihr es selbst ausprobieren wollt: Tickets gibt es auf www.bogentheater.at oder an der Abendkasse. Studenten zahlen sechs Euro. Einlass jeweils eine halbe Stunde vor Stückbeginn.

 

Noch ein paar Eindrücke des Abends:

 

Text: Tabea Braun und Pauline Tagwerker

Fotos: Lisa Probst und Christina Vettorazzi (Bild 4, Mädchen am Fernseher)

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