Drei Viech im Viadukt

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Paul Plut, Christoph Lederhilger und Martina Stranger sind Viech. Am Donnerstag, den 5. April, erschütterte ihre animalischen Saiten und Stimmbänder die Trommelfelle im Herzen der Innsbrucker Bogenmeile.

Der Konzertraum von p.m.k. wird verdunkelt. Eine Lichtgestalt betritt die Anhöhe. Sie trägt einen Bass unter dem Arm und ein Lächeln im Gesicht. Neben ihr erscheinen zwei Männer. Einer setzt sich hinter das Schlagzeug. Der Andere gesellt sich zum Mikrofon. Die Bandmitglieder sind ruhig und gelassen wie ein Löwe, der noch auf der Lauer liegt und auf den perfekten Moment wartet, um all seine Kräfte gezielt einzusetzen.

Die Band Viech wurde im Jahr 2011 von Paul Plut und Andreas Klinger-Krenn in Graz gegründet. Da einer ihrer Freunde experimentelle deutsche Lyrik verfasste, war die Verknüpfung dieser Texte mit alternativer Musik ihr Ausgangspunkt. Doch nicht nur zeitgenössische Kunst hatte einen Einfluss auf die Musiker. Sie vertonten auch Gedichte von Georg Trakl. Dabei stießen sie an ihre Grenzen und jene der Texte. Sie fühlten sich nicht befugt, in ein Werk eines anderen Künstlers, der schon vor vielen Jahren gestorben war, so einzugreifen, dass sie mit dem Endprodukt vollkommen zufrieden sein konnten. Daher begannen sie ihre eigenen Liedtexte zu schreiben.

Und Oh Elise, diese Lyrik ist kein Schwarzer Peter! Die Nase bleibt sauber wie das weiße Shirt des Drummers Christoph Lederhilger. E-Gitarre und Bass schnurren um die Wette, während der Löwe brüllt. Paul Pluts tiefe Stimme fängt Töne und lässt sie nicht mehr entkommen. Und auch wenn der Sänger behauptet: „Ich hab viele Fehler gemacht. Ja, das ist die Wahrheit.“ Die Juwelen zu stehlen und das Lied von Gestern zu singen, zählt bestimmt nicht dazu.

Doch nicht nur die Songtexte der alternativen Pop-Rock-Band überzeugen. Auch das Dreier-Team auf der Bühne kann sich sehen lassen: Drei Musiker, drei Instrumente und die drei Farben der Kleider. Reizüberflutung und Maßlosigkeit wurde ein Hausverbot erteilt. Die Künstler haben sich bei der Erarbeitung des neuen Albums Heute Nacht nach Budapest dem Minimalismus verschrieben und setzen diesen Zögling auf der Bühne im Rampenlicht aus. Neben ihm stehen Authentizität und Freude an der Arbeit. Eine unschlagbare Kombination, deren Potential absichtlich im Keller ist!

 

Fotos: Christina Vettorazzi

 

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