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Schlechte Show, geile Party

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Am Samstag, den 14. April, haben die Stürmer und Dränger der österreichischen Modeindustrie das Atelierhaus der Bildenden Künste in Wien eingenommen. Sie fordern Nachhaltigkeit und Veränderung. Sie sind die neueren.

Der Klang von Scherenschnitten und dem Abspulen eines Fadens überlagert die Gespräche der Wartenden. Es ist kurz vor acht. In wenigen Minuten beginnt die Modenschau. Ein paar  Studentinnen schleichen sich aus dem Backstage-Bereich und hasten quer durch den Saal. Die Band Hands & Bits nimmt ihren Platz auf der kleinen Bühne ein. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Dann verdunkelt sich der Saal.

Foto: Alexandru Cristea

In allen Metropolen derselbe Scheiß!

Eine der Studentinnen zog nach einem Aufenthalt in London diesen Schluss aus der Situation der globalen Modelandschaft. Mit dieser Anekdote leitet die Moderatorin Kristin Gruber die Modenschau Schlechte Show, Geile Party von die neueren ein.

Die neueren sind das Mode-Kollektiv des kommenden Abschlussjahrgangs der KunstModeDesign Herbststrasse. Sie orientieren sich an den Neoterikern, einer  Dichtergruppe, die sich im antiken Rom von Traditionen distanzierte. Im Wien der Gegenwart rebellieren nun die neueren gegen die vorherrschenden Konventionen der Modebranche und die Ignoranz vieler Teilhaber. Sie wollen der Uniformierung der Kunst entgegenwirken und die Augen nicht mehr vor der Umweltverschmutzung und der Schädigung zahlreicher Fabrikarbeiter verschließen. Sie wollen Kunst von und für Menschen.

Foto: Christina Vettorazzi

Gods of Trash Configure That

Blaues Scheinwerferlicht zerteilt die Säulenhalle. Hands & Bits überlagert die Spannung mit dem Rhythmus eines ruhigen Herzschlags. Auf der Leinwand darüber der Titel der ersten Kollektion, Evolution von Lisa Sturn. Klare Linien und Formen zeichnen das Bild des Menschen, seiner frühesten Vorfahren und einer Zukunftsvision. Zacken und andere Auffälligkeiten werden mit LED-Licht betont, das die Models für wenige Minuten zu Robotern mutiert. Andere Designer betrachten das Motiv der Veränderung aus einer eher alltäglichen Perspektive: Julia Nagl bildet die Unordnung im Leben eines Teenagers in ihrer Kollektion Jugendliches Chaos ab. Den ökologischen Aspekt der Mode stellt die Designerin Teresa Resch bei Einundsiebzig Prozent besonders stark in den Vordergrund, indem sie das Volumen und die Schönheit des Ozeans auf dem Laufsteg präsentiert. Lick me von Johanna Loidl und Get Wet von Helena Friedl zeigen sich frech, keck und äußerst gut gekleidet für ihre verheißungsvollen Titel.

Foto: Alexandru Cristea

Simple Surfaces auf der Baustelle

Drei Tiroler Designerinnen präsentieren scheinbar unscheinbare Kollektionen. Emily Zanon stellt Surfaces zur Schau. Cremefarbene und beigen Töne symbolisieren Sand, Fels und Haut. Das größte Organ des Menschen wird jedoch nicht nur nachgeahmt, sondern offenbart sich als Bestandteil der Kollektion. Simple ist das Motto von Mira Vogl-Fernheim. Sie zieht Linien und verbindet diese zu klaren Formen. Dadurch lässt sie den Models Spielraum, um sich selbst zu entfalten und sich gemeinsam mit der Mode darzustellen. Nach diesen beiden Kollektionen folgt eine Baustelle. Sechs Models präsentieren Veränderung im urbanen Raum. Die Designerin Lena Mader arbeitet mit Details, Struktur und dem gewöhnlichen Chaos des Aufschwungs.

Foto: Christina Vettorazzi

Story of a good bad Show

Die Gäste wurden an dem vergangenen Samstagabend von Individualität, Kreativität und Vielseitigkeit durch die Show geführt. Das Thema des Wandels wurde von den Designern aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet, die sich in der Mode widerspiegeln. So wählten manche der angehenden Absolventen ein klassisches Motiv, das sie neu interpretierten. Andere reflektierten über populäre Kunst oder den Alltag. Einige verschrieben sich bei der Umsetzung des Projekts in jeder Hinsicht dem Minimalismus, während ein paar Künstler ihre Kleidungsstücke durch pompöse Show-Einlagen ergänzten. Es gibt nur ein einziges Fazit, das auf die gesamte Modenschau zutrifft: Die Designer haben nicht nur ihre Models, sondern vor allem sich selbst in Uniform of Success gekleidet.

Foto: Alexandru Cristea

 

 

 

Nach der Modenschau konnten sich die Gäste mit den Künstlern unterhalten und deren Ausstellungen betrachten:

 

 

 

 

Fotos: Christina Vettorazzi

Titelbild: Alexandru Cristea

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