Liebe ohne Schnulzigkeiten – 10 Liebeslieder der etwas anderen Art

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Valentinstag. Und was wäre der Tag der Verliebten ohne die richtige Musik? Bei Thema Liebeslieder kommen einem unwillkürlich die großen Klassiker in den Sinn. Dass es sich dabei oft um in Englisch getarnte Schnulzigkeiten handelt, die mit einer einzigen Strophe die ganze deutsche Schlagerlandschaft in den Schatten stellen könnten, ist bei all der Romantik, Amor sei Dank, meist irrelevant.  Dabei wäre etwa der Text zu Helene Fischers „Atemlos“ noch äußerst kreativ, wenn man bedenkt, dass Whitney Houston in ihrem Totschlaghit „I Will Always Love You“ mehr als die Hälfte der viereinhalb Minuten mit Wiederholungen der Titelzeile füllt. Wie auch immer, all die mehr oder weniger schnulzigen Love Songs kennt man. Die folgende Liste widmet sich deshalb zehn etwas anderen Liebesliedern. Nicht unbedingt valentinstaggeeignet, aber mit ganz viel Herz –  garantiert  auch für die restlichen 364 Tage im Jahr.

 

1. Kein Liebeslied – Kraftklub

Die Ballade klingt wenig nach dem Indie-Punkrock-Rap-Mix, den man sonst von Kraftklub kennt. Auf unsere Liste schafft es „Kein Liebeslied“ schon allein wegen ebendiesem Titel – der im Grunde genommen eine Lüge ist. Das Eingeständnis kommt, im wahrsten Sinne des Wortes, in letzter Minute: „Du kannst mir glauben, sowas wollt ich nie, aber irgendwie, ist das ein Liebeslied.“ Denn genau das ist es auch. Oder passend formuliert zum Albumtitel „Mit K“ quasi „Kein Liebeslied“ – ohne K.

 

 

2. Denkmal – Wir sind Helden

„Hol den Vorschlaghammer“ – seit 2000 macht die Hamburger Band um Sängerin Judith Holofernes Deutsch-Rock-Pop vom feinsten. Mit „Denkmal“ schaffen sie es, Liebe und Vandalismus in einen Song zu packen. Die Message dahinter ist ein Appell: Oft heimlich still und leise, werden die Denkmäler errichtet, Beziehungen, ab dem ersten Verliebtsein, idealisiert und hochgelobt und die perfekten Zukunftsszenarien dazu gesponnen – Liebe, wie in Stein gemeißelt. Doch genau dagegen gilt es zu rebellieren. Denn für die Liebe wird das Denkmal sonst eher zum Grabmal.

 

 

 

3. Verliebt – Antilopen Gang

„Nur ein dummer Satz würde alles zerstören. Dann wär ich nicht mehr verliebt in dich.“ Ja, so schnell kann’s gehen. Eine dumme Aussage und schon sind Anziehung und Attraktivität dahin. Die Songs der Antilopengang zeichnen sich gewöhnlich durch klamaukigen Humor, Meinung und Unkonventionalität aus. Mehr als das Lied selbst, polarisiert allerdings das Video zu „Verliebt“. In einer ausschließlich mit Polizisten besuchten Bar, knutscht Rapper Danger Dan, teils in Nahaufnahme und Slow-Motion, mit Feine-Sahne-Fischfilet-Frontmann Monchi. Damit ist „Verliebt“ ein Statement gegen Homophobie und gleichzeitig, wie es in einem Facebook-Post zum Videodreh heißt, ein wunderbares Mittel „um die Hinterwäldler unter den eigenen Fans zu vergraulen.“

 

 

4. Krank vor Liebe – Max Raabe

Die Liebe ist doch immer wieder für das ein oder andere Mätzchen gut. Werden diese dann auch noch von Max Raabe besungen, ist klar:  da kann kein klassisches Liebeslied rauskommen. Dabei klingt der Bariton mit seinem Palast Orchester erstmal durchaus nach ernster Klassik. Wäre da nicht auch noch der Text.  Trotz Frack und steifer Haltung ist es ab der zweiten Zeile vorbei mit dem Ernst und Platz für Romantik bleibt ebenso wenig. Dafür ist „Krank vor Lieben“ so leicht und komisch, dass es einem immer wieder ein Schmunzeln entlockt – und eigentlich ein viel liebenswerteres Liebeslied ist, als all die Herzschmerzsongs.

 

 

5. Westerland – Die Ärzte

Als eine „Hommage an Westerland“ wird das gleichnamige Lied der Ärzte gern beschrieben. Auf den ersten Blick, oder besser gesagt das erste Hören, mag es tatsächlich nach einer Liebeserklärung klingen. Und vielleicht auch, wenn man es voller Melancholie mit dem harten Kern einer versiegenden Feier dahingrölt. Nichtsdestotrotz hat die „Beste Band der Welt“ ihren Song über den Berliner Jungen und seine Verstand raubende Sehnsucht nach der Insel Sylt dezent mit Ironie gespickt. Für manchen vielleicht ein Grund, das Lied umso mehr zu lieben, immerhin bekundet man so nicht heuchlerisch seine Liebe zu einer verschlafenen Nordseeinsel, auf der man selber vermutlich noch nicht einmal war…

 

 

6. Ham kummst – Seiler und Speer

Zugegeben, ein Klassiker. Nichtsdestotrotz darf „Ham kummst“ als Nummer 6 auf unsere Liste. Der Grund: Selbst wenn man es schon tausendmal gehört hat, schafft es das Lied erneut, einem ein Schmunzeln zu entlocken oder mit einem Anflug von Genugtuung in sich hineinzulachen. Die Kinder, der Hund, das Haus, die Polizei: Beim ersten Anhören haben diese Textzeilen einen wunderbaren Überraschungseffekt, im Gedächtnis bleiben sie als herrliche In-your-face-Momente, so dass aus der tragischen Liebesgeschichte, um die sich „Ham kummst“ dreht, eine wahre Komödie wird.

 

 

7. Alles aus Liebe – Die Toten Hosen

Der Klassiker der Toten Hosen hat mittlerweile schon ein viertel Jahrhundert auf dem Buckel und zählt damit zu den Urgesteinen auf dieser Liste. Wohl selten, kommt eine Liebesgeschichte so düster  daher, wie in diesem Song. Nein, an großen Gefühlen fehlt es nicht, sondern vielmehr daran, sie zu zeigen. Dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt, kündigt sich schon in der ersten Strophe an: „Mir kommt es vor als ob mich jemand warnt, dieses Märchen würde nicht gut ausgehen.“ Und das tut es auch nicht. Hin und her gerissen zwischen Eifersucht und Aggression, werden schließlich Mord und Suizid zum Liebesbeweis des Protagonisten. Der Song endet mit drei Schüssen. Schöne, harmonische Liebeslieder kennt man von den Düsseldorfer Punk-Rockern bis heute nicht. Wenn dafür aber tragische Hits wie „Alles aus Liebe“ entstehen, können sie ruhig nochmal 25 Jahre so weiter machen.

 

 

8. Rennrad – Dota

Dota alias Dorothea Kehr ist eine Berliner Liedermacherin, auch bekannt als die „Kleingeldprinzessin“, dem Namen ihres eigenen Plattenlabels. Genau wie der Name, klingt auch Dotas Musik nach verspielter Leichtigkeit. Darin verpackt sie Alltägliches genauso wie die großen politischen und gesellschaftlichen Themen. So kommt es auch, dass es in „Rennrad“ um die Liebe geht – zumindest entfernt. Poetisch, frech und mit einem Hauch Melancholie erzählt der Song von einer Schwärmerei für den „heiß, wie frisch frittierten“ Typ mit seinem Rennrad.  Hoffnungsloses Anhimmeln oder doch ein Happy End? Hört selbst …

 

 

9. Romcom – Mine und Fatoni

„Romantikkomödie”, engl. „Romantic Comedy”, kurz „romcom”, ein Liebesfilm mit positivem Ausgang. Der gleichnamige Song von Mine und Fatoni handelt ebenfalls von der Liebe, allerdings in ihrer gescheiterten Form, einer Beziehung wie sie vielleicht kaputter nicht sein könnte. Zwischen melancholischen Elektro Beats beschreibt „Romcom“ unverblümt den Beziehungsalltag eines Paares mit seinen kleinen und großen Konflikten. Das dialogische Arrangement der Vocals aus Sicht des Ich-Erzählers, lässt einen dem Lied wie einer Geschichte lauschen. Und immer wieder dem Refrain, in dem die Probleme mit einer Romcom übertüncht werden, anstatt darüber zu reden. „Denn das ‚Nicht-mehr-drüber-reden‘ verbessert den Beziehungsstand“

 

 

10. Liebe – Moop Mama

Der Titel lässt es schon erahnen, in diesem Song steckt ganz viel Liebe. Begleitet von seiner neunköpfigen Band, teilt sie Sänger MC Keno mit Mensch, Tier, Baum und Getränken (Bier ein-, Becks Lemon ausgeschlossen) – und noch viel größer ist dabei die Liebe zum Detail. Begleitet von tanzbaren Bass Beats entwickelt sich der Sprechgesang allerdings rasant von Frühlingsgefühlen zur Gesellschaftskritik. Ein wahres „Liebe“slied der etwas anderen Art also – selbstbewusst, wortwitzig und auf jeden Fall liebenswert.

 

 

Witzig, düster und kritisch – ganz schön vielseitig diese Liebeslieder, was? Die Liste ließe sich wohl noch viel, viel weiter fortsetzen. Und weil heute Valentinstag ist: <3

 

 

Titelbild: Lisa Probst

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