Veganismus gegen die ökologische Apokalypse – Ein Selbstexperiment

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Aus einem gemütlichen Netflix-Abend Ende letzten Jahres wurde nicht nur ein augenöffnendes Erlebnis, sondern sehr bald auch ein ziemlich ernster Vorsatz für das neue Jahr:  keine Fleisch-, Fisch-, Milch- oder Eierprodukte mehr zu konsumieren. Umgesetzt habe ich mein veganes Vorhaben pünktlich zum Beginn des neuen Jahres ohne jegliche Vorbereitung, von heute auf morgen. Mit welchen übriggebliebenen Leckereien im Kühlschrank ich dabei zu kämpfen hatte und welche Überraschungen das Vegan-Sein in sich hat, erfahrt ihr hier.

 

Angefangen hatte alles mit der Dokumentation „Cowspiracy“, die eindrucksvoll zeigt wie groß der Einfluss der globalen Nutztierhaltung auf unsere Umwelt ist: Demnach kommen mehr als 50 Prozent der weltweiten Umwelt-schädigenden Treibhausgase aus der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie.

Darüber hinaus ist die Viehzucht (haupt-)verantwortlich für die Zerstörung des Amazonas sowie ein Drittel des globalen Frisch-Wasserverbrauchs, und nimmt rund 45 Prozent der Erdoberfläche in Anspruch. Was wiederum zur Zerstörung von Lebensraum und Artensterben an Land als auch in den Ozeanen führt…

 

Veganismus gegen die ökologische Apokalypse?

 

Was also tun um dem weltweit ansteigenden Konsum von Tierprodukten und der damit einhergehenden Umweltzerstörung entgegen zu wirken? Meinen Fußabdruck auf diesem Planeten möglichst klein halten und mich vegan ernähren!

 

Gründe für die Umstellung zum Veganismus gibt es mehr als genug:  Neben unethischer Tierhaltung, könnte z.B. auch die ganze Menschheit ausgewogen ernährt werden, wenn das Getreide welches momentan als Tiernahrung genutzt wird, von Menschen konsumiert werden könnte. Außerdem soll Veganismus gesund sein, fitter machen und vor vielen Krankheiten schützen. Ohne weitere Ausreden war mein Vorsatz für das kommende Jahr geboren.

 

Das Experiment

 

4 Wochen lang die vegane Ernährung in einem Selbstexperiment testen und dann möglichst auf lange Sicht beibehalten – soweit der Plan. In dem Glauben, dass die Umstellung als langjährige Vegetarierin schon nicht so schwer werden würde, habe ich mich zugegebenermaßen nicht wirklich auf mein veganes Vorhaben vorbereitet. Der Wille war da, vielmehr aber auch nicht.

Und so begann mein veganes Selbstexperiment mit dem Start ins neue Jahr – und entsprechend verkatert. Schlecht auf mein neues Vorhaben vorbereitet, fiel das Katerfrühstück für mich leider erst mal ins Wasser. Der Kühlschrank voller nicht-veganer Leckereien und dem selbstgemachten Tiramisu vom Vortrag stellten mich gleich auf eine harte Probe. Das sollte nicht die letzte sein.

Als frischgebackene vegane Skilehrerin sind Berghütten die reinste Enttäuschung. Gut, das waren sie als Vegetarierin eigentlich auch schon. Bleibt meistens Pommes oder vielleicht ein Salat, da selbst die Nudelsuppe häufig nicht vegan ist.

Aber nicht nur auf dem Berg auch in der Stadt ist es für mich nicht immer so leicht etwas Veganes zu essen zu finden. Natürlich gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt eine Handvoll veganer Restaurants, aber wenn die gerade mal nicht in der Nähe (oder teilweise im Geldbeutel drin) sind, wird’s schon schwieriger.

Da die Stimmung bei akutem Hunger bekanntlich schnell kippen kann, möchte ich bei der Essenssuche vor allem, wenn ich nicht alleine unterwegs bin, lieber nichts riskieren. Um immer und überall auf der sicheren Seite zu sein, hilft natürlich das gute, alte Lunchpaket. Mit etwas Glück lässt sich ein veganes Gericht aber auch so finden, die asiatische Küche bietet beispielsweise meistens eine Auswahl an veganen Gerichten und hat mich schon einige Male vor dem Verhungern gerettet. Es hilft auf jeden Fall möglichst einfallsreich und flexibel an die Sache ranzugehen, irgendetwas veganes zu essen lässt sich eigentlich immer finden.

Sobald Essen aber zu einer echten sozialen Unternehmung wird, kann das Ganze schon etwas komplexer werden: Gewohnt tierische Essensvorstellung vertragen sich leider nicht immer ganz so gut mit den veganen Ansprüchen und andersrum. Da kann man als Veganerin schnell zur anstrengenden Extrawurst und eine Einladung zum Essen oder das gemeinsame WG-Kochen schon mal etwas komplizierter werden. Notfalls gibt es dann halt mal eine Pizza ohne Käse, schmeckt tatsächlich auch gut – wer hätte das gedacht.

 

 

Die Welt ist voller Überraschungen

Um mich vegan ernähren zu können, bin ich plötzlich gezwungen mich mit den Inhaltsstoffen meiner eigenen Ernährung auseinandersetzen. Nie hätte ich gedacht, dass so viele scheinbar vegane Produkte, doch gar nicht oder nur manchmal vegan sind: Dazu gehören zum Beispiel Weine, Säfte und Schokolade – gut das wusste ich eigentlich und wollte es vielleicht nicht wahrhaben. Zu dramatischen Situationen ist es dann schon mal gekommen, wenn ich ganz schlimmes Verlangen nach einem dieser Produkte hatte. Da hilft nur all die übriggebliebenen, nicht-veganen Produkte schnell zu verschenken und neue, vegane Leckereien zu finden. Davon gibt es schließlich auch nicht zu wenige. Mein veganer Schokoladen-Orangen-Geburtstagskuchen dieses Jahr war zum Beispiel  ein echtes Highlight. Glücklicherweise gibt es Unmengen an veganen (Ersatz-) Rezepten und das vegane Sortiment in ausgewählten Läden lässt auch nicht zu wünschen übrig. Es gibt sogar vegane Fertiggerichte!

 

Mein Fazit

 

Natürlich werde ich durch meine vegane Ernährung nicht die Welt verändern. Höchstwahrscheinlich wird durch meinen Verzicht nicht mal weniger Fleisch und Co. produziert. Und selbst wenn, wird sich dadurch zumindest am Welthunger und der unethischen Tierhaltung mit großer Sicherheit nichts verändern.

Trotzdem möchte ich für meinen Teil versuchen möglichst nachhaltig zu leben. Und wenn ich mich dabei auch noch gesund und lecker ernähren kann, sehe ich darin eigentlich kein Problem. Für die Zukunft bedeutet das aber auch, dass ich mich näher mit einer ausgeglichenen Ernährung und den dafür notwendigen Nährstoffen auseinandersetzen muss. Dann steht einer veganen Ernährung auch auf lange Sicht eigentlich nichts mehr im Weg – außer vielleicht meine heimliche Sehnsucht nach Käse.


Fotos: Sina Herrmann

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