Das IFFI 2017 – Ein Rückblick nach dem Fünf-Finger-Prinzip

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Klappe, die Letzte: bei strahlendem Sonnenschein liefen im Rahmen des internationalen Filmfestivals Innsbruck vom 23. bis zum 28. Mai im Leokino und im Cinematograph täglich Filme aus aller Welt. Ein Rückblick. 

 

Was war gut?

Meine Überlegungen dazu, was mir am diesjährigen Internationalen Filmfestival gut gefallen hat, sind kurz. Denn – Ganz klar: Die Filme waren Top. Aus vielen verschiedenen Ländern kamen unterschiedlichste Eindrücke auf die Kinoleinwand. Ob namibische Melancholie, kubanische Nüchternheit, griechische Liebe oder österreichische Selbstzweifel – es werden einem lebhafte Bilder abseits jeglicher Stereotype vermittelt. Außerdem sind die Kinos, in denen das IFFI stattfand, sehr schön. So banal das klingen mag: Sowohl das Leokino als auch das Cinematograph sind gemütliche, freundliche und irgendwie familiäre Kinos, in denen man sich schnell wohlfühlt. Dadurch hat das IFFI einen angenehm persönlichen Touch, der es sehr sympatisch macht. Man hat das Gefühl, den internationalen Gästen nah zu kommen, da man ihnen nicht zuletzt durch die Saalgröße speziell im Cinematograph tatsächlich nah ist und ohne Mikrophon Fragen stellen kann. Nicht zu vergessen: In den Kinos werden keine Taschen nach Selbstmitgebrachtem durchsucht, noch fühlt man sich versucht, teures Popkorn oder Nüsse zu kaufen. Auch das große Angebot an Kurzfilmen hat für mich einen fetten Pluspunkt verdient.

 

Was werde ich mir merken?

Wie bei so vielen Dingen im Leben – Pünktlich kommen! Einmal musste ich dank dem großen Andrang und meiner Unfähigkeit zu schnellem Biertrinken am Rande der ersten Reihe Platz nehmen, und, um die groß geschriebenen Untertitel mitlesen zu können, konstant den Kopf von links nach rechts bewegen. Einigermaßen durcheinander in der Birne bin ich nach der Vorstellung aus dem Kino getorkelt.

 

 

 

 

Was war Sch****?

„Kann nicht mal jemand die Sonne abstellen?“ – das IFFI wäre wohl deutlich besser besucht gewesen wenn das Wetter nicht so verdammt Kino-feindlich gewesen wäre. Während sich die Hälfte der Studierenden am Innufer vergnügt, sitze ich im dunklen Kinosaal und ziehe später, als ich es nicht mehr aushalte, meine Flip-Flops aus, um die Kinostimmung beim Rauslaufen nicht zu zerstören. Denn bei fünf Gästen im Saal fällt jedes kleinste Rascheln auf, und ich fühle mich trotz der Dunkelheit beobachtet. Was mich allerdings deutlich mehr störte, war, dass alle Filme nur jeweils ein einziges Mal gezeigt werden. Dadurch ist es sehr schwierig, auch nur annähernd alle Filme, die man sehen möchte, anzuschauen. Die enorme Auswahl von 75 Filmen macht es nicht einfacher. Auch die Moderation bei manchen Diskussionen und die Ansprachen á la „Willkommen beim IFFI 2017“ ließen leider kein wohliges Gefühl der angespannten Vorfreude aufkommen, sondern zeigten auf kurze, wortkarge Weise einmal mehr, wie klein und familiär Innsbruck und seine Kinos sind.

 

Was wünsche ich mir?

Für das IFFI 2018: Falls das Wetter wieder mal nicht mitspielt, künstlichen Regen über die Köpfe von sentimentalen Kinobesuchern, die gerade aus einem ergreifenden Liebesfilm stolpern. Außerdem mehr Sofas und Sessel in den Vorräumen drinnen und draußen vor dem Leokino sowie im Hintergarten des Cinematographen. Was auch cool wäre: Eine Möglichkeit, schriftliches Feedback zu den Filmen zu geben, eine Draußen-Leinwand bei gutem Wetter, thematisch zum jeweiligen Film passendes Essensangebot und ein „Ein Film pro Tag“-Ticket zusätzlich zum Festivalpass und den Einzeleintritten.

 

…Und noch was Kleines zum Schluss

Mein persönlicher Filmtipp vom IFFI für alle ist Worlds Apart: Drei Liebesgeschichten in drei Generationen, die alle am Ende wie in einem roten Wollknäuel zusammenlaufen. Die Geschichten spielen im brandaktuellen Griechenland inmitten Flüchtlings- und Wirtschaftskrise. Ein Angestellter, der Angst haben muss entlassen zu werden, ein syrischer Flüchtling, ein „Wutbürger“, eine frustrierte Hausfrau, ein deutscher Tourist – sie sind alle mit von der Partie. Obwohl hier alle Klischees bedient werden, ist die Erzählung sehr authentisch. Mit ein paar Tränen kann man dabei schon rechnen, und wer lieber nüchtern die filmischen Details analysiert, kommt hier auch auf seine Kosten: grandiose Bilder und Kameraführung! Und hey, ganz nebenbei lernt man noch etwas über die Griechische Mythologie – Wusstest du zum Beispiel, wer die Frau von Eros war, dem Gott der Liebe?


Fotos: Internationales Filmfestival Innsbruck, www.iffi.at, (c) Perivi Katjavivi (Titelbild), Jutta Stackelberg (Artikelbilder)

 

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