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Das Air & Style der Mountainbiker

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„Es ging beim Whip-Off am Speichersee schon der Witz rum, dass sich die Fahrer konzentrieren müssen, damit sie vor lauter schöner Aussicht nicht vergessen was sie eigentlich springen wollen.“ Diese Worte von Georg Spazier (Geschäftsführer innsbruck-tirol sports GmbH) könnten die Premiere des größten Gravity-Mountainbike Festivals in Innsbruck nicht besser beschreiben. Vier Tage lang wurde im Rahmen des Crankworx bei strahlendem Sonnenschein vor atemberaubender Kulisse gesprungen, getrickst, geschraubt und gefeiert.

Als im August 2016 bekannt wurde, dass sich Innsbruck den Zuschlag für das Crankworx gesichert hatte, war die Erwartungshaltung bereits sehr hoch. Denn mit Stopps in Bike-Hochburgen wie Rotorua (Neuseeland), Les Gets (Frankreich) und dem traditionellen Finale in der Homebase in Whistler (Kanada) musste in der einstigen Stadt der Mountainbikeverbote einiges geschehen um mithalten zu können. Dafür mussten unter anderem 30.000 Kubikmeter Erde bewegt werden um aus der grünen Wiese an der Talstation der Muttereralm einen ansprechenden Parcours zu formen, der die Stars der Szene überzeugen sollte.

Nicholi Rogatkin (USA), Sieger der Disziplin Slopestyle, fand ausschließlich positive Worte für die Premiere: „Die Stimmung war fantastisch, der Ausblick ist einzigartig und es ist wirklich beeindruckend was hier aus dem Nichts aufgebaut wurde. Ich glaube ich spreche für alle Fahrer, wenn ich sage, dass wir nächstes Jahr gerne nach Innsbruck zurückkommen werden.“

Das werden mit Sicherheit auch die rund 18.500 Zuschauer, die von Mittwoch bis Samstag das Crankworx zu einem großen Fest der Bikefamilie machten. Sie trieben die Sportler zu Höchstleistungen an, wie unter anderem das Herzschlagfinale des Slopestyles zeigte. Rogatkin belohnte die Zuschauer mit einem sogenannten „World’s First“, einem noch nie gesehenen Trick, und die Menge kannte kein Halten mehr. Auch er selbst konnte sein Glück über den gelungenen „Cashroll Tailwhip“ (wer sich darunter nichts vorstellen kann 0:40; bitte nicht nachmachen!) kaum fassen und schmiss vor Freude im Ziel angekommen das Rad von sich. Selbst seine Konkurrenten zeigten sich beeindruckt. Thomas Lemoine (3. Platz, FRA) fiel über ihn her und auch Brett Rheeder (2. Platz, CAN), der nach ihm an den Start musste, schien so fasziniert von Rogatkins Leistung, dass er es nicht schaffte diese zu übertrumpfen – ein Zeichen für das familiäre Flair, das auf dem Crankworx herrschte. Der 21-jährige Rogatkin hat mit seinem Sieg in Innsbruck nun beste Chancen sich den Traum der „Triple Crown of Slopestyle“ in Whistler zu erfüllen.

Einzig das Wetter machte einem reibungslosen Ablauf einen Strich durch die Rechnung, weshalb der Slopestyle Contest von Sonntag auf Samstag vorverlegt wurde und teilweise zeitgleich mit dem Downhillrennen stattfinden musste. Das stellte, vor allem durch die räumliche Trennung der Strecken in Götzens und Mutters, so manch einen Fan vor die Qual der Wahl. „Das ist ein kleines Manko, dass hier nicht alle Disziplinen an einem Ort stattfinden können“, befand Lokalmatador Fabio Wibmer. Dennoch sieht er das Crankworx als große Chance für den Mountainbikesport in der Region.

Das Konzept, einen Hauch von British Columbia nach Tirol zu holen, ist aufgegangen. Innsbruck ist zumindest auch 2018 um eine außergewöhnliche Sportveranstaltung reicher, die mit atemberaubenden Tricks, halsbrecherischen Abfahrten und internationalen Stars genug Potenzial bietet zum Air & Style des Sommers zu werden. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur der Ausbau der Strecken nachhaltig bleibt, sondern sich das Festival langfristig etablieren kann – denn wo sonst lässt sich ein Mountainbike-Festival mit urbanem Lifestyle besser vereinen.

    

 

Fotos: Lorenz Zenleser

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