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Wahres Gold glänzt nicht

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Vor einigen Jahren noch fristeten sie ein beschauliches Dasein. Wenn sie nicht in irgendeiner Ecke im Keller verstaubten, dann waren sie höchstens noch unter Nostalgikern beliebt. Doch nun scheint es so, als gäbe es ein Revival dieses alten Tonträgers. Die Schallplatte, wahlweise auch das „Schwarze Gold“ genannt, erlebt ein Comeback. Auf der Schallplattenbörse am 1. April in Innsbruck zeigte sich dann auch einmal mehr, dass Vinyl einfach zeitlos ist.

Die Schallplatte erlebt eine Renaissance, welche vor wenigen Jahren wohl noch unvorstellbar war. Dies zeigen die nackten Zahlen. Alleine in Österreich wurden im vergangenen Jahr 300.000 Schallplatten im Wert von rund sieben Millionen Euro umgesetzt – Second-Hand und Verkäufe unter der Hand nicht miteinberechnet, womit die tatsächliche Zahl wohl weit darüber liegen dürfte. Dies entspricht einem Plus von knapp zwei Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2015. Dieser Trend lässt sich weltweit beobachten. Ein Blick in die Statistiken des Branchenkrösus „International Federation of the Phonographic Industry“ (IFPI) liefert die dazugehörigen Zahlen: Wurden 2006 weltweit lediglich 34 Millionen US-Dollar mit dem Verkauf von Schallplatten erwirtschaftet, stieg der Umsatz bis zum Jahr 2014  auf 346 Millionen US-Dollar. So hoch war der Umsatz seit über 25 Jahren nicht mehr. Mit ein Grund für diesen Zuwachs war die Einführung des inoffiziellen „Record Store Day“, der seit 2008 am dritten Samstag im April begangen wird. Gedacht als Tag, um auf unabhängige Musikläden aufmerksam zu machen, wurde dieser bald zum Selbstläufer. Auch der Wunsch vieler Menschen, sich vom Rest der Bevölkerung abzuheben und etwas Einzigartiges für sich zu entdeckten, trug zur Wiederentdeckung der Schallplatte bei.

Wo Innsbrucks Vinyl-Herz schlägt

In Innsbruck ist die erste Anlaufstation in Sachen Schallplatten der unabhängige Musikladen „Downtown Sound“, der seit einigen Monaten in der Maria-Theresienstraße 42 zu finden ist. Den äußerst charmanten und gemütlichen Laden eröffneten Leon Barton und Justin Barwick bereits 2011 in der Universitätsstraße.  Bis zu ihrer Übernahme war „Downtown Sound“ ein Fachgeschäft für DJ’s. Dementsprechend war die Musikauswahl äußerst limitiert. Und als der Besitzer einen neuen Eigentümer suchte waren die beiden gebürtigen Briten zur Stelle. „Wir wollten schon immer unseren eigenen Record Store, der ein breites Publikum anspricht“, erzählt Leon, in dessen Laden neben Schallplatten auch (wenige) CD’s, selbst entworfene T-Shirts und einiges mehr zu finden sind. Das Konzept scheint erfolgreich zu sein. „In den letzten fünf Jahren hat sich einiges getan. Hatten wir anfangs wenig Kunden, die mehr kauften, haben wir jetzt viel mehr Kunden, die aber weniger kaufen. Hinzu kommen Leute, die z.B. aus Deko-Gründen Platten für 3€ kaufen, um diese zu Hause aufzuhängen“, resümiert Leon.

Nicht überraschend ist es deshalb, dass man in ihrem Laden so ziemlich alles findet, was das Musikherz begehrt: Von Dance und Electro über Hip Hop, Jazz und Klassik bis hin zu Pop, Rock, Punk, Ska, Metal und vielem mehr. „Und wenn ein Kunde eine bestimmte Platte bei uns nicht findet, dann versuchen wir alles um diese zu bekommen“, verrät Leon, der auch schon prominente Kunden bedienen durfte, wie etwa den Enkel von Bob Marley. „Daniel ‚Bambaata‘ Marley schneite bei uns herein. Er hatte einen Auftritt im Treibhaus. Und dann kaufte er ausgerechnet eine Platte von seinem Großvater, die er anscheinend noch nicht hatte. Das war schon ein tolles Erlebnis.“ Wenn es nach Leon geht, so dürfen in den nächsten Jahren noch viele weitere interessante und außergewöhnliche Kunden kommen.

Schallplatten- und CD-Börse in Innsbruck

Viel Musik in der Hand hatten auch die Besucher am vergangenen Samstag bei der Schallplatten- und CD-Börse im Congress in Innsbruck. Mit knapp 50.000 Platten von ca. 20 Ausstellern lag der Fokus dabei aber eindeutig auf den schwarzen Scheiben. Zum bereits fünften Mal wurde die Börse in Innsbruck organisiert. „In der Vergangenheit hatten wir bis zu 400 Besucher hier. Heuer werden es wohl weniger sein. Aber ich bin trotzdem sehr zufrieden“, meint dazu Siegfried Eigner, der Organisator der Schallplattenbörse. Er selbst sammelt bereits seit seinem 15. Lebensjahr Schallplatten, von denen er unglaubliche 50.000 Stück besitzt.

Eigner ist sichtlich erfreut darüber, dass die Liebe zum Vinyl zurückgekehrt ist. „Ich erlebe seit ungefähr fünf Jahren einen stetigen Zuwachs an Plattensammlern. Dies liegt zum einen daran, dass man etwas Physisches in den Händen hält, das auch einen Wert hat. Und zum anderen und vor allem daran, dass ein immer jüngeres Publikum auf diese Tonträger zurückgreift, wie man auch hier bei der Börse sieht“, sagt er. Und er hat recht: sehr viele junge Leute durchstöbern das große Angebot und lassen die Scheiben zwischen ihre Finger gleiten. Wie viele Platten am Ende des Tages dann tatsächlich verkauft werden lässt sich schwer voraussagen. „Das hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie etwa dem Angebot oder der Qualität der Platten und dem dazugehörigen Preis“, sagt Eigner.

Aber eines steht fest: der Vinyl-Markt scheint vorerst keine Grenzen zu kennen. „Ich will zwar keine Prognose abgeben, aber mittelfristig denke ich, dass der Trend so weitergehen wird“, meint der Organisator. Wohl auch deshalb wurde die Entscheidung getroffen, ab heuer eine dritte Schallplattenbörse in Innsbruck zu organisieren. Diese findet im September statt, während die letzte Börse schließlich im November über die Bühne gehen soll.

Fotos: Matthäus Masè

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