Handy? Nein, danke!

Share

Wolltest du immer schon wissen, wie viel Zeit du eigentlich auf deinem Handy verbringst? Wenn die Antwort hier „ja“ lautet, dann hast du deine Handynutzung entweder im Griff und somit nichts zu verbergen – oder du belügst dich selbst. Fünf Tage lang habe ich Moment auf meinem Handy verwendet, eine App, die misst, wie lange man das Handy pro Tag verwendet und habe so herausgefunden, dass ich mein Handy etwa zwei Stunden täglich aktiv benutze. Gespräche in meinem Freundeskreis haben allerdings ergeben, dass es – je nachdem, wofür man das Handy verwendet – durchaus auch mehr sein kann. Aber was geschieht, wenn man als junger Mensch des 21. Jahrhunderts versucht, ein paar Tage ohne Handy zu leben? Ich habe den Selbstversuch gewagt. Dabei ging es weniger darum, nicht erreichbar zu sein als vielmehr darum, herauszufinden, in welchen Alltagssituationen ich mein Handy sonst noch brauche.

 

Am Montagabend ist es so weit. Kurz vor Mitternacht – ich sitze gerade mit Freunden im Treibhaus – schalte ich mein Handy aus. Bis Sonntag soll das nun so bleiben. Beim anschließenden Besuch im Weekender fehlt mir mein Handy nur dann, wann ich kurz die Uhrzeit überprüfen möchte, denn ich trage nie eine Armbanduhr. In den nächsten Tagen wird es zur Gewohnheit für mich, auf öffentliche Uhren zu achten oder ständig meine FreundInnen um die Uhrzeit zu fragen.

Außer dem automatisierten Griff zum Handy nach dem Aufwachen denke ich am Dienstag nicht an mein Handy. Erst am frühen Nachmittag wird es problematisch, denn mein Bruder kommt zu Besuch, und weil wir Chaoten sind, haben wir keinen genauen Treffpunkt am Bahnhof vereinbart. Normalerweise würde ich ihn anrufen, um ihn in der Menge der Ankommenden ausfindig zu machen; heute muss ich meine leicht verkaterten Augen anstrengen. Es dauert merklich länger, aber schließlich finde ich ihn doch.

Den Rest des Tages und den folgenden Tag verbringe ich damit, meinem Besucher die Stadt zu zeigen. Obwohl ich schon das fünfte Jahr hier lebe, gibt es immer wieder Neues zu entdecken, das ich üblicherweise auch gerne fotografisch festhalte. Doch mit meinem ausgeschalteten Handy liegt auch meine Kamera außer Gefecht gesetzt auf meinem Schreibtisch.

Am Mittwochabend treffe ich mich mit einem Freund, was wir über Facebook vereinbaren. Leider sehe ich seine Nachricht nicht mehr rechtzeitig, in der er mir schreibt, er werde zu spät kommen. Da Pünktlichkeit in meinem Freundeskreis aber sowieso nicht groß geschrieben wird (Ist das allgemein ein studentisches Phänomen?!), bin ich es schon gewohnt, auf andere zu warten und störe mich nicht mehr daran. Diese Situation wiederholt sich am Freitagabend mit einer Freundin.

Die restlichen Tage vermisse ich mein Handy überhaupt nicht. Stattdessen fällt mir das Gefühl positiv auf, nicht ständig dem Bedürfnis nachgehen zu wollen, die Welt per Instagram-Stories oder Snapchat darüber upzudaten, was ich gerade so unternehme, sondern einfach mal im Moment zu leben, ohne ihn für die Online-Followerschaft aufbereiten zu müssen.

Am Sonntag schalte ich mein Handy wieder ein und stelle fest, dass die Online-Welt natürlich ohne mich weiter existiert hat: Ich habe eine Menge notifications von Instagram, ungesehene Snapchats und ungelesene Nachrichten, denen ich mich jetzt widmen darf. Nachdem ich das getan habe, stelle ich fest: viel habe ich eigentlich nicht verpasst.

Ich lösche Moment aus meinen Apps und lasse die letzten Tage Revue passieren. Kann man ohne Handy leben? Mein Fazit: Absolut – solange man andere Möglichkeiten hat, mit anderen Vereinbarungen zu treffen. Würde ich mein Experiment wiederholen? Eher nicht. Denn obwohl eine Auszeit vom Handy eine Erinnerung daran sein kann, was wirklich wichtig ist, ist das Handy in vielen Alltagssituationen doch ein kleiner Helfer, auf den man nicht so gern verzichtet.

Fotos: Screenshots vom Autor des Artikels

Share
Share
Share