Vier Schnitzel und ein Halleluja – der Zeitlos Beisl Test

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Das Wiener Schnitzel gehört zu einer der weitverbreitetsten Speisen in Österreich, und das aus einem guten Grund. Und wo bekommt man ein besseres Schnitzel als in einem Beisl? Als traditionelle Alternative zu den ganzen neuen Gastro-Ideen, bei denen noch Bier statt Aperol serviert wird, und es statt Tofu noch das gute alte Schnitzel zum Essen gibt. Dort wo die Welt eben noch ein bisschen uriger ist. Vier Lokale, vier Schnitzel, ein Test.

 

Gasthaus Steneck

Ort: Leopoldsstraße 21, Wilten

Text: Felix De Zordo

Wenn man das Gasthaus Steneck nicht kennt, würde man wohl eher nur daran vorbeispazieren. Bei näherer Betrachtung wird es jedoch zum Geheimtipp und bietet neben dem günstigen Essen auch das richtige ‚Beisl-Ambiente‘. Im Sommer ist der kleine Gastgarten des Lokals ein Muss, der durch einen separaten Eingang erreicht wird. Das Schnitzel, oder man könnte fast meinen das halbe Schwein, ist riesig und bedeckt den ganzen Teller, auf dem sich darunter die Beilage befindet. Ein zweischneidiges Schwert: einerseits freut das natürlich die Gäste, allerdings wird das Essen an sich eine Herausforderung. Die Panade scheint fast schon perfekt, das Schnitzel könnte allerdings einen Hauch saftiger sein. Von Haus aus wird das Schnitzel mit Kartoffelsalat serviert, was schade war, da die Pommes auf ganzer Linie überzeugen: innen weich, außen knusprig. Für 7,50€ konnte sich die Portion sehen lassen, wenngleich keine Preiselbeermarmelade mit serviert wurde. Durch die Kompaktheit des Lokals wurden wir auch schnell und freundlich bedient. Die Vegetarier unter uns werden hier allerdings wenig Freude haben, abgesehen vom gebackenen Camembert und Kaspressknödel bleiben nicht viele Speisevarianten für sie übrig.

 

Gasthaus Lewisch

Ort: Bienerstraße 19,  Saggen

Text: Clemens Rosner

Das Gasthaus Lewisch in Mitten des bürgerlichen Viertels Saggen gelegen, verköstigt seine Gäste seit fast 100 Jahren mit traditionellen Köstlichkeiten. Im Erdgeschoss einer Wohnzeile angesiedelt bietet es schon im Eingangsbereich ‚Beisl-Charakter‘ in Reinkultur. Dunkle Holzvertäfelungen, eine urige Bar mit ebenso urigen Figuren am Tresen und Tiroler Volksmusik vom Heimatsender U1. Aufgeteilt ist das Gasthaus in drei Gaststuben, wobei die im hinteren Bereich gelegene eindeutig am ‚modernsten‘ wirkt. Schnitzel mit Salat und wahlweise Pommes Frites oder Petersilienkartoffel gibt’s um günstige 10,50€. Trotz guten Besuches wird man von der jungen Kellnerin schnell und freundlich bedient. Das Schnitzel begeistert durch die besondere Panier (= österreichischer Begriff für Panade), schön dünngeklopftes Fleisch und der Geschmack erinnert an das gute alte Sonntagsschnitzel bei Oma. Die Pommes sind leider nicht goldbraun, sondern eher gelb und daher auch nicht besonders knusprig. Die Portion ist genau richtig – sättigend, ohne auf das zweite Bier aufgrund von massiver Überfressung verzichten zu müssen. Besondere Erwähnung verdienen die Toiletten im Lewisch: Lokale, die heutzutage besonders hip, 70er-style und flohmarktig wirken wollen, können sich im Lewisch-Klo inspirieren lassen.

 

Tiroler Weinstube

Ort: Gumppstraße 38, Pradl

Text: Matthias Schmid

Die Tiroler Weinstube in Pradl hat definitiv das Prädikat „urig“ verdient. Egal ob damit nun die in die Jahre gekommene Inneneinrichtung oder so mancher Stammgast gemeint ist. Kaum betritt man das Lokal, steht man schon direkt an der Bar und mitten in den hitzigsten Diskussionen der Stammgäste. Wer diesem Trubel lieber entgehen will, begibt sich durch eine Glasabtrennung in eine der beiden hinteren Stuben, in den Nichtraucherbereich. Das Wiener Schnitzel überzeugt durch seine schöne goldige Panier und das sich diese auch leicht vom vorbildhaft dünn geklopften Fleisch ablöst. Eine großzügig bemessene Portion Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, den man den Pommes vorziehen sollte, schlägt mit sensationellen 6,50€ zu Buche. Und etwas das sehr positiv auffällt ist, dass man bei der Nachfrage nach Ketchup nicht etwa ein Päckchen, sondern wie von zu Hause gewöhnt eine ganze Flasche Ketchup hingestellt bekommt. Die Bedienung ist stets freundlich und man muss fast schon von wieselflink sprechen wenn man sieht, dass das gesamte Lokal einschließlich Bar von nur einer Kellnerin bedient wird. Das stetige Lachen auf den Lippen und die gute Laune beeindruckt vor allem den doch sehr „betreuungsintensiven“ Stammgastbereich.

 

Gasthaus Tengler

Ort: Höttinger Au 60, Höttinger Au

Text: Felix De Zordo

Das Tengler bietet die ideale Mischung aus Beisl und Gasthaus. Während der Raucherbereich standardmäßig direkt im Barbereich angesiedelt ist, bietet der Nebenraum eine rauchfreie Zone. Diese wird allerdings leider dem ‚Gasthaus-Charakter‘ nicht gerecht und so geht etwas dieser Atmosphäre verloren. Wen der Rauch nicht stört, sollte deshalb lieber den Bar-Bereich aufsuchen. Neben dem – leider mittlerweile einer Baustelle gewichenen – Gastgarten ist das besondere Highlight dieses Lokals sicher dessen Kegelbahn. Aber Achtung: besser früh genug reservieren, sonst steht ihr ohne Abendbeschäftigung da. Preislich ist das Tengler zwar im oberen Bereich, das Wienerschnitzel kostet 12,00 €, doch die Portion mit (leider etwas zu dicken) Pommes, Preiselbeer und einer großen Schüssel gemischten Salat rechtfertigt dies vollkommen. Das Schnitzel selbst konnte auch überzeugen: gut gewürzt, saftig und sogar die Butter konnte man herausschmecken. Abgerundet durch eine schnelle Küche und hilfsbereiten Kellnerinnen ist das Tengler eine absolute Empfehlung für alle Innsbrucker und -innen.

 

Fazit

Alle Beisln und vor allem Schnitzel konnten uns auf ihre Art und Weise überzeugen und wir können sie ausnahmslos weiterempfehlen. Vorausgesetzt man erkennt den Charme solcher Einrichtungen. Nichtsdestotrotz kann es nur einen Sieger geben. Die Entscheidung fiel uns definitiv nicht leicht, doch in Punkto Schnitzel, Preis/Leistung, Location und Service erhält das Siegerkrönchen (dank des Gastgartens in zentralster Lage) das Gasthaus Steneck!

 

Fotos: David Minatti


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #7 veröffentlicht.

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