Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

IMHO: Verpackungswahn im Supermarkt – Plastik soweit das Auge reicht

Share

Als ob Einkaufen nicht schon genug Stress wäre, Berge von abgepacktem Obst und Gemüse im Supermarkt bringen mich mittlerweile immer öfter an den Rand der Verzweiflung. Wo bleibt da die freie Kaufentscheidung und welche Auswirkungen hat der Verpackungswahn auf unsere Gesundheit und Umwelt?

 

Plastik ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken

Natürlich ist Plastik, offiziell Kunststoff, eine praktische Sache: günstig, leicht und formbar, aber dennoch stabil. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat der industriell hergestellte Kunststoff, der heutzutage größtenteils aus Erdöl hergestellt wird, Einzug in immer mehr, ja fast alle, Bereiche unseres täglichen Lebens gefunden. Weltweit werden pro Jahr mittlerweile ca. 240 Millionen Tonnen Kunststoff erzeugt.

Eine besonders hohe Steigerung von Plastikverpackungen ist in den letzten Jahren in der Lebensmittelindustrie festzustellen. Um Lebensmittel vor qualitätsmindernden äußeren Einflüssen zu schützen, wie z.B. Schmutz und Keime, werden mittlerweile möglichst viele Lebensmittel in Kunststoff verpackt. Gleichzeitig dienen Lebensmittelverpackungen als Informations- und Werbeplattform.


Einkaufen wird zum Kampf gegen Plastikmüll

Auch wenn die Erklärung der steigenden Anzahl an Plastikverpackungen für Lebensmittel gewissermaßen nachvollziehbar zu sein scheint, hört mein Verständnis spätestens beim Einkauf im Supermarkt um die Ecke auf. Von lauter Plastik(müll) umgeben, verbringe ich dann gefühlte Stunden in der Obst und Gemüse Abteilung, um herauszufinden was nicht nur schmecken, sondern auch möglichst wenig Plastik(müll) mit sich bringen würde und wovon ich nicht gleich riesige Mengen kaufen müsste. Denn mal ehrlich: nicht jeder hat einen Karottenkonsum von 1-2 Kilo die Woche oder braucht gleich 4 Auberginen auf einmal.

Durch die in Plastik abgepackten Obst und Gemüse-Portionen fühle ich mich aber nicht nur in meiner Kaufentscheidung beeinflusst. Sobald ich es mit meinem Einkauf nach Hause geschafft habe, beginnt der Kampf gegen den Plastikmüll: erstmal alles Obst und Gemüse wieder auspacken damit dieses möglichst frisch bleibt. Außerdem möchte ich verhindern, dass die Plastikverpackung schädliche Substanzen an meine Lebensmittel abgeben. Schließlich werden trotz gesetzlicher Regelungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit immer wieder u.a. hormonwirksame Weichmacher oder auch krebserzeugende Druckfarben von Plastikverpackungen in Lebensmittel gefunden.

 

Aber damit nicht genug: wenn mein Küchentisch anschließend vor lauter Plastikmüll kaum noch zu sehen ist und es bei Millionen ja vielleicht Milliarden von Menschen wohl nicht anders aussehen wird, sind die negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt kaum vorstellbar. Plastik ist größtenteils nicht biologisch abbaubar und nur ca. 42 Prozent des Plastikmülls werden recycelt. Aufgrund der enorm langen Haltbarkeit von Plastik kann es Jahrhunderte dauern bis es auf natürlichem Weg zersetzt wird. Plastikabfälle sammeln sich daher in riesigen Mengen in der Umwelt, besonders in den Weltmeeren. In Folge sterben nicht nur unzählige Meeresbewohner und andere Tiere, wie Vögel, es können auch gefährliche Inhaltsstoffe freigesetzt werden, von denen nicht auszuschließen ist, dass sie schädliche Langzeitfolgen auf Menschen haben können.
 

Die vermeintliche Notwendigkeit von Plastikverpackungen

Trotzdem werden fröhlich immer mehr Plastikverpackungen produziert, deren Nutzung meist einmalig und von extrem kurzen Dauer sind.

Dabei könnte bei vielen Obst- und Gemüsesorten, die beispielsweise vor dem Verzehr sowieso geschält werden müssen, ganz einfach auf Plastikverpackungen verzichtet werden. Aber auch bei nicht-zu-schälenden Obst- und Gemüsesorten sollten zumindest den Kunden die Möglichkeit offenstehen, selbst zu entscheiden ob eine (Plastik-)Verpackung notwendig ist. Schließlich tut es ein Jute-Beutel häufig auch.

Bio-Obst und -Gemüse das in umweltschädlichen Plastikverpackungen zum Verkauf ausliegt, ist ein weiteres unverständliches Phänomen für mich. Rückzuführen ist das auf eine EU-Verordnung, wonach Bio-Produkte klar von konventionellen Produkten zu unterscheiden sein müssen. Wenn allerdings mittlerweile sowohl die Bio- als auch konventionelle Gurke in Plastik eingepackt werden, ist in Punkto Kenntlichmachung niemandem geholfen.

Für die Zukunft sollte der Handel lieber dazu angeregt oder bestenfalls verpflichtet werden möglichst wenig Plastikverpackungen für Lebensmittel, egal ob konventionelles oder Bio-Obst und -Gemüse, zu verwenden. Erste Experimente zu Kenntlichmachung von Bio-Obst und -Gemüse mit Hilfe von Laser-Etiketten geben zumindest in dieser Hinsicht Grund zu Hoffnung.

 

Text: Sina Herrmann

Fotos: Produce section – vegetables – supermarket von J.Triepke via Flickr unter CC 2.0, Sina Herrmann

Share