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Punch it like Ali

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Die Uni beginnt zu früh, die Professoren sind zu pingelig, der Stoff ist zu schwer. Während die Emotionen hochkochen ist die Stimmung im Keller. Und man will nichts mehr als die bevorstehenden Prüfungen vergessen und die angestaute Energie ablassen. Na dann stell dir eine Gruppe voller Gleichgesinnter vor, die sich wöchentlich an der USI in einem Raum voller Boxsäcke treffen. Herzlich willkommen beim Fitnessboxen.

Die Legenden und das Klischee

Der Name Muhammad Ali ist jedem bekannt. Dass er seit kurzem verstorben ist auch. Die meisten sehen in ihm eine Boxlegende, die wenigstens wissen, wie es dazu kam. Neben Muhammad Ali haben sich weitere Boxer wie etwa Wladimir Klitschko oder Mike Tyson den Platz in den ewigen Annalen der Boxlegenden hart erkämpft. Und das ist es auch, woran man beim Boxen zuerst denkt: den Kampf. Zwei durchtrainierte Boxer oder Boxerinnen, die sich im Ring gegenüberstehen und böse dreinblicken, nur auf den Moment wartend, dem Anderen den K.O.-Schlag zu verpassen. Die Beine sind ständig in Bewegung und tänzeln durch den Ring, die Hände schlagen blitzschnell und knallhart zu und die Schweißperlen scheinen unaufhörbar von den Schläfen zu tropfen.

Boxen

Die Realität

Sieht anstrengend aus, ist es auch. Denn dass Boxen mehr als nur orientierungsloses Hüpfen und gelegentliches Zuschlagen ist, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Und wer mir das nicht glaubt, kann ruhig versuchen eine halbe Minute (und glaubt mir, das ist noch gnädig) mit voller Kraft so oft wie möglich in die Luft oder gegen etwas vorzugsweise halbwegs Weiches zu boxen. Wer danach nicht eine leichte Schweißspur auf der Stirn und angestrengten Atem hat, kann sich gerne bei mir melden, unser Trainer ist ständig auf der Suche nach neuen Box-Wunderkindern. Für alle Normalsterblichen, stellt euch dieses Training inklusive Boxausrüstung, Technik- und Muskelaufbautraining vor. Und liegestützenliebenden Trainer. Und das wöchentlich für 75 Minuten. Tadaa, herzlich willkommen im Fitnessboxen USI-Kurs.

Die Herausforderung

Was man hier in erster Linie lernt ist, dass Übung den Meister macht und dass auch Muhammad Ali, die Klitschko-Brüder und Rocky genau da angefangen haben. Während es bei Rocky der Anfang der Treppe war, befinden wir uns hingegen am Boden (zerstört), liegestützenmachend, mit Verzweiflung im Gesicht, Ehrgeiz im Herzen und unerschütterlichem Willen im Kopf. Der einzige Unterschied zwischen den Boxlegenden und uns besteht darin, dass, während die Legenden bereits auf dem Treppchen, wir meist noch auf der Leitung stehen, wenn es dann plötzlich „Kombination links, rechts, links, Hacken, Deckung uuuund Boxlauf “ heißt. Auch wenn wir uns nicht im Ring gegenüberstehen und deshalb nicht extrem intensiv üben, so hat es mich doch erstaunt, wie viel Kopfarbeit hinter dem als brutal und Prügelei verschrienen Sport eigentlich steckt. Wer denkt, dass beim Training und im Ring kopf- und respektlos drauflos geprügelt wird, sollte sein Glück lieber um 4 Uhr morgens mit Vollrausch in der Disko versuchen.

Das Training

Denn hat man sich die Grundbewegungen einverleibt und ein gewisses Level an Ausdauer erarbeitet, beginnt erst das eigentliche Training. Dann konzentriert man sich nämlich auf den Aufbau von Treffsicherheit und Schlagkraft. Sobald man seinen Trainingspartner vor sich stehen hat, lenkt sich die ganze Konzentration darauf, dass er die Hände umdreht und damit das Zeichen gibt, in der vorgegebenen Kombination so sicher und kräftig wie möglich auf die Innenseite der Boxhandschuhe zu schlagen. Wer mit roher Gewalt oder unkoordinierten Bewegungen versucht, den vor sich her tänzelnden Partner zu erwischen, hat keine Chance. Boxen gleicht mehr einem Tanz als einer Schlägerei. Zugegebenermaßen, einem schweißtreibenden Tanz mit Muskelkatergarantie.

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Der Sinn dahinter

Aber wie besagt ein (nicht ganz so) altes (Fitness-)Sprichwort? No pain, no gain. Und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist wäre ohne diesen Grundsatz aus Cassius Clay sicherlich niemals Muhammad Ali und somit einer der größten Boxer des vergangenen Jahrhunderts geworden. Und genau darauf geht es im Boxen. Mehr als Kondition, Treffsicherheit und Schlagkraft lernt man im Training Durchhaltevermögen. Aufgeben gibt es nicht, weder im Ring noch im Leben.

 

Beitragsbild, erstes Bild und Text: Sarah Vorhauser

Letztes Foto: „Muhammad Ali vs. Ernie Terrell, Houston Astrodome, Houston, TX, 1967“ von Cliff1066 via Flickr unter CC 2.0

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