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„Wenn man irgendwas anbietet und die Leut‘ kommen net, dann muss man bei sich selbst anfangen“ – Das große Weekender Upstairs Interview TEIL #2

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Quo Vadis, Weekender? Die etablierte Underground- und Alternative-Institution an der Tschamlerstraße hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Vom Fast-Rauswurf über die Gründung eines neuen Clubs bis hin zur Auflösung desselbigen gab es sowohl für die Verantwortlichen, als auch für die eingeschworene Fanbase allerhand an Höhen und Tiefen durchzustehen.

Nach dem „Fritz-Factory-Fiasko“ ist man einiges an Erfahrung reicher geworden und will nun mit dem Weekender Upstairs alles besser machen. Was das genau heißen soll und einiges mehr hat uns Mitgründer und Geschäftsführer Andy Franzelin bei einem langen und ausführlichen Gespräch in den besagten Räumlichkeiten erzählt. So ausführlich, dass wir zwei Teile draus gemacht haben.
Im zweiten Teil geht es um die Leiden eines Clubbesitzers als Musikliebhaber und ein ganz besonderes  Getränk im Backstagebereich.

Zum 1. Teil

Zeitlos: Dann kurz mal weg vom Weekender Upstairs und mehr zu dir persönlich: In deinem Job muss man nicht nur Musikliebhaber sein, sondern eben auch Geschäftsmann. Wenn du also z.B. einen Lieblingskünstler hast und den booken könntest, aber auch genau weißt, dass sich das nicht lohnen wird, wie löst du das dann am besten?

Andy: Bestes Beispiel: John Bramwell, letzte Woche. Das war ein Booking, das haben wir nur für uns gemacht. Wir haben den persönlich kennen gelernt vor drei Jahren, ich bin großer I am Kloot Fan, wir haben gewusst, das geht sich von vornhinein nicht aus. Aber es war preislich an der Schmerzgrenze, wo man gesagt hat, das kann man noch machen. Und deswegen haben wir das auch gemacht. Je nach wirtschaftlicher Lage kann man das einmal in zwei Monaten machen, manchmal auch nur einmal in einem halben Jahr, aber es gibt auch Bands, bei denen wir sagen, die machen wir einfach. Zum Beispiel die letzte Bilderbuch-Show, die war ausverkauft und trotzdem hat sie uns Geld gekostet, weil die Produktion so groß war. Aber wir hatten gesagt, das macht man fürs Image, das ist im Grunde unbezahlbare Werbung. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, der Spagat gelingt manchmal besser, manchmal schlechter und man muss genau wissen, was man tut. Das Geld, das wir beim John Bramwell Konzert verloren haben, muss an anderer Stelle irgendwo wieder rein. Deswegen muss man schauen, was sind die Veranstaltungen, die lukrativ sind und da muss man dann eine klare Linie fahren, was macht man und was macht man nicht. Ein Beispiel aus der Vergangenheit war das Bier-Pong Event. Da haben wir lang diskutiert, machen wir sowas im Weekender oder machen wirs nicht. Wir haben uns dann entschieden es zu machen, weil wir uns das anschauen wollten, weil wir auch eine gute Zusammenarbeit mit der Brauerei haben und die haben da auch gesagt, wir wollen das machen. Das haben wir dann gemacht, das war ein lässiges Event, es war auch durchaus einiges los und das hat uns dann Recht gegeben. Es ist zwar nicht unsere Lieblingsveranstaltung, weil das hat mit Musik eigentlich wenig zu tun und unterm Strich muss es was mit Musik zu tun haben. Der Weekender lebt von leidenschaftlichen Leuten die gern Musikfan sind. Aber wir haben es auch gemacht, weil es eben Geld in die Kassen spielt, das man am anderen Ende wieder braucht. Das heißt aber auch, dass es Veranstaltungen gibt, die machen wir einfach nicht. Wir machen keine Flatrate Saufpartys, die durchaus in Innsbruck sehr beliebt sind, wir verschenken keinen Alkohol und wir machen keine Partys, wo’s eigentlich nur um inhaltlose Konzepte geht. Ich nenn‘ jetzt keine Namen, net, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt, aber es gibt genug Konzepte wo wir sagen: bei uns nicht.

Weekender Upstairs Interview Andy Franzelin

Dann hast du ja auch bestimmt ein Bild von den Innsbrucker „Party People“. Wo denkst du haben die ihre Stärken und wo würdest du dir evtl. noch etwas mehr Begeisterung wünschen?

Ich glaube man würde es sich zu einfach machen mit dem Finger auf die Leut‘ zu zeigen und zu sagen: wir machen so was tolles und die Leut‘ kommen einfach net! Das ist arrogant, wenig weitsichtig und da macht man sich’s zu einfach. Wenn man irgendwas anbietet und die Leut‘ kommen net, dann muss man bei sich selbst anfangen. Genauso, es gibt viele Gründe, warum die Fritz Factory gescheitert ist, aber im Endeffekt muss man sich selber an die Nase nehmen. Man hat irgendwas gemacht, hat das zu wenig getestet, hat auch was vom Marketing in den Sand gsetzt, aber Leute gehen Freitag und Samstag aus, Innsbruck hat eine riesige Community an Partypeole, an Konzertgeher, an Studenten allgemein, die wollen alle unterhalten werden. Anderen gelingt das problemlos das Lokal jeden Freitag und Samstag zu füllen, also muss man bei sich selber anfangen. Natürlich würde ich mir aus rein persönlichem Interesse wünschen, dass mehr Leute zu John Bramwell kommen, weil ich find‘ der hat‘s verdient, net vor 60 oder gar 40 Leut‘ zu spielen, sondern vor 400. Aber wenn man im Underground bzw. Independent Bereich unterwegs ist, dann muss man damit rechnen und es zwingt uns ja auch niemand dazu, Independent Artists zu buchen. Wir könnten ja auch Mainstream, große Popstars oder Dschungelcampgewinnerleute buchen.

Kommen wir zur letzten Frage: Um mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, was ist deine liebste Weekender- bzw. Konzertanekdote?

(Überlegt lange und lacht dann) Aaah, ich glaub das darf man schon erzählen. Eine lustige, aber vielleicht nicht die beste in den ganzen 10 Jahren, weil da ist natürlich der Tag, wo der Pete Doherty da gespielt hat und da kann man ein eigenes Buch über den Tag schreiben. Aber vielleicht die aktuellste kommt vom letzten Donnerstag vom John Bramwell. Die Leute die da waren haben gemerkt, dass er vielleicht dem einen oder anderen Drink sehr zugetan ist und dass er auch einiges verträgt. Und nach dem Konzert sind wir noch lang im Backstage gehockt und wir haben ihn ein bisschen ausgefragt wie des war mit I Am Kloot, wie groß die wirklich waren, wie viel Platten die verkauft haben, ob er von der Musik leben kann, was man halt einfach so als Veranstalter oder als Musikfan auch mal den Künstler, den man gern hat, einfach fragt. Und dabei ham wir auch immer etwas getrunken und der Weekender Backstage hat ja einen großen Nachteil, es gibt kein Klo. Irgendwann ist der Weg immer wieder rauf ein bisschen weit und John Bramwell hat es dann irgendwann vorgezogen in einen Becher zu urinieren. Er hat das auch relativ ungeniert gemacht, man hat gemerkt, er hat Übung und das nicht zum ersten Mal gemacht. Er hat seinen Becher danach abgestellt neben der Couch ans Eck von dem Tisch und wir haben uns weiter unterhalten und getrunken. Dann so nach zwei Stunden ist er wieder durstig und sucht halt was zu trinken und sieht den Becher, der etwa so ausschaut, ob da Bier drin ist und…hat einfach mal nen kräftigen Schluck davon genommen und hat es dann nur so kommentiert mit: „Uahg, what’s that, that is disgusting, but it tastes like nothing.“ Garnet so angewidert oder so, sondern eher so „It smells like nothing“. Vielleicht hat er‘s auch überspielt, aber der ist so einiges gewohnt. Sowas erlebt man dann auch nicht alle Tage.

John Bramwell John Bramwell live in Aktion…immer ein Besuch wert! (im Half Moon Putney in London)

 

In diesem Sinne: Don’t look back in anger und geh zum „FM4 – Tanz mit mir“ am Mittwoch, um dir dein eigenes Bild vom neuen Floor im Weekender Upstairs zu machen! Wir sind auf jeden Fall schon einmal gespannt und werden schon im nächsten Almost Weekly Weekender für euch ganz vorne dabei sein.

 

Fotos: Lorenz Zenleser, Ungry Young Man

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