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“Das Ganze soll wieder ganz Weekender sein, und nichts anderes“ – Das große Weekender Upstairs Interview TEIL #1

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Quo Vadis, Weekender? Die etablierte Underground- und Alternative-Institution in der Tschamlerstraße hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Vom Fast-Rauswurf über die Gründung eines neuen Clubs bis hin zur Auflösung desselbigen gab es sowohl für die Verantwortlichen, als auch für die eingeschworene Fanbase allerhand an Höhen und Tiefen durchzustehen.

Nach dem „Fritz-Factory-Fiasko“ ist man einiges an Erfahrung reicher geworden und will nun mit dem Weekender Upstairs alles besser machen. Was das genau heißen soll und einiges mehr hat uns Mitgründer und Geschäftsführer Andy Franzelin bei einem langen und ausführlichen Gespräch in den besagten Räumlichkeiten erzählt. So ausführlich, dass wir zwei Teile draus gemacht haben. Erfahrt hier im ersten Teil alles, was ihr über das Weekender Upstairs wissen müsst:

 

Zeitlos: Fangen wir gleich mit dem Wichtigsten an: Das Weekender Upstairs steht kurz vor der Eröffnung. Was ist das, was ist so besonders daran und warum sollte man da hingehen?

Andy: Wir vermeiden das Wort Eröffnung. Den Weekender gibt’s jetzt seit 10 Jahren, das ist jetzt, wenn man so will, eher ein Second Floor oder was auch immer. Deswegen sagen wir, das „FM4 – TANZMITMIR“ ist das erste Event im Weekender Upstairs. Aber Eröffnung verwenden wir intern bzw. in unserem Sprachgebrauch nicht. Das Weekender Upstairs ist für uns die sinnvolle Ergänzung zum Weekender Club, aus dem alles entstanden ist. Weekender Upstairs ist aber auch ganz klar ein Club. Vielleicht muss man jetzt ein bisschen ausholen aus der gesamten Geschichte. Ursprünglich hat es im Untergeschoss den Weekender Club, mit den Konzerten und den Partys, und im Erdgeschoss hat das Weekender Café gegeben. Das Weekender Café war zur damaligen Zeit der Rückzugsort, hatte jeden Tag offen, man hat sich dort Karten kaufen können und war halt Teil der Weekender Familie. Dann ist irgendwann das Rauchverbot gekommen, das hat das Weekender Café gekillt. Weil die ganzen Leut‘, die gern da waren, sind dann woanders ausgewichen und sind dann nicht mehr regelmäßig zu uns gekommen und Weekender hat dann nur mehr vom Programm und vom Club gelebt. Die Leute sind auf die Konzerte gekommen und weil sie auf den Konzerten waren, haben sie dann auch das Angebot vom Café angenommen, wegen dem Café selber ist aber kein einziger Mensch mehr gekommen. Dann hat es die leidige Sache mit unserem Mietvertrag gegeben, wo es über 1,5 Jahre hieß, wir müssen aufhören und dadurch hat man das Café sozusagen auslaufen lassen, um eh auf das drohende Aus in der Tschamlerstraße hinzuarbeiten. Dann hat man diese Ungereimtheiten mit dem Vermieter ausgeräumt und es hat geheißen: Weekender gibt’s jetzt weiter – die nächsten 8 Jahre zumindest. Dann haben wir gesagt, wir müssen mit dem Raum was machen. Also hat das Café irgendwo keine Existenzberechtigung mehr, weil’s nur mehr das Anhängsel von unten war und der Raum eigentlich unterm Potenzial läuft, eher nur so ein bisserl dahinsiecht, als Ausweichmöglichkeit von Leuten, die vom Club raufgehen wollen, um schnell mal ein Bier zu trinken. Dann hatte es das kurze Intermezzo gegeben mit dem, was damals Fritz Factory geheißen hat. Das hatte zwar schon was mit unserer Firma zu tun, aber es war ein Versuch mit einem Partner, den wir da an Bord geholt hatten, einen eigenen Club zu etablieren. Neben dem Weekender. Mit einem eigenen Programm, einer eigenen Identität und mit einem bewusst anders gesetzten Schwerpunkt als der Weekender. Nachdem wir da firmenmäßig auch involviert waren, haben wir irgendwann die Notbremse gezogen, weil sich das in eine Richtung entwickelt hat, mit der wir uns nicht mehr identifizieren haben können und haben gesagt, wir wollen das wieder selber machen und das ganze soll wieder Weekender sein und nix anderes.

Weekender Upstairs Interview Closeup

Wie ist das abgelaufen mit der Fritz Factory? Sicherlich nun einiges an Erfahrung reicher, wie denkst du im Nachhinein darüber?

Fritz Factory war ein Projekt, das spannend war, das innovativ war und das auf dem Papier super geklungen hat, aber an der Praxis und der Realität gescheitert ist. Die Idee war ja, dass man einen permanenten Kopfhörerclub installiert, also Musik wirklich nur über Kopfhörer konsumieren kann. Die Idee dahinter war, dass die Räumlichkeit im Erdgeschoss liegt und es hier Anrainer gibt und es mit der Musik problematisch hätte werden können. Dafür gibt es aber eine Lösung, weswegen wir uns mit einem Partner zusammengetan haben und gesagt hatten: Wir wollen das als ersten Kopfhörerclub etablieren. Es hat auch nie, zumindest unseren Recherchen nach, einen permanenten Kopfhörerclub gegeben. Es gibt Events, unter anderem auch Silent Disco, was eh bekannt ist, aber es gibt keinen Club der permanent über Kopfhörer funktioniert und wir wollten das halt ausprobieren. Und es hat auf dem Papier super geklungen, das Konzept war auch sehr detailverliebt, mit zwei Kanälen, und dritter Kanal, Jukebox und dergleichen. Aber…es hat halt einen Grund, dass es keinen permanenten Kopfhörerclub gibt. Das haben wir auch gemerkt, die Leute nehmen das nicht an. Die Leute finden das toll für ein Event, aber permanent sich einen Kopfhörer aufzusetzen, um in einen Club-Ambiente Musik zu konsumieren, das ist gescheitert. Das haben die Leute nicht angenommen. Dadurch war es relativ schnell klar, dass es mit der Kopfhörersache nicht funktioniert. Dann hat man die Kopfhörer abgeschafft und gesagt, man betreibt die Fritz Factory als normalen Club mit ein paar Adaptierungen. Man sieht ja, was da alles hängt (zeigt zur Decke und an die Wände), das sind diverse Schallmaßnahmen, damit man diese Lärm-Emissionen gering halten kann. Das ist auch gelungen, aber da war der Karren schon verfahren. Die Leut‘ haben sich überhaupt nicht mehr ausgekannt. Die, die gedacht haben Fritz Factory ist ein Kopfhörerclub, sind reingekommen und es waren keine Kopfhörer mehr da und die alten Weekender-Geher, Stammgäste, haben gesagt, was ist eigentlich aus dem alten Weekender Café geworden. Irgendwie war dann alles zwischen den Stühlen und man hat gesagt, so hat das keinen Sinn mehr. Dann haben wir auch beschlossen, dass wir da jetzt die Notbremse ziehen und wieder das machen, wo wir zu hundert Prozent dahinter stehen.

Siehst du da noch andere Gründe, z. B. Marketing etc. oder sagst du, dass nur das Grundkonzept nicht gegriffen hat?

Nein, dann würde man es sich zu einfach machen. Da haben viele Sachen nicht funktioniert. Das Konzept war leider zum Scheitern verurteilt, das war MIT ein Grund. Es sind ein paar strategische Sachen falsch entschieden worden. Aber da möchte ich jetzt nicht so ins Detail gehen, weil so ein Flop natürlich auch wirtschaftliche und personelle Konsequenzen hat, was Interna sind, die man nicht nach Außen tragen will.

Neben diesen wirtschaftlich und personellen Folgen, was hast du persönlich aus der ganzen Sache für Konsequenzen gezogen und hat es etwas verändert, inwiefern du jetzt Neuem und Innovativem aufgeschlossen bist?

Schwere Frage. Der Weekender hat ein sehr starkes Image und die Leut‘ verbinden damit einiges. Was wir schon gelernt haben ist, man muss das ausbauen, was die Kernkompetenz ist, wo man gut drin ist. Das, was man kann und was man seit Jahren schon bewiesen hat. Wir sind ja kein neuer Club, es gibt den Weekender seit 10 Jahren, es gibt auch einen Grund, dass es uns so lange gibt. Wir haben in 10 Jahren so viele Clubs kommen und gehen sehen – unter anderem auch jetzt einen eigenen, der nicht einmal ein halbes Jahr überlebt hat. Wir müssen das machen, wo wir uns auskennen, wo wir unsere Stärken haben. Ich find‘ die Kopfhöreridee nach wie vor spannend, ich will jetzt nicht sagen, es war seiner Zeit voraus, aber wir haben das alle evtl. überschätzt bzw. uns nicht genug damit auseinander gesetzt, was sich Leute von einem Samstagabend erwarten. Die Leut‘ wollen ausgehen, die Leut‘ wollen Spaß haben, die Leut‘ legen auf Qualität sehr viel Wert, sowohl gastronomisch, als auch vom Clubangebot. Aber die Leut‘ wollen nicht erzogen werden und ihnen soll nicht erklärt werden, was sie am Abend tun müssen. Das war mit ein großer Stolperstein, denn man hat ihnen erklären müssen: Horcht‘s her, ihr geht’s jetzt in einen Club, der ist leise und es hat ‘nen Grund, warum der so leise ist. Da gibt’s ‘nen Kopfhörer, ‘nen DJ, ‘nen Schalter, ihr habt diverse Möglichkeiten…das ist alles viel zu kompliziert! Ich bin nicht gegen Innovation, aber man ist sehr vorsichtig geworden und man würde so ein Projekt jetzt, mit dieser Erfahrung, sicher ganz anders angehen.

Weekender Upstairs Interview TopView

Vor der Fritz Factory gab‘s im Café auch eigene Sachen, wie z. B. das Musik Quiz. Wird es solche eigenen Aktionen wieder geben? Und wenn ja, welche?

Deswegen hab ich zuerst gesagt: Weekender Upstairs ist ein Club. Es ist nicht das neue Weekender Café. Die alten Konzepte, wie die Open-Mic-Night oder das Pub Quiz haben wir gemacht, weil wir die Konzepte spannend finden und das super unter der Marke Weekender funktionierte. Es waren aber auch Konzepte, um das Café, was damals am Aussterben, am wirtschaftlich dahinsiechen war, wieder zu beleben. Genauso auch die Championsleague-Abende. Die hat man deswegen gemacht, um Programm zu bieten, damit man diese Räumlichkeiten nutzt. Jetzt ist das Weekender Upstairs ein Club und gewisse Sachen passen nicht in einen Club. Kein Mensch geht zum Fußball schauen in einen Nachtclub, dafür gibt’s Pubs, dafür gibt’s Wettlokale, Public Viewing, was auch immer. Aber in einem Nachtclub, wo normalerweise Musik läuft und DJs auflegen, ist das nicht mehr schlüssig für uns, Fußball zu übertragen. Pub Quiz war eine tolle Sache, aber auch da hat es einen Grund, warum ein Pub Quiz, PUB Quiz heißt. Natürlich gibt es im Weekender Upstairs wieder Sitzmöglichkeiten, aber das ganze lebt von DJs, das ganze lebt von musikalischen Konzepten. Da herinnen passt das Pub Quiz unserer Ansicht nicht mehr rein, das heißt aber nicht, dass es irgendwann einmal im gesamten Weekender, da sprech‘ ich bewusst auch von unten, solche Konzepte nicht wieder geben wird. Also das würde ich auf keinen Fall ausschließen. Aber diese Konzepte, wie sie im Café waren, gemütlich Bier trinken und zusammen zu sitzen, wird es hier oben sobald nicht mehr geben.

Wo ist dann für dich die Grenze zwischen Weekender Club und Weekender Upstairs?

Wir haben natürlich schon irgendwo eine Trennlinie. Früher war das so: Unten war der Club, der Raum für die Konzerte und die Partys und oben war das Café zum gemütlich sitzen, und so weiter. Im Laufe der Zeit, hat sich herausgestellt, dass Leute, die Partys und Clubbings veranstalten, immer auch höhere Ansprüche an die Party-Location haben. Der Weekender Club ist eigentlich zu 90 Prozent für Konzerte gemacht. Die große Bühne, die eigentlich fast ein Drittel des ganzen Raums in Anspruch nimmt, wir haben zwei Säulen drin und es ist alles Niet- und nagelfest da unten. Das hat einen Charme für Konzerte, ist aber für das gewisse Partymachen und um Clubbings zu veranstalten eigentlich nicht mehr so zeitgemäß. Und deswegen hat das bei manchen Veranstaltern und wenn wir selber Party machen wollten nicht mehr so funktioniert. Es gibt noch den anderen großen Unterschied: Da unten passen bis zu 400 Leute rein und wir hatten Partys, wo 100 Leute da waren. Andere Clubs wären mit 100 Leuten bummvoll, 100 Leute im Weekender Club unten, wo 20 Leute im Raucherraum stehen, 30 vor der Tür, 20 an der Bar und 20 auf der Tanzfläche rumstolpern, hat man das Gefühl, da ist überhaupt nichts los. Es ist zu groß für Clubbings, es ist zu weitläufig und es ist auch nicht für die Partystimmung richtig gemacht. Und diese Lücke wollen wir jetzt mit Upstairs schließen. Das heißt, wenn jetzt jemand herkommt und sagt, ich möchte eine Party XZ machen und hab nur DJs und Musik vorzuweisen, dann ist das relativ klar, dass die Party hier oben stattfindet.

Hier gehts zu Teil 2…

 

 

Fotos: Lorenz Zenleser

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