Von Bisons, Dammsprengungen und dem einsamen Kältetod im Yukon – das Innsbruck Nature Film Festival 2015

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Mehrere hundert Einsendungen aus 83 Nationen musste das Team des INFF sichten, sortieren und bewerten um das diesjährige Programm auf die Beine zu stellen. Das das Festival trotzdem zum bereits dritten Mal stattfinden konnte, grenzt bei der schieren Masse an potentiellen Kandidaten schon fast an ein Wunder. Drei der für uns herausstechendsten Filme stellen wir hier kurz vor.

Yellowstone Oliver Goetzl – 55min

YELLOWSTONE

Verzweifelt kämpft das Bisonkalb gegen die Strömung an. Seine Mutter hat mit ihren 600 Kilogramm kaum Probleme den Fluss zu queren, es selbst ist aber erst vor wenigen Tagen zur Welt gekommen und schwimmt nun um sein Leben. Diesen Kampf verliert das Kleine. Es wird abgetrieben, kann sich aber einige Kilometer flussabwärts gerade noch so auf eine Sandbank retten. Vorerst in Sicherheit, kann das Kalb rasten, ist aber von seiner Mutter, und damit der einzigen Nahrungsquelle für ein junges Bison, abgeschnitten. Die Sorge um Nahrung rückt jedoch schnell in den Hintergrund – ein junger Wolf hat das erschöpfte und schutzlose Kalb erspäht! Er stürzt sich sofort auf die scheinbar leichte Beute und packt es schon am Hals, als genau in diesem Moment die unverhoffte Rettung auftaucht. Die Mutter hat die Suche nach ihrem vermissten Kind nicht aufgegeben und kann es in letzter Sekunde vor dem sicheren Tod bewahren.

Süße Tierbabies und schöne Landschaften kennt man aus den meisten Naturdokumentationen, doch Dramaturgien wie direkt aus den Drehbuchschmieden Hollywoods sind eine absolute Seltenheit. Yellowstone bietet genau davon aber eine ganze Menge. Von den überaus dramatischen Momenten, wie der bereits beschriebenen Szene, bis zu fast komödienhaften Interaktionen zwischen Rothörnchen und Kragenhühnern. Diese NDR Produktion raubt dem Publikum erst den Atem, lässt es wieder lauthals Auflachen, nur um gleich danach durch seine traumhaft schönen Bilder ehrfürchtige Stille im Saal zu schaffen. Zu Recht wurde Yellowstone dieses Jahr mit dem Preis in der Kategorie „Dokumentation Natur“ ausgezeichnet.

Trailer zu Yellowstone

 

Jack London’s To Build a Fire Robert Spindler – 20min.

JACK LONDON

Die unerbittliche Härte der Natur, der menschliche Überlebenswille und die Rolle von Hoffnung in diesem jahrtausendealte Kampf sind Zentrale Themen der Kurzgeschichte „To Build a Fire“ von Jack London.
Der tiroler Filmemacher Robert Spindler fängt diese im gleichnamigen Film ein und lässt das Publikum in kürzester Zeit das volle Emotionsspektrum zwischen Optimismus, der hoffnungslosen Aufgabe und dem Empfangen des nahenden Todes durchleben.

Jack London’s To Build a Fire auf Facebook

Robert Spindler Films

 

DamNation Ben Knight & Travis Rummel – 87min

DAMNATION

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war in den USA die Hydroelektrik der heilige Gral der Energiepolitik. Talsperren und Elektrizitätswerken schufen Arbeitsplätze und erzeugten große Mengen an (vermeintlich) erneuerbarem Strom. Der immer größer werdende Hunger nach Energie führte zu einem wahren Bauwahn, dessen Ergebnis die 75.000 noch heute bestehenden Dämme in den Vereinigten Staaten sind. Doch die Erkenntnise der letzten Jahrzehnte, über die tatsächlichen Auswirkungen dieses Trends, lassen das gute Bild langsam zu bröckeln beginnen (man verzeihe das Wortspiel).

DamNation zeigt eindrucksvoll die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie, stellt Befürworter und Gegner vor und lässt das Publikum an der persönlichen Reise von Ben Knight und Travis Rummel teilhaben. Die beiden Filmemacher, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Flusswelt der USA zu retten.

Trailer zu DamNation

DamNation Website

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