Interview mit einer Stripperin

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Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Lilly tanzt und strippt schon seit vielen Jahren und es macht ihr auch heute noch Spaß. Viele von uns können sich gar nicht vorstellen einen derartigen Beruf, wo man sich vor Fremden auszieht, auszuüben. Doch warum eigentlich? Ist es nicht ein Beruf wie jeder Andere? Im Interview schildert euch Lilly sowohl ihre Erfahrungen als Stripperin, als auch das, was sie so besonders macht!

Was hast du vor deiner Karriere als Stripperin gemacht?

Ich komme ursprünglich aus dem Gastgewerbe und habe Hotel- & Gastgewerbeassistentin gelernt. Danach war ich einige Jahre im Büro tätig. Ich arbeite hauptberuflich immer noch in einem traditionellen Job. Das Tanzen ist meine Leidenschaft und mein Hobby. Dies möchte ich auch weiterhin so beibehalten.

Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden und wie kam es dazu?

Ich bin eher zufällig zum Beruf der Tänzerin gekommen. Ich habe beim fortgehen schon immer gern und ausgiebig getanzt. Irgendwann wurde ich von einer Agentur angesprochen, ob ich damit nicht Geld verdienen möchte. Angefangen hab ich als Gogo-Tänzerin. Zum strippen kam ich erst etwas später. Ich habe das Besondere schon immer geliebt und hasse es mit der Masse mitzuschwimmen. 0815-Shows waren nicht mein Fall. Ich hatte bald die Freude meine Mentorin kennenzulernen. Mit ihr habe ich anfangs meine Shows entwickelt und zusammengestellt. Wir haben auch nächtelang an unseren Kostümen geschneidert und waren einige Zeit auch als Duo auf zahlreichen Erotikmessen in Europa unterwegs. Für mich ist noch heute jeder Auftritt etwas besonders, worauf ich mich freue und mit Leidenschaft dabei bin. Ich liebe es einfach in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen. Mal als junges Schulmädchen, als sexy Sekretärin, als unschuldige Braut oder scharfe Agentin 006 usw., aufzutreten.

Was hält dein persönliches Umfeld davon? Wie hast du reagiert?

Anfangs waren natürlich alle skeptisch. Meine Mutter hatte sogar gesagt, wenn ich das anfange, bin ich enterbt! Heute unterstützt sie mich wo sie nur kann. Wir suchen gemeinsam Bilder für meinen Kalender oder meine Autogrammkarten aus. Ich nenne sie liebevoll meine „Marketingabteilung“.

Auch für meine Freunde ist mein Nebenberuf mittlerweile völlig normal und sie lauschen immer gespannt meinen Geschichten. Immerhin erlebt man natürlich auch einiges, wenn man viel reist.

Wenn ich neue Leute kennenlerne, mache ich aus meinem Hobby kein Geheimnis und ich stehe dazu. Ich muss schon ehrlich sagen, dass ich mir auch hier nicht wirklich reinreden lasse. Wer damit nicht klarkommt, kann bei der Tür wieder rausgehen, durch die sie/er in mein Leben getreten ist. Ich bin wie ich bin, mit dem was ich tue.

Wie fühlst du dich während einer Vorstellung? An was denkst du?

Ich habe vor jedem Auftritt immer ein Kribbeln im Bauch, eine gewisse Freude, und bin voller Energie. Während meiner Show bin ich 100% konzentriert und eins mit der Musik und der gebotenen Show. Es ist für mich immer eine Freude das Publikum in meinen Bann zu ziehen und ihre begeisternden Gesichter und das tolle Feedback zu sehen und zu hören.

Kamen dir Kunden auch schon mal zu Nahe? Wie schützt du dich davor?

Natürlich versuchen manche Männer auch mehr, aber Gott sei Dank ist dies bei meinen Auftritten nur ein ganz kleiner Anteil.

Absolutes NO-GO: Anfassen! Bei mir gilt: Ansehen erlaubt – Anfassen verboten! Wenn jemand einmal zu viel Mut oder Alkohol (meist eine Mischung aus beiden) hat, dann sage ich es erst einmal freundlich, dass er mich bitte nicht anfassen soll. Doch wer nicht hören will, muss fühlen, wer sich nicht belehren lässt, hat Pech, denn dann breche ich meine Show ab.

In meiner Laufbahn als Stripperin und Showtänzerin musste ich diese Notbremse jedoch erst ein einziges Mal ziehen.

Was ist dein Lieblingssong zu dem du tanzt?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, da ich alle meine Songs in den Shows selber auswähle. Diese gefallen mir natürlich auch alle selber. Zurzeit ist mein Favorit „My Little Phoenix – Tarja Turunen“ aus meiner Show „Die Schneekönigin“. Dies kann sich jedoch auch bald wieder ändern.

Was ist das schönste Erlebnis was du in diesem Beruf hattest?

Das Schönste? Das ist eine richtig gute Frage! Es gibt so viele tolle Erlebnisse. Das aufregendste Erlebnis war bestimmt meine Buchung in Florida. Mit dem vollen, all-inclusive-Paket: Sonne, Strand, Meer und SHOPPING . Das schönste Erlebnis? Ich denke, es ist immer dasselbe, auf die „Bühne“ zu kommen, das Strahlen während und nach meiner Show in den Augen der Zuschauer zu sehen.

Was ist das schlimmste Erlebnis was du in diesem Beruf hattest?

So ein richtig schlimmes Erlebnis hatte ich bislang noch nie. Das schlimmste, dass mir als erstes in Erinnerung gerufen wurde, war ein Badezimmer in dem ich mich umgezogen habe, wo die Hygiene mehr als zu wünschen übrig ließ. Angezogen hab ich mich dann freiwillig im Auto.

ein Interview von Felix De Zordo

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