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Ein Tag zur Feier der Nacht

Mit dem Bogenfest feierte Innsbruck seine Vielfalt und schuf Verbindungen, die wohl auf keiner anderen Veranstaltung der Stadt so zustande kommen würden. 

Innsbruck. Das ist ein Fleck in Tirol, der innerhalb der letzten Jahrzehnte immer mehr durch zugezogene und junge Menschen geprägt wurde, welche ihre kulturellen Einflüsse mit sich bringen. Wie es scheint, stoßen diese verschiedenen Einflüsse in der Bergstadt auf nahrhaften Boden. Besonders in der Innsbrucker Bogenmeile (kurz: den „Bögen“) floriert die Kultur bekanntlich schon seit langem mit großem Erfolg. Sympathisant*innen des Innsbrucker Nachtlebens ist es nahezu unmöglich sich nicht früher oder später einmal in der Schlange eines der bekannten Lokale in den Bögen wiederzufinden. 

Viele Orte in den Bögen stellen jedoch Räume dar, die nur diesem nachtaktiven Teil der Bevölkerung zur Verfügung zu stehen scheinen. Um so interessanter daher, diese Räume bei Tageslicht auf die Straße zu erweitern und die Pforten für die Allgemeinheit zu öffnen. 

Auf dem Bogenfest präsentierten sich die verschieden Lokale der Viadukt-Bögen somit ganz Innsbruck. Verschiedenste Mitmachaktionen, Livebühnen, Ausstellungen und Kulinarik-Stände schafften Verschmelzungen und Kontraste, die die Vielfalt Innsbrucks auf beeindruckende Weise veranschaulichten. Denn wenn die Wände der Bögen die kulturelle Vielfalt nicht mehr trennen, entfalten die Gegensätze und Gemeinsamkeiten dieser Nachbarschaft der Künste und Freuden ihre beeindruckende Wirkung.

Beim Schlendern durch das Fest von der Innenstadt in Richtung Messe wurde vor allem den Ohren ein abwechslungsreicher Spaziergang geboten. Beginnend mit der „Bögen Block Party“ Hip-Hop Stage wurde man auf den urbanen Sound vieler Lokale vorbereitet, bevor nur ein paar Schritte weiter die Geschwindigkeit der Beats auf der „Electro/Techno Stage“ um einiges an Fahrt aufnahm. Unweit davon kamen Liebhaber*innen akustischer Klangerzeugung im Rahmen einer kleinen Jazz Stage auf ihre Kosten. Die große Conclusio der bisherigen Höreindrücke stellte gegen Ende des Spaziergangs die „Mainstage“ im Eingangsbereich der Messe dar. Rap von Mary Mabu wurde gefolgt vom Gitarrenrock Sound von Kreisky, welche die Menge auf den Main Act einstimmten. Das Techno Duo Extrawelt repräsentierte auf der größten Bühne letztendlich das Genre, das in den Bögen schon seit einiger Zeit zu dominieren scheint: Die elektronische Tanzmusik. Extrawelt, bestehende aus Arne Schaffhausen und Wayan Raabe, steht seit 2005 für handgemachten elektronischen Sound. Kein Wunder also, dass der Act der Bogenmeile wie angegossen passte und die Menge zum Sonnenuntergang ohne Zweifel abholte. 

Das Duo Extrawelt rundete das Straßenfest zum Sonnenuntergang ab

Das wirklich Bemerkenswerte des diesjährigen Bogenfestes war jedoch nicht die Gegenüberstellung verschiedener musikalischer Genres und Praktiken, sondern die Kreation einer Hörer*innenschaft, welche heterogener nicht hätte sein können. Wie für ein Straßenfest üblich, lockte das breite Familienangebot Altersgruppen in die Bögen, welche die Meile zum späten Zeitpunkt ihres kulturellen Erwachens sonst nicht mehr aufsuchen würden. Kinder, die eben noch mit Kreide die Straßen bemalt oder Türme aus Holzstöcken gebaut hatten, standen keine zehn Minuten später in der ersten Reihe des Main Acts, welcher die Enthusiast*innen elektronischer Tanzmusik so sehr in Bewegung brachte. Während die Synthesizer Klänge und die beißenden Beats für einige der unschuldigen Ohren noch etwas viel waren, schien sich für ein paar der Kinder der Weg in den Sound ihrer späteren Jugend erschlossen zu haben. 

Das Bogenfest schaffte es dadurch, die fesselnden Räume der Viadukt-Bögen einer Menge zu präsentieren, der der Zugang bisher verwehrt wurde oder welche darauf von alleine nicht zugreifen würden. Durch die Gegenüberstellung der verschiedensten kulturellen Einrichtungen schien zudem jede*r etwas Neues über das Leben in den Bögen zu lernen. Zumindest an diesem einen Tag war es allen möglich, abzutauchen in Innsbrucks kleine, bunte und pulsierende „Extrawelt“.