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Die Ernte des Spaghetti-Baums

Spaghetti, die an Bäumen wachsen, und fliegende Pinguine. Was den meisten direkt ein Stirnrunzeln ins Gesicht zaubert, offenbart sich spätestens bei den Worten „April, April“ als Scherz, dem der ein oder andere doch aufgelaufen ist. Jedes Jahr am 1. April versuchen Menschen auf der ganzen Welt ihre Mitmenschen in die Irre zu führen. Selbst große Medienhäuser tragen immer wieder mit einem gut geplanten Aprilscherz dazu bei. Doch was hat es eigentlich mit dem 1. April auf sich?

Vom Spaghetti-Baum und den fliegenden Pinguinen

Im Jahr 1957 strahlte der Sender BBC einen Kurzfilm aus, der sich mit der Ernte des Spaghetti-Baumes beschäftigte und unter anderem die Problematiken eines befürchteten Spätfrost und eines vermeintlichen Spaghettirüsselkäfers behandelte. Hunderte Menschen riefen danach bei dem Sender an, um sich über den Baum zu erkundigen, oder fragten gar, wie dieser angebaut werden könnte. Ein Blick auf den Kalender hätte den ein oder anderen noch davor bewahren können, diesem Aprilscherz zu erliegen. Ausgestrahlt wurde die Sendung am 01.04.1957 und war, wie vieles an diesem Tag, rein erfunden. Die BBC führte seine ZuschauerInnen immer mal wieder in die Irre. So wurde am 01. April 2008 eine Kurzdokumentation über die Entdeckung einer neuen Pinguinart ausgestrahlt, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen fliegen könnten. Beeindruckende Aufnahmen von fliegenden Pinguinen wurden dank Technik und Computeranimationen den ZuschauerInnen präsentiert und der ein oder andere auch würdig in den April geschickt.

Zum Narren gehalten wurden auch die ZuschauerInnen eines schwedischen Fernsehsenders im Jahre 1962. Ein Techniker hatte am 01. April eine bahnbrechende Idee, wie durch einen einfachen Trick das Schwarz-Weiß Fernsehen in Farbe erscheinen könnte und schlug vor, einen Nylonstrumpf über den Fernseher zu ziehen. Tausende ZuschauerInnen mussten jedoch feststellen, dass ihr Bild schwarz-weiß geblieben war, und sie einem Aprilscherz zum Opfer gefallen sind.

Der Ursprung des Aprilscherzes

Wann und wo der erste Aprilscherz ausgesprochen wurde, ist nicht klar zu beantworten. Die Redewendung „jemanden in der April schicken“ wurde das erste Mal vor etwa 400 Jahren in Bayern dokumentiert. Anzunehmen ist aber, dass der Brauch schon länger besteht. Warum es sich dabei allerdings genau um den 1. April handelt, darum ranken sich viele Theorien und Geschichten. Manche klingen plausibel, andere dann doch etwas weit hergeholt.

Eine Erklärung, die häufig angeführt wird, ist der Zusammenhang zum Wetter im April. Mal schneit es, dann ist der Sommer wieder da. Das Wetter in diesem Frühlingsmonat ist oft trügerisch und launisch. Doch nicht nur das Wetter dient als mögliche Erklärung. Auch biblische Zusammenhänge werden hier gerne als Grund genannt. Beispielsweise soll es der Tag sein, an dem Judas Jesus verraten hat oder Luzifer in die Hölle eingezogen ist.

Da die Redewendung „in den April schicken“ erstmals in Bayern nachgewiesen wurde, wird oftmals auch eine bayerische Geschichte als möglicher Ursprung genannt. In der Stadt Augsburg sollte im Jahr 1950 auf dem Reichstag unter anderem das Münzwesen geregelt werden, aus Zeitgründen kam man jedoch nicht dazu. Ein geplanter „Münztag“ am 01. April wurde ausgeschrieben, auf denen viele spekuliert hatten. Dieser fand jedoch dann doch nicht statt und viele SpekulantInnen verloren ihr Geld – und wurden zu allem Übel noch als Narren ausgelacht.

Eine weitere Geschichte erzählt sich um den französischen König Heinrich IV. Dieser soll dem weiblichen Geschlecht gegenüber nicht abgeneigt gewesen sein und wurde am 1. April von einem jungen Mädchen zu einem geheimnisvollen Treffen eingeladen. Den Erzählungen nach soll der König bei seinem Erscheinen anstatt eines schönen Mädchen seinen ganzen Hofstaat samt seiner Ehefrau vorgefunden haben. Diese soll ihm daraufhin gedankt haben, dass er zu diesem Narrenball erschienen sei und somit aus ihrem Ehegatten den ersten Aprilnarren gemacht haben.

Welche Geschichte über den Ursprung nun stimmt oder ob alle, dem Tag entsprechend, reines Produkt der Fantasie sind, ist nicht geklärt, doch ohne Frage geht der 1. April auf eine lange Tradition zurück. Gleichzeitig erinnert er auch daran, wie schnell sich so mancher in die Irre führen lässt, gerade wenn Medien und Technik mitspielen. Dieser Tag verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Wahrheit hinter all dem zu hinterfragen, was wir täglich sehen und hören – nicht nur am 1. April.