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Chanukka, das Fest der Lichter

Chanukka, im deutschsprachigen Raum auch Lichterfest genannt, ist die jüdische Variante von Weihnachten – oder? Tatsächlich haben die beiden Feste neben der Jahreszeit nicht viel gemein. Was Jüdinnen und Juden an Chanukka feiern, wann sie es feiern, welche Symbole und Traditionen dafür typisch sind und was eigentlich „Weihnukka“ ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Hintergrund

Wir schreiben das Jahr 3579 (164 v.Chr. nach gregorianischer Zeitrechnung). Der zuvor entweihte Tempel von Jerusalem wird von jüdischen Freiheitskämpfern, den Makkabäern, zurückerobert und die religiösen Symbole der hellenistischen Besatzungsmacht entfernt. Als die Makkabäer die sieben Öllampen des Tempelleuchters, der Menora, wieder anzünden wollen, ist darin nur mehr genug Öl für einen Tag vorhanden. Doch die Menora brennt auf wundersame Weise acht Tage lang, und die Makkabäer haben genügend Zeit, neues Öl herzustellen. Soweit die Überlieferung aus dem Talmud, einer der wichtigsten Schriften des Judentums.

An Chanukka („Einweihung“) feiern Jüdinnen und Juden alljährlich dieses Wunder. Das Fest dauert in Anspielung auf die Überlieferung aus dem Talmud acht Tage lang. Es beginnt am Abend des 25. Tages im Monat Kislew. Nach dem jüdischen Kalender dauert der Tag nicht von 0 bis 24 Uhr, sondern von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. Wann Chanukka nach dem uns gebräuchlichen gregorianischen Kalender gefeiert wird? Dafür muss man wissen, dass sich der jüdische Kalender am Rhythmus von Sonne und Mond orientiert und viele Schaltjahre mit 13 statt 12 Monaten hat. Die Umrechnung gestaltet sich daher etwas schwierig – wir begnügen uns hier damit, dass Chanukka 2021 von 28. November bis 5. Dezember dauert und 2022 von 18. bis 25. Dezember gefeiert wird.

Bräuche und Rituale

Dreidel in Schneekugel und Chanukkia.

Zentral für das traditionelle Chanukka ist die Chanukkia, ein der Menora ähnlicher Leuchter, mit acht statt sieben Armen für Kerzen oder Öllampen und meist einem Steckplatz für eine weitere Kerze, den Schamach („Diener“). Diese Kerze wird zum Anzünden der anderen Lichter verwendet. Jeden Abend wird etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang nach dem Aufsagen eines Segens ein weiteres Licht angezündet. Folgende drei Segenssprüche kommen dabei zum Einsatz:

  1. Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du uns geheiligt durch deine Gebote und uns geboten, das Chanukkalicht anzuzünden.
  2. Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du Wunder erwiesen unseren Vorfahren in jenen Tagen zu dieser Zeit.
  3. Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen.

Am ersten Abend werden alle drei Sprüche gesagt, an allen anderen Abenden nur der erste und zweite. Nach der Segen und dem Anzünden der Lichter wird der Leuchter nach jüdischer Tradition anschließend an einem öffentlich einsehbaren Ort aufgestellt, etwa an ein Fenster oder neben den Hauseingang.

Neben dem Anzünden der Lichter und den Segenssprüchen gibt es viele weitere Bräuche rund um das Chanukkafest. Das Singen traditioneller Lieder wie Maos Zur und Mi Yemalel gehört genauso dazu wie das Erzählen der Chanukka-Geschichte und das Spiel mit dem Dreidel, einem vierseitiger Kreisel. Generell werden zu Chanukka viele Süßigkeiten verspeist, besonders gerne Sufganiyot-Krapfen, die unseren Faschingskrapfen oder „Berlinern“ sehr ähneln. Auch die Vollbringung von guten Taten ist an den Chanukka-Tagen Brauch, praktischerweise zählt dazu bereits das Anzünden eines Lichtes der Chanukkia.

„Weihnukka“?

Soweit die grobe Zusammenfassung der jüdischen Traditionen rund um Chanukka. Genau wie Weihnachten wird Chanukka aber nicht nur von gläubigen Jüdinnen und Juden gefeiert, sondern auch von eher säkular eingestellten Menschen. Wegen der jahreszeitlichen Überschneidung kommt es dabei häufig zu Vermischungen mit Bräuchen, die heute eher dem säkularen Teil des Weihnachtsfests zugeordnet werden. Dazu gehören Chanukka-Geschenke, ein Chanukka-Baum oder -Busch, ein Chanukka-Kalender mit acht Klappen als Äquivalent zum Adventkalender oder gar ein Chanukka-Mann, der wie der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke bringt.

Diese säkulare Entwicklung von Chanukka begann vermutlich bereits im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit erstarkte das jüdische und christliche Bürgertum in West- und Mitteleuropa, und der weihnachtliche Schenkungsbrauch wurde immer exzessiver betrieben. Jüdische Familien wollten ihren Kindern ein Äquivalent bieten, wodurch das religiös eigentlich weniger bedeutende Chanukka-Fest aufgewertet und popularisiert wurde. Als durch den zweiten Weltkrieg viele Jüdinnen und Juden in die USA emigrierten, nahmen sie diese neuen Bräuche mit und trugen dort zu deren Popularisierung bei. Zusätzlich verstärkte sich die Entwicklung wegen der hohen Zahl von interkonfessionellen Ehen mit christlichen Partner*innen, die nicht auf ihre weihnachtlichen Traditionen verzichten wollen.

Diese Verwässerung des Festes wird auch ermöglicht durch seine relativ geringe religiöse Bedeutung. Weitaus wichtiger sind der Versöhnungstag Jom Kippur im Herbst, das darauffolgende Laubhüttenfest Sukkot, der wöchentliche Schabbat und das Neujahrsfest Rosch ha-Schana.

In diesem Sinne: Chanukka sameach!

Beitragsbild: Chanukkia mit zwei erleuchteten „Kerzen“ vor dem Brandenburger Tor, Berlin. Credits: Alex Timanoff, Chabad-Ludavich / Chabad.org, CC BY 2.0