Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

EUROPEAN OUTDOOR FILM TOUR 2021 vol. I: Grenzen überwinden.

Bei der European Outdoor Film Tour (EOFT) werden jedes Jahr die besten Kurzfilme aus der Outdoor-Welt gezeigt – mit Rahmenprogramm, Gewinnspiel und Moderation. Dieses Jahr ist das 20. Jubiläum des Filmfestivals. Am Sonntag, den 14. November waren im Innsbrucker Congress sieben Kurzfilme über sieben verschiedene und einzigartige Menschen zu sehen, die eines gemeinsam haben: Die Leidenschaft für das Extreme und Abenteuerlust. Sie gehen nicht nur an ihre Grenzen – sie wachsen auch über sich hinaus. Die Protagonist*innen erzählen ihre persönlichen Geschichten und lassen das Publikum auf der Leinwand an ihren außergewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben.

Egal wie verschieden wir sind, die Schwerkraft wirkt auf gleich.

Denn: „Egal ob du arm oder reich, schwarz oder weiß, iranisch oder italienisch, Mann oder Frau bist: Die Schwerkraft bringt alle auf die gleiche Weise auf den Boden zurück und das gibt mir ein Gefühl der Freiheit und der Gleichheit“, so lautet das Credo der Kletterin Nasim Eshqi.

Sie und den Wingsuit-Flyer (Fluganzug für Fallschirmspringer) David Warren verbindet etwas: Sie überwinden nicht nur die Schwerkraft als Gesetzt der Natur, sondern auch persönliche, mentale, körperliche und soziale Barrieren. Die Kurzfilme Spellbound und Climbing Iran geben Einblicke in das Leben und die Gefühle der beiden Extremsportler*innen.

Spellbound

Die EOFT startet mit dem poetischen Film Spellbound von Regisseur Richard Sidey. Der preisgekrönte Filmemacher aus Wanaka in Neuseeland legt seinen Fokus normalerweise auf Tier- und Naturfilme. Auf einem Filmfestival begegnete Sidey dem Wingsuit-Flyer David Warren und er hatte eine Idee, die ihn nicht mehr losließ. „Ich wollte einen langsamen Film über einen schnellen Sport machen“, sagte der Regisseur Richard Sidey in einem Interview. Es dauerte etwas, bis er den Extremsportler Warren von seinem Vorhaben überzeugen konnte, doch schließlich ließen sich beide auf das gemeinsame Projekt ein.

Zu Beginn ist der Wingsuit-Flyer Warren beim Absprung vom Felsen zu sehen. Der Flug: Ein schmaler Grad zwischen Leben und Tod, Licht und Dunkel. Der Film ist unterlegt mit einem selbst geschriebenen Text von Warren, in dem er seine Gefühle und das, was er beim Flug empfindet, zum Ausdruck bringt – tiefgehende und sehr persönliche Einblicke in das Innenleben des Extremsportlers.  „Die Dunkelheit ist nah, doch ich bleibe im Licht“, so Warren.

Schließlich wird der Film in Farbe getaucht. Die spektakulären Aufnahmen des Wingsuit-Kameramannes Gregory Noonan sind einzigartig. Mit seiner Linse fängt er nicht nur den Wingsuit-Flyer Warren, sondern auch die atemberaubenden Landschaften und Bergmassive Neuseelands ein. Durch die an Warrens Kopf befestigte Action-Kamera kann man unmittelbar am Sprung teilhaben. Man erlebt den Flug mit den Augen des Wingsuit-Flyers mit. Ein Action-Film, der nicht mit Adrenalin und Schnelligkeit überzeugt, sondern eine der riskantesten Sportarten der Welt auf eine ganz neue Art und Weise belichtet.

Climbing Iran

„Who is going to climb first? “, fragt ihr Begleiter Nasim Esqi. „Let’s ‚schnick‘!” antwortet sie. Nasim Eshqi gewinnt. Ein breites Grinsen erstrahlt über ihr ganzes Gesicht. Wie selbstverständlich beginnt sie elegant und geschickt den Fels entlang zu klettern. Doch, dass eine Frau im Iran Profi-Kletterin ist, das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

„Es ist schwierig eine Frau zu sein. Aber es hat mich stärker gemacht.“

– Nasim Esqui

Dieses Selbstvertrauen hatte Nasim Eshqui aber nicht immer. Der Film Climbing Iran erzählt die private Lebensgeschichte von der weltberühmten Profi-Kletterin, die im Iran Geschichte schreibt. Als Kind wollte sie lieber ein Junge sein. Doch das Klettern machte sie schließlich zu der mutigen und unabhängigen Frau, die sie heute ist. Denn Klettern, das bedeutet für sie Freiheit. Freiheit, die anderen Frauen in der islamischen Republik Iran vorenthalten bleibt. Am Fels kann Eshqi diejenige sein, die sie ist und ist damit für viele Frauen im Iran ein Vorbild. Mit 23 entdeckte sie den Sport für sich. Seitdem hat sie zahlreiche neue Routen eröffnet. Allein im Iran sind es über 50. Hunderte Routen hat sie als erste Frau überhaupt bestiegen. Dabei werden ihr auch immer wieder Steine in den Weg gelegt, wie fehlendes Budget, Equipment oder VISA. Doch davon lässt sich die Power-Frau nicht unterkriegen. Nicht nur am Fels sucht sie täglich neue Herausforderung.

Bis zu echter Gleichberechtigung im Iran ist es noch ein langer Weg. Die Scharia, das dort angewandte Rechtssystem, führt dazu, dass Frauen in fast allen Rechtsbereichen stark benachteiligt sind. Vor allem verheiratete Frauen sind von ihren Ehemännern stark abhängig. Das weiß auch Eshqi. In einem Interview zum Film erzählt sie: „Der Iran ist ein von Männern dominiertes Land. Wir Frauen reden viel über Gleichberechtigung, aber wenn es ums Umsetzen geht, ist es vielen Frauen doch nicht so ernst. Viele wollen gar nicht unabhängig sein. Das steckt tief in unserer Kultur. Es ist schwer sie davon zu überzeugen, dass sie ihre Situation verbessern können.“


Aufgeben kommt für Nasim Eshqi aber nicht in Frage. Als Kletter-Trainerin möchte sie ihre Leidenschaft am Klettern mit jungen Frauen im Iran teilen und ihnen zu mehr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit verhelfen. 2018 erhielt sie für ihr Engagement sogar den Albert Mountain Award. Bis heute ist sie eine große Inspiration für Athletinnen weltweit.

Neben den Filmen Spellbound und Climbing Iran wurden auf der European Film Tour noch fünf weitere Kurzfilme gezeigt. Wie üblich gelang es der EOFT mit seinem Programm über sieben verschiedene und außergewöhnliche Abenteurer das Publikum zu begeistern. Seit der Gründung im Jahr 2001 beeindruckt die EOFT mit packenden Expeditionen, authentischen Held*innen und herausragenden sportlichen Leistungen. Weitere Informationen zur EOFT unter: www.eoft.eu.