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Das Bali Syndrom – falsch dargestellte Traditionen

Bei der Dekoration von Hotelzimmern, beim lokalen Abendessensangebot und während traditionellen Volksfeiern, das Bali Syndrom – welches hauptsächlich an Orten mit polynesischem Ursprung auftritt – begleitet den Alltag der Tourist*innen. 

Das Bali-Syndrom, erstmals aufgetaucht in den viel besuchten polynesischen Destinationen wie Bali, Fiji oder Hawai’i beschreibt das Phänomen der märchenhaften Darstellung von Polynesischer Kultur. Tourismusplaner*innen und Marketingexpert*innen schaffen Disney-artige Erlebnisse für Gäste, um die lokale Tradition zu veranschaulichen. Sie achten dabei jedoch wenig auf die wahre Tradition und Kultur, welche auch heute noch existiert.

Erlebnisse werden basierend auf romantische Vorstellungen und Ideen von früheren Lebensbedingungen der damaligen Lebensverhältnisse angepasst. Jedoch wird dabei die Entwicklung zur heutigen Tradition und die Empfindungen der polynesischen Gemeinschaft ganz vergessen.

Diese Spaltung des Tourismus, nämlich Realität und Urlaubs-Universum, führt bei den Einheimischen zu einer Entfremdung von ihrem kulturellen Erbe (Minca 2000).

Aktuelle Entwicklungen

Untersuchungen haben gezeigt, dass Tourist*innen nicht nach Hawai’i oder Bali reisen, um deren kulturelle Diversität und Traditionen kennen zu lernen, sondern um das Wetter, die Strände und die schöne Natur zu genießen. Alle dort angebotenen kulturellen Veranstaltungen und Erlebnisse wie Tänze, Souvenirverkauf und lokales Essen werden zwar gerne gesehen, müssen aber nicht sein und sollten auf keinen Fall den Urlaub dominieren. Ausnahmen sind Gäste, die genau zu diesem Zweck auf die polynesischen Inseln fliegen, jedoch haben diese Gäste kein Interesse an den nicht realitätsgetreuen touristischen Attraktionen, die von den Destinationen angeboten werden, sondern wollen das echte Leben sehen (Rosenbaum & Wong, 2007). 

Neuseeland als Beispiel 

Auch Neuseeland hat eine Kultur, welche auf polynesischen Ursprung aufbaut. Die heutigen Maori haben um 1300 n.Chr. als polynesischen Seefahrer*innen an den Inseln von Neuseeland angelegt und besiedelt. Dort kommt es zu einem relativ friedliche Kampf gegen die Übernahme der Westeuropäer*innen, seit deren Ankunft im 18. Jahrhundert. Heute haben schon viele Maori Stämme nicht nur ihre Ländereien zurückerobert, sondern durch ihre traditionell geführte politische und staatliche Organisationen einen großen Einfluss auf den Maori Tourismus, welcher einen großen Beitrag zur Ökonomie leistet. Dadurch haben Sie die Möglichkeit das Erlebnis der Urlauber*innen zu beeinflussen, selber zu leiten und die Vermarktung ihrer Tradition selbst zu besteuern. 

Ausblick für Destinationen

Eine inkludierende Entwicklung sollte frühzeitig in anderen Destinationen, welche anfällig für das Bali Syndrom sind, beachtet werden. Eine zu große Spaltung zwischen lokalen Gemeinschaften und den ankommenden Tourist*innen sowie den beherbergenden Unterkünften führt zu Missmut dem Tourismus gegenüber. Jedoch ist dies eine Einnahmequelle, wovon vor allem polynesische Völker Gebrauch machen wollen. Dafür muss aber den lokalen Gemeinden gezeigt werden, dass der soziale und ökonomische Einfluss sich positiv auf ihre Gemeinschaft auswirken kann. 

Die Beziehungen zwischen Gastgeber*innen und Gästen sind seit jeher der Schlüssel für authentische Erlebnisse und deren Austausch, der Weg für verbesserte Gastfreundschaft und Respekt auf beiden Seiten. Die Teilnahme an Entscheidungen der Gastgeber*innen fördert die Akzeptanz der Tourist*innen in ihrer Heimat und erhöht den Stolz auf ihre eigene Tradition und Kultur.

Jedoch ist nicht nur das Voraussetzung, denn die Strukturen einer Destination müssen dies auch zulassen und auch die Organisationen, Unterkünfte, Tourismusplaner*innen und Marketingexpert*innen sollten sich bewusst werden, dass dieser Ansatz die Zukunft bestimmt. Eine Erweiterung des Bali-Syndroms würde für alle das Aus bedeuten, ein Weg der Kommunikation wäre jedoch die Lösung (Rafael Robina-Ramírez * , Marcelo Sánchez-Oro, Ma Teresa Cabezas-Hernández, & Margarita Calleja-Aldana, 2020). 

Bildquelle: Privat

Literaturliste:

Minca, C. (2000). „The Bali Syndrome“: The explosion and implosion of „exotic“ tourist spaces. Tourism Geographies – TOUR GEOGR2, 389–403. https://doi.org/10.1080/146166800750035503 

Ni Made Ernawati, Dale Sanders, & Ross Dowling . (2017). Host–Guest Orientations of Community-based Tourism Products: A Case Study in Bali, Indonesia. International Journal of Tourism Research .

NZ Māori Tourism Society. (2021). About Us, Who is Māori Tourism. Von Māori Tourism: https://Māoritourism.co.nz/about/who-is-nz-Māori-tourism abgerufen

Rafael Robina-Ramírez * , Marcelo Sánchez-Oro, Ma Teresa Cabezas-Hernández, & Margarita Calleja-Aldana. (2020). Host and Guest Social Exchange in Developing Tourist Sites: The Case of the International Tagus Natural Park. MDPI Jounal – Sustainability.

Rosenbaum, M. S., & Wong, I. A. (2007). The darker side of the servicescape: Investigating the Bali Syndrome. International Journal of Culture, Tourism and Hospitality Research1(2), 161–174. https://doi.org/10.1108/17506180710751696