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AFA – worum geht es?

Oft hört man im Alltag den Satz: „Mit dieser Person kann man nicht darüber diskutieren“, ein Thema für sich, dass uns in der heutigen Zeit täglich begleitet. Jeder scheint zu allem eine Meinung zu haben, auch mangelt es nicht an tagesaktuellen meinungsträchtigen Themen, aber auf der Suche nach den richtigen Gesprächspartnern gehen viele Austäusche verloren.

„Am Anfang kann es etwas einschüchternd wirken“. Das gibt David Hollenstein, den ich zu dieser Institution interviewt habe, offen zu. Ein Akademisches Forum für Außenpolitik, die Hochschulliga für die Vereinten Nationen – da klingt die Abkürzung AFA schon um einiges harmloser.

Der gemütlich gelb gestrichene Raum mit rotem geschichtsträchtigem Sofaensemble, freundliche Gesichter und die ganze Atmosphäre wirken auch sogleich einladend. Diese Erfahrung scheint auch David zu teilen, der von entspannten Leuten und interessanten Themen berichtet. Das AFA bietet verschiedene Formate – einen „Austria Club“ für Diskussionsrunden und freiem Meinungsaustausch, den „Debattierclub“, der wohl anfangs bellt, aber nicht beißt und ein besonderes Anliegen aller Organisator:innen: Die VIMUN, kurz für Vienna International Model United Nations, mit Verhandlungssimulationen in der UNO-City in Wien. Im kleineren Format finden sich auch solche MUNs in Innsbruck, derzeit „leider noch unter Konstruktion“. Menschen zusammenzubringen, die auf neutralem Boden Erfahrungen und Meinungen austauschen. Das geht auch noch weiter, indem regelmäßig Events organisiert werden, wo im niederösterreichischen Schloss Hernstein Jung und Erfahren zusammengeführt werden.

Gerade diese anfangs beschriebene Scheu vor Gesprächen, in denen das Problem von der Streitsache auf die Person gegenüber projiziert wird, gibt es beim AFA nicht. Man bleibt auf der sachlichen Ebene und schüttelt sich nach einer Debatte, die auch mal „hitzig“ werden kann, die Hand.

Die Türe steht Jedem/Jeder offen. Und damit auch die Chance, etwas zu üben, was man sonst schwer üben kann. Das Konzept eines Debattierklubs ist allgemein geläufig, selbst daran teilgenommen hat wahrscheinlich eher die Minderheit der jungen Menschen. Bei den wöchentlichen Treffen wird angeboten, Rhetorik und andere „Softskills“ zu erlernen und zu üben, Argumentationen hinter politischen, wirtschaftlichen, sozialen, wenn nicht sogar manch philosophischer Standpunkte nachzuvollziehen und sich im Endeffekt auch selbst besser kennenzulernen.

Der Austausch mit Leuten komplett verschiedener Hintergründe und Ansichten kann sich als extrem bereichernd entpuppen. Kein Thema ist gänzlich schwarz oder weiß, oder hat eine glasklare Lösung. Ein wichtiger Punkt, der oftmals betont wurde, ist der Grundsatz der Überparteilichkeit – David erklärt: „Es ist die größte Stärke des AFA, dass es für Leute da ist, die keine Parteipolitik machen wollen, aber trotzdem politisch interessiert sind. Das ist auch wichtig, weil Politik schnell schubladisiert wird“.

Politisch interessiert sollte man zwar sein, nicht aber zwangsläufig politisch informiert. Anmeldevoraussetzung bleibt im Moment nur ein 3-G-Nachweis und das prinzipielle Wissen, „was ein Parlament ist“, wie das AFA-Team schmunzelnd erklärt. Tendenziell finden insbesondere viele Politikstudierenden und „Jus’ler“ ihren Weg zum AFA, wohl auch aufgrund der thematischen Nähe und dem Erfahrungswert, dass gerade diese Studiengänger:innen als gesprächsfreudig bekannt sind. Doch an diesem ersten Abend waren genauso ein Slawisitkstudent, eine angehende Wirtschaftspädagogin und ein Informatikstudent unter den Reihen. Damit ist auch schon das angestrebte Ziel des AFA genannt – möglichst viele junge Menschen aus möglichst vielen Ecken zusammen zu bringen und gemeinsam in einer Runde zu diskutieren.

Studentin in Innsbruck. Rechtswissenschaften. Daneben und teils auch aus diesem Grund schreibe ich gerne über (andere) Themen, die uns als Einzelne*r und Gesellschaft betreffen mögen und mein Interesse geweckt haben.