Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

PolitFilmFestival vol. II: Indoor: Courage

Der Film Courage bildet den Auftakt zum PolitFilmFestival. Es ist ein Werk von Aliaksei Paluyan und handelt von drei Schauspieler*innen die vor 15 Jahren das Staatstheater Minsk verlassen, weil sie nicht mehr unter den Bedingungen, die noch immer in Belarus herrschen, leben wollten. Seit August 2020, dem Monat, in dem die Präsidentschaftswahlen stattgefunden haben, hat sich etwas spürbar verändert. Nun wird für den friedlichen Machtwechsel in Belarus protestiert – und damit setzen viele ihr Leben aufs Spiel.

Der Filmtitel ist sehr treffend. Man braucht Mut, um sich einem autoritären Regime zu widersetzen. Mut, den viele nicht aufbringen. Sehr wohl aber die Schauspieler*innen, die dem Belarus Free Theatre angehören. Sie wissen, dass sich der Einsatz gegen das Regime als gefährlich erweisen kann. Deswegen gibt es Notfallpläne, um die Menschen im schlechtesten Fall außer Land zu schaffen. Teil dieser Pläne ist auch der Regisseur, ein belarussischer Flüchtling, der über Skype zur Theatergruppe zugeschaltet wird. Das Belarus Free Theatre und seine Ensemblemitglieder werden zum Mittelpunkt von Paluyans Dokumentation. Dadurch, dass die drei Protagonist*innen sich aber unter die Demonstrant*innen mischen, rücken auch diese vermehrt in das Rampenlicht.

Wie vorhin bereits beschrieben, machen sich beständig mehr Belarussen auf, um für einen Wechsel in der Regierung auf die Straße zu gehen. In der Dokumentation treffen diese Menschen vermehrt auf Polizeigewalt. Es gibt Szenen der Gewalt. Szenen in denen Menschen festgenommen werden und die Angehörigen danach vor den Gefängnissen stehen, ohne zu wissen wie es den Festgenommen geht und wo sie sich befinden. In der Stadt festgenommen zu werden bedeutet nicht, dass man auch in dieser Stadt festgehalten wird. Allerdings ist das nicht immer der Fall. Andere zeigen nämlich, dass es Polizist*innen gibt, die offen mit den Demonstranten sympathisieren.

Thematisiert wird auch die oben erwähnte Präsidentschaftswahl, die trotz aller Erwartungen, dass es endlich zu einem Wechsel kommt, für Alexander Lukaschenko ein positives Ende nimmt. Opponentin Swetlana Tichanowskaja verlässt daraufhin zwei Tage nach der Wahl das Land. Obwohl Tichanowskaja angibt diese Entscheidung frei getroffen zu haben, ließ die Mitarbeiterin ihres Wahlkampfteams verlautbaren, dass die unterlegene Kandidatin dazu gezwungen worden sei das Land zu verlassen.

Courage ist eine bildgewaltige Dokumentation. Der Film würdigt die Menschen, die sich,bewusst sind, wie riskant Widerstand sein kann und sich trotzdem für ein freies Belarus einsetzen.

Im Anschluss gab es noch eine Diskussion, die von Fabian Sommavilla geleitet wurde. Die Diskussion ist auf Facebook zugänglich.

 

(c) Fotos: Alena Klinger