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An Berlin

An Berlin

Du bist kein leeres Blatt, Berlin.
Bist so vollgeschrieben.
vollgeschrien
jeder überschreibt jeden mit schwarzem Edding,
und Neonfarbe,
jeder überschreit die Stimmen der anderen.
Hier kommt niemals jemand an,
und niemals jemand wieder weg.
Denn jeder sucht,
keiner findet,
und deshalb finden sich hier so viele verloren gegangene in Berlin.

Berlin, du überdeckst
ersetzt;
Gefühle mit dem Bass,
mit dem Herzschlag dieser Stadt.
immer ein Stück zu hoch
oder aussetzend fehlend.
Berlin, du kennst kein Maß,
besitzt kein Mittelmaß,
nur Maßlosigkeit.
Und das macht so gefährlich frei.

Berlin, du bist ein Zirkus der Unangepassten,
der durch die Raster Gefallenen,
Ausgerasteten, Ausgefallenen.
Die Stadt, der immer Wachen,
der immer Rennenden
niemals Stillstehenden.
Du machst es leicht zu vergessen,
dass da eine Welt hinter deinen Horizonten liegt.
Die Welt könnte lange untergegangen sein,
und du, Berlin, würdest es nicht mitbekommen.
weil dir die Bodenhaftung fehlt,
dir fehlt der Grund, das Fundamentale.

unendliche Stimulation
bis zur Perfektion Illusion,
der weltfremden (T)Raumstation Berlin.
Stadt der Extremen,
Nordkreuz bis Südkreuz,
Westkreuz bis Ostkreuz.
hassen oder lieben,
fliegen oder liegen.
Die Suchenden blieben
und du liest sie die Suche vergessen,
auf den Wegen deines Labyrinthes, Berlin.

Stadt der schwarz-weißen Krähen.
Berlin, dich kann man nicht lieben,
ohne dich zu hassen.
Berlin, dich kann man nicht verstehen.
Aber ich mich auch nicht,
und das macht dich so bitter-süß vertraut.
und die Suchenden in dir so laut,
nachts alles taub,
benommen,
die anderen Stimmen leise zu bekommen.
zumindest in der hoch in der Luft hängend anzukommen.

Der Schleier deiner Dunkelheit
spiegelt sich im Schwarz des Netzes und der Stiefel,
der Uniform der Fliegenden,
der das Sich-Fallen-Lassen Liebenden
derer, die akzeptieren, dass Träume zerplatzen,
sie dann lieber selbst zerstampfen,
im Rhythmus dieser Stadt.
Sie treiben es zu bunt in schwarz,
zu weit
Denn nur wer zerbricht,
findet seinen Platz in den kleinen Spalten
deines Durcheinanders, Berlin.

Nur wer zerbricht,
findet an die kleinen Stellen,
an denen die warmen Sonnenstrahlen,
des Sonnenunterganges
dich zum Glühen bringen, Berlin.

Berlin, du hässliche Schönheit.

 

Foto: (Instagram) @antonalirio

Mein Name ist Claudia und ich studiere Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck. In meiner Freizeit lese ich, schreibe ich, spiel mit meinen Katzen und gehe in Bars.