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Schon mal Hanf probiert?

Um den Hanfanbau ranken sich auch heute noch einige Vorurteile und Mythen. Dabei ist die Kulturpflanze relativ anspruchslos und ihre Verwendungsmöglichkeiten schier endlos. Mittlerweile wissen auch die meisten, dass es sich bei den Feldern nicht um schlecht versteckte Cannabis-Plantagen handelt, sondern um innovative Projekte heimischer Bauern und Bäuerinnen, darunter auch der Fohlenhof Astner in Osttirol. Doch was ist so innovativ an Hanf? Wir haben uns bei Sylvia Astner erkundigt.

Der Fohlenhof

Die „Bauerfrau“, wie sich Sylvia selbst gerne nennt, bewirtschaftet gemeinsam mit ihrer Familie einen Bauernhof in Osttirol, an der Grenze zu Kärnten. Besonders wichtig ist ihr dabei, Lebensmittel mit möglichst hoher Qualität anzubauen. Dafür hat die Familie Astner ihren Betrieb im Jahr 2016 sogar auf biologische Landwirtschaft umgestellt.

„Um die Herausforderungen der heutigen Zeit gut meistern zu können, setzen wir auf altes Wissen, und gehen so scheinbar neue Wege.“

Die Arbeit in ihrer Landwirtschaft sieht sie als Chance, Lösungsansätze und Antworten für heutige gesellschaftliche Probleme zu finden. Diese sind, so Sylvia, oft im alten Wissen verborgen. Daher wird am Fohlenhof vermehrt auf alte Tierrassen und Kulturpflanzen gesetzt, darunter auch der Hanf.

Innovation ist nicht immer einfach

Das Projekt entstand durch die Idee zweier HTL-Schüler, die sich im Rahmen ihres Maturaprojektes die Einsatzmöglichkeiten des nachwachsenden Rohstoffes angesehen haben. Neben den Astners konnten noch zwei weitere Osttiroler Bauernbetriebe für das Thema Hanf begeistert werden. Der Anfang war jedoch für die drei Betriebe alles andere als einfach, verrät uns Sylvia. Um Hanf erfolgreich anzubauen, braucht es einiges an Know-how. Auch die moderne Technik stößt, aufgrund des hohen Fasergehalts und der Faserfestigkeit, an ihre Grenzen. Anstelle eines modernen Mähdreschers, musste zum Beispiel ein Oldtimer-Mähdrescher aus dem Jahre 1964 aushelfen. Durch viel Eigeninitiative wurde aus dem Hanfanbau aber schlussendlich doch ein Erfolg.

Warum ausgerechnet Hanf?

Nun wird seit mittlerweile fünf Jahren am Fohlenhof auf den Anbau der alten Kulturpflanze gesetzt. Sylvia erklärt uns dabei, dass Hanf weit mehr ist als ein heimisches Superfood. Aus Hanffasern lassen sich zum Beispiel Kleidung und Dämmstoffe herstellen.

Trotzdem sollte man Hanf als Lebensmittel nicht unterschätzen. Wir erfahren, dass die Pflanze eine hochwertige Eiweißquelle ist und alle acht essenziellen Aminosäuren enthält. Somit bietet der Hanf ein optimales Aminosäureprofil für den menschlichen Körper. Er enthält auch mehrfach gesättigte Fettsäuren, wie Omega-3-Fettsäuren, sogar im idealen Verhältnis zu Omega-6-Fettsäuren. Damit stellt Hanf eine echte Alternative zu Fisch dar. Reich an Ballaststoffen, Vitalstoffen, Antioxidantien und Biophotonen ist der Hanf auch. Da können wir Sylvia fast nur zustimmen, wenn sie sagt:

„Die Verwendung von Hanfsamen und Hanföl ist für mich mittlerweile fixer Bestandteil einer gesunden und bewussten Ernährung.“

Welche Hanfprodukte gibt es denn eigentlich?

Bis jetzt klingt das für uns erst einmal alles sehr gut. Doch wie wird Hanf nun zu einem Lebensmittel? Sylvia verrät es uns. Obwohl Hanf auch ohne Veredelung genießbar ist, lässt sich aus der Pflanze so einiges machen. Zuerst muss sie aber gedroschen und das Korn getrocknet werden. Die Samen der Hanfpflanze werden anschließend, ähnlich wie auch Sonnenblumenkerne, geschält. So kann aus dem Hanf ein Öl entstehen. Dazu wird ein schonendes Kaltpressverfahren angewandt, um alle Enzyme und wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten.

Am Fohlenhof und seinen Partnerbetrieben sind dann hochwertiges Hanfsamenöl und ungeschälte und geschälte Hanfsamen erhältlich. Sylvia verrät uns, wie man die Produkte verwenden kann. Das Hanfsamenöl verwendet sie am liebsten für Salatmarinaden und zum Dünsten und Dämpfen. Manchmal gibt sie auch einige Tropfen zu Obst- und Gemüsesäften. Aber Achtung: Zu hoch erhitzen darf man das Öl nicht! Die Hanfsamen schmecken, laut Sylvia, am besten im Frühstücksmüsli oder als Salattopping. Aber auch auf Süßspeisen, in Salatmarinaden oder im Joghurt machen sie eine gute Figur. Ein absoluter Geheimtipp ist aber das Hanfmehl. Neben dem Einsatz in Salatmarinaden, Müslis, Aufstrichen, Kräutersalz, Obst- und Gemüsesäfte und Joghurts, kann damit sogar Brot gebacken werden!

Wir sind uns sicher: Ihr solltet Hanfprodukte unbedingt einmal probieren. Ob nun als gesunde und vegane Fischalternative, als Extrakick für euer Frühstücksmüsli oder als innovative neue Mehlsorte, Hanf hat einiges zu bieten. Wenn er dann noch aus der Region kommt und nachhaltig angebaut wird, wird aus der alten Kulturpflanze tatsächlich ein richtiges Superfood!

Bilder: © Fohlenhof Astner & Hannah Winkler

Hi, ich bin Hannah. Hier findest du den ein oder anderen Artikel von mir. Wenn ich nicht gerade an etwas schreibe, studiere ich an der Universität Innsbruck. Abseits des Schreibtisches bin ich meistens irgendwo zwischen Innsbruck und Lienz zu finden, dort am liebsten draußen. Du willst mehr wissen? Sieh dir einfach meine Verlinkungen an!