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Die Alm – eine Idylle für jedermann?

Wir kennen es alle. Nach der Besteigung des Gipfelkreuzes unserer Wahl kehren wir in der nächstgelegenen bewirtschafteten Alm ein, genießen unser Weißbier und verschnabulieren den hausgemachten Kaiserschmarrn. Umgeben sind wir dabei von einem idyllischen Panorama und einer sowohl frischen als auch reinen Bergluft, die uns das Gefühl von Freiheit gibt. Nichtsdestoweniger sind wir dabei aber nicht allein, denn die Almwirtschaft ist längst zu einem Tourismuszweig mutiert.

Konfliktpotential zwischen Almwirtschaft und Tourismus

Derzeit gibt es 1525 Almen in Südtirol, von denen etwa 1190 erschlossen sind. (Stand: 2019) Im Erlebnisraum der Seiser Alm gab es innerhalb des Zeitraumes vom Mai 2020 bis Oktober desselben Jahres stolze 798.247 Übernachtungen. Genau aufgrund dieser Masse entsteht ein gewisses Konfliktpotential zwischen den Besucher*innen und der Almwirtschaft an sich.

Kühe auf der Alm, die oft für ein perfektes Selfie gestört werden

Almen werden von den Landwirt*innen nämlich genutzt, um den positiven Effekt der Alpung auf die Tiergesundheit zu generieren, und für die Entlastung der Hofarbeit während der Sommermonate. Dennoch stecken auch viel Schweiß, Arbeit und Blut der Beteiligten hinter der Bewirtschaftung und Landschaftspflege. Umso ärgerlicher ist es, wenn sich Besucher*innen auf der Alm fehlerhaft oder gar unangemessen verhalten. Kühe und andere Weidetiere werden öfters für ein waghalsiges Selfie missbraucht. Menschen verlassen die Waldwege, um Pilze zu pflücken oder möglichst viele Heidelbeeren zu sammeln. Dabei betreten sie oft abgegrenzte Bereiche, die für die Kühe vorgesehen sind oder beschädigen den elektrischen Weidezaun, der von den Almhirt*innen angefertigt und befestigt wurde.

Traurigerweise findet man heutzutage überall Müll, so auch in den Bergen und Almen

Auch aus ökologischer Sicht gibt es hier ein gewisses Konfliktpotential, denn der Abfall macht auch vor oder gar in der Alm keinen Halt. So wird der Zigarettenstummel einfach in der Wiese entsorgt und landet unverdaut schlussendlich im Magen der Ziege. Das Taschentuch wird einfach auf den Boden geschmissen, weil „es ja sowieso irgendwann verwest“. Die leere, aus Plastik bestehende Tempo-Verpackung wird dann ebenso hinter den Weidezaun geworfen, weil „das den Tieren ja nicht schaden kann“, oder die Tiere schon intelligent genug wären, um sowas nicht zu fressen. Aber genau diese undurchdachten Handlungen und fahrlässigen Denkweisen führen zu Krankheiten, oder schlimmer noch: zu einem leidvollen Tod bei den Tieren, zu Verärgerung bei den Landwirt*innen und zur Schließungen von Almen.

Allerdings sind hier auch sicherlich infrastrukturelle Umweltentlastungen wichtig. So sollte in vielerlei Almregionen oder Almgebieten auf den öffentlichen Personennahverkehr umgestiegen werden. Außerdem sollte privaten Personen (außer Almbetreiber*innen, Förster*innen Landwirt*innen und gesetzlich festgelegten Nutzer*innen aufgrund von Interessentschaften) die Zufahrt zu den Almen untersagt werden. Ein Kritikpunkt hinsichtlich der Infrastruktur sind auch Aufstiegsanlagen bzw. Lifte, die nicht nur das Landschaftsbild beeinträchtigen, sondern auch Umweltbelastungen hervorrufen können. Bei diesen modernen Investitionen sollte bei der Planung und Umsetzung auch der ökologische Aspekt miteinbezogen werden.

 

Angemessenes Verhalten eines Hundes auf der Alm

Hunde an die Leine gilt es auf der Alm einzuhalten!

Weiters muss dem noch ein wichtiges Thema hinzugefügt werden, welches aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist: Das Verhalten und die Haltung des Hundes auf der Alm. Prinzipiell sollte der Hund an der Leine gehalten werden und jede*r Hundebesitzer*in sollte darauf achten, den Weidetieren nicht allzu nahe zu kommen. Muttertiere, welche instinktiv ihre Kälber oder Jungen beschützen, schrecken auch nicht dafür zurück, einen feindlichen Hund anzugreifen, wenn dieser dem Jungen zu nahekommt. Der Hund sollte nur im absoluten Notfall abgeleint werden, nämlich dann, wenn das Weidetier bereits unmittelbar vor einem Angriff steht und dies auch nur, weil der Hund schnell genug ist, um dem Angriff auszuweichen und der*die Hundehalter*in die Zeit hat, der Gefahr zu entgehen. Des Weiteren sollte auch auf der Alm, wie es in der Stadt schon vorgesehen ist, der Hundekot mittels Tüten in Mülleimern entsorgt werden. Letzteres ist auch für die Landwirt*innen besonders von Relevanz, da der Hundekot bei den Rindern die Krankheit Neosporose und somit Fehlgeburten verursachen kann.

 

 

 

 

Almwirtschaft und Tourismus sind Partner – auf Augenhöhe!

Dennoch bedingen sowohl die Almwirtschaft als auch der Tourismus einander gegenseitig, und dies gleichzeitig in ökonomischer sowie infrastruktureller Hinsicht. Trotzdem kann jede*r von uns seinen Teil dazu beitragen, um diese gepflegte Kultur- und Naturlandschaft optimal zu erhalten. Denn um die negativen Auswirkungen des Tourismus möglichst gering zu halten, ist ein durchdachtes und ökologisches Handeln der Tourist*innen unabdingbar.

 

Ein Kommentar von Heidi Siller

Bilder: alle Bilder (so auch das Beitragsbild) sind von ©Pixabay

 

 

 

 

 

Eine waschechte Südtirolerin, die in Innsbruck studiert und liebend gern in den Bergen unterwegs ist, ganz nach dem Motto: Du bist nicht du, wenn dir die Bergluft fehlt!