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Ein Tag an der Schule der Alm

Die Schule der Alm ist eine kleine Oase der Tradition. Versteckt im hintersten Eck des Valsertals liegt Helgas Alm – die Basis für den kleinen Ausflug. Dort fühlen sich nicht nur ihre Ziegen, sondern auch ihre Gäste und die Lehrenden der Schule der Alm ganz zuhause.

Mit dem Zug bis nach St. Jodok und weiter mit dem Postbus fast bis zur Alm, oder mit dem Auto direkt bis zum Parkplatz unten im Tal – die Schule der Alm ist nicht schwer zu erreichen. Dort angekommen haben die Gäste die einmalige Chance, das traditionelle Almleben hautnah zu erfahren.

Das Angebot für die verschieden Kurse reicht vom Bauen traditioneller Schrägzäune über das Mähen mit der Sense und die Heuernte bis zum Bauen von Trockensteinmauern und Steinpyramiden. Gemeinsam werden Waale (kleine Bewässerungssysteme auf Bergmähdern) errichtet, Wege gepflegt und in Käuterseminaren heimische Kräuter und Gewürze kennengelernt. Außerdem wird das berühmte Programm „Almluft und Zigenduft“ mit Helgas Ziegen angeboten, in dem alle Tätigkeiten rund um Alm und Bergmahd vermittelt werden.

Die Kurstermine sind beschränkt – nur viermal werden im Sommer 2021 die Gäste für mehrere Tage geschult und können das komplette Programm genießen. Drei Tage lang werden die Kursinhalte vermittelt, der Rest der Woche kann dann zum weiteren Erkunden der Region genutzt werden. Die Grundkurse bestehen aus drei Pflichtprogrammen: Sensenmähen, Schrägzaunbauen und Heuernten. Alle weiteren Kurse wie Kräuterseminare, Ziegen- und Tierpflege oder das Pflegen der Bergmähder und Wege sind Wahlprogramme.

Die Schule der Alm hat nur ein Ziel und das ist, ein kleines Paradies zu erhalten, indem das traditionelle Wissen über die Pflege dieses Lebensraumes an freiwillige Helfer*innen weitergegeben wird. Dieses Wissen darf nicht verloren gehen, damit die Oasen der Ruhe in der Natur und die einzigartige Flora und Fauna dieser Räume erhalten bleiben.

Im Rahmen eines Masterkurses am MCI (Management Center Innsbruck) wurde das Angebot des Vereins Schule der Alm analysiert und viele neue Denkansätze, Ideen und Möglichkeiten für dieses einmalige Konzept besprochen. Daraufhin wurden die Student*innen auf einen Tagesausflug zu Helgas Alm eingeladen. Nach der Begrüßung durch alle Lehrenden der Schule der Alm wurden die Student*innen in Gruppen geteilt und mit verschiedenen Kursprogrammen konfrontiert. Neben einem Spaziergang zu den eigenen Bienenstöcken und einer Wanderung über die Bergmähder, um Wege und Waale zu kontrollieren, gab es noch die zwei aufregendsten Programmpunkte: das Helfen beim Bau eines Schrägzaunes und das Kuscheln mit Helgas Ziegen.

Für den Schrägzaunbau bekamen alle Student*innen ein bis zwei lange Holzspalten in die Hand. Dann wanderten sie für ca. 30 Minuten durch den Wald und über Bergmähder, an Helgas Alm vorbei den Hang hinauf. Der älteste Lehrer der Schule der Alm und auch der erfahrenste Schrägzaunbauer ist der ehemalige Volksschuldirektor Lois. Er begleitete die Gruppe und beschäftigte die Student*innen mit Geschichten über die Almen, das Tal und die Aufgaben der Leute dort, wenn er selbst einige Minuten verschnaufen musste. Trotz seines hohen Alters steigt Lois noch fast täglich die Bergmähder hoch und schleppt Holz, um die Zäune bauen.

Am aktuellen Ende des neuen Schrägzaunes angekommen beschrieb er das System. Dann kamen alle einzeln an die Reihe und mit der richtigen Positionierung der Spalten und dem festen Hammerschwung von Lois trugen alle Student*innen zu einigen Zentimetern des neunen Zaunes bei. Bei einem kurzer Abstecher zu dem neu gefällten Baum, welcher von Lois gemeinsam mit dem Förster ausgewählt worden war, um gutes, stabiles und vor allem nicht splitterndes Holz für den Zaun zu bekommen, erlangten die Student*innen einen Einblick in die aufwendige Vorarbeit zur Herstellung der Holzspalten. Von dort brachten die Student*innen noch einmal eine Ladung Holzspalten an das aktuelle Zaunende. Da alles von Hand über die Bergmähder transportiert wird, konnten sie Lois so wenigstens ein wenig Arbeit abnehmen.

Über die Bergmahd und einen Waal ging es dann wieder weiter nach unten, wo Sennerin Helga und Werner Kräutler, der Initiator der Zusammenarbeit vom Verein der Schule der Alm und dem MCI, bei den Ziegen warteten. Nachdem sich die Student*innen in der Sonne auf der Wiese niedergelassen hatten, kamen die Ziegen zum Kuscheln und Knabbern immer wieder zu der Menschengruppe. Helga und Werner würzten die Szene mit Geschichten über die Ziegen, wobei sie vor allem über die Leitziege und Helgas Liebling „Melange“ berichteten.

Am frühen Nachmittag trafen sich dann alle Gruppen zur Jause auf Helgas Alm. Dort wurde nicht nur Radler, Wein und Wasser serviert, sondern auch frische Ziegenmilch, Holunderwasser und –
besonders zu empfehlen – die selbstgemachte Kräutercola.
Dazu gab es frisches Brot, selbstgemachten Frischkäse und hausgemachte Würste.

Das sanfte Ausklingen des Ausflugs beim Zusammensitzen mit den Lehrenden, die leckere Jause, das charmante Plumpsklo, die Aussicht ins Tal und schließlich der Abschied von Helga und all ihren Ziegen am Parkplatz rundete einen gelungen Tag in der Schule der Alm ab.

Der Besuch des Valsertals und auch das Jausen auf Helgas Alm sind sehr zu empfehlen. Das Konzept der Schule der Alm kommt sehr gut an. Die vier über den Sommer angebotenen Kurse sind immer ausgebucht und alle Gäste sind begeistert. Ob eine Erweiterung des Konzeptes in andere Täler möglich ist, steht noch im Raum, aber die Einbindung von freiwilligen Helfer*innen und das Weitergeben von Traditionen und Fähigkeiten funktioniert schon in diesem kleinen Rahmen sehr gut.

 

 

 

Bilder: Private Quelle