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Positive Aspekte der Jagd – Interview mit einem Jungjäger

Die Jagd war viele Jahrtausende hindurch die wichtigste Tätigkeit des Menschen zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Lokal und global ist sie heute ein häufig diskutiertes als auch umstrittenes Thema.  Dennoch spielt sie sowohl in Österreich als auch in einigen Regionen Italiens, darunter Trentino-Südtirol, eine bedeutende Rolle. Trotz aller Skepsis kann die Jagd sowohl positive Aspekte aufweisen als auch wertvolle Dienste leisten. Genau aus diesem Grund habe ich mich virtuell mit Florian Oberhofer, dem 21 Jahre alten Jungjäger aus dem Jagdrevier St. Jakob in Pfitsch getroffen und er hat mir diese positive Seite der Jagd nochmals genauer beschrieben.

 

Florian Oberhofer in seinem Element

Die Zeitlos: Inwieweit kann die Jagd allgemein als positiv angesehen werden?

Florian Oberhofer: Trotz aller umstrittenen Diskussionen kann die Jagd auch wertvolle Dienste, sei es für die Natur als auch für die Fauna leisten, wenn sie flächendeckend und juristisch fundiert erfolgt. Nichtsdestotrotz muss die Jagd sowohl juristisch korrekt als auch nachhaltig, im Sinne der Natur schonend und nicht umweltschädigend erfolgen, denn ansonsten können sicherlich auch negative Aspekte der Jagd entstehen.

 

Was trägt die Jagd zum Tierschutz bei?

Hinsichtlich des Tierschutzes hat die Jagd leider immer noch einen schlechten Ruf, da immer davon ausgegangen wird, dass willkürlich Tiere erschossen, erlegt oder zerstückelt werden, was so nicht stimmt. Denn wer auf die Jagd geht, muss eine Vielzahl von Gesetzen und Bestimmungen kennen und diese befolgen. Darunter fällt auch der Abschussplan, welcher obligatorisch und verbindlich gilt und somit festlegt wie viele Tiere getötet werden dürfen. [Anm. d. Redakteurin: Die Abschusspläne für alle Wildarten werden von den Reviervorständen vorgeschlagen und unterliegen einer Abschussplanung. Die Abschussplankommission, welche auf Bezirksebene tätig ist, setzt die Abschusspläne für das Schalenwild für einzelne Reviere oder alternativ für Populationseinheiten bzw. Teile derselben fest.  Die Abschussplankommission auf Landesebene, legt die Abschusspläne für die jagdbaren Hühnervögel fest. Die Festlegung dieser Abschusspläne ist dabei an die Verträglichkeitsgutachten des Amtes für Jagd und Fischerei gebunden.] Werden diese Gesetze und Bestimmungen eingehalten, kann die Jagd auch zum Tierschutz einiges beitragen. Insbesondere kann hier das Erlegen von kranken (oder kränklichen) und (somit) schwachen Tieren genannt werden, weil die Tiere sonst einem qualvollen und leidvollen Tod erlegen. Schwere Krankheiten werden von den Jägern oder Jägerinnen erkannt und die Tiere dadurch von ihrem Leid erlöst. Unter schwere Krankheiten fallen zum Beispiel die Gams- und Fuchsräude bei Gämsen und Füchsen, eine Euterinfektion unter der Haut . Bei Steinböcken und beim Muffelwild hingegen gibt es die Moderhinke, welche umgangssprachlich auch „Klauenfäule“ genannt wird. Beim Steinbock führt diese Moderhinke unweigerlich zum Tod der erkrankten Tiere, weil sie abstürzen oder verhungern. Zudem werden auch altersschwache Tiere entnommen, weil die Tiere im hohen Alter ihre Zähne verlieren und daraufhin nicht mehr erfolgreich grasen oder weiden können. Würde man diese Tiere nicht erlegen, würden sie an Unterernährung sterben.  Des Weiteren werden durch die Jäger*innen auch Lampen, Jagdhunde oder Drohnen genutzt, um Rehkitze, welche im hohen Gras abgelegt wurden und durch die Heuernte sterben würden, aufzuspüren und zu retten.

 

Wie erkennen Jäger*innen solche Krankheiten an den Tieren? 

Florian beim Beobachten und Analysieren des Wildes

Prinzipiell wird der/die Jäger*in seiner/ihrer Aufgabe als Heger*in und Pfleger*in nur dann gerecht, wenn er/sie über die Symptome der gefährlichen Krankheiten und Seuchen unterrichtet ist und diese erkennen kann. Eine Gämse, die Räude hat, erkennt ein/e Jäger*in zum Beispiel daran, dass sie sich verhältnismäßig oft schüttelt und ein sehr unruhiges Verhalten aufweist. Letzteres sieht man daran, dass sie sich bei jeder Gelegenheit mit der Krucke [Anm. d. Redakteurin: Krucken stehen in der Jägersprache für Hörner] oder mit den Schalen [Anm. d. Redakteurin: Schalen stehen in der Jägersprache für Hufe] kratzt. Zudem scheuert sie sich an Felsen und Bäumen und beißt die Decke [Anm. d. Redakteurin: Jägersprache für Fell] mit dem Äser [Anm. d. Redakteurin: dem Maul]. Wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, kann der/die Jäger*in auch einen müden oder gar apathischen Eindruck des Tieres erkennen. Durch das Kratzen und Scheuern entstehen viele Risse und Schürfwunden auf der Decke. Der/die Jäger*in erkennt zu diesem Zeitpunkt dann schon Haarausfall und eine Borkenbildung an einzelnen Körperstellen. Sobald die Läufe, der Brustkern und die Bauchinnenseite der Gämse mit Räude befallen sind, geht die Gams nur noch langsam und vorsichtig, da jeder Schritt Schmerzen bereitet. Auch sieht man im späteren Verlauf der Erkrankung, dass sich die Gämse nicht mehr so häufig schüttelt, da dies mit größten Schmerzen verbunden ist. In diesem Fall ist es besser das Tier von seinem Leid zu erlösen, um weitere Ansteckungen und größeres Leid zu verhindern.

 

Inwieweit weist die Jagd positive Effekte hinsichtlich des Artenschutzes auf?

Florian beim Entfernen eines Stacheldrahtzaunes, der für die Tiere eine Verletzungsgefahr darstellt

Prinzipiell kann gesagt werden, dass durch die Jagd ein guter und gesunder Altersaufbau der verschiedenen Tiere gewährleistet wird. Des Weiteren hilft die Jagd zur Sicherung und Begrenzung der Bestände, weil eine plötzliche und unkontrollierte Vermehrung zu Schäden in der Landwirtschaft und in der Natur führen kann. Denn viele Tiere bedeuten wiederum Nahrungsknappheit und die Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr von Krankheiten ist größer. Deswegen hilft die Jagd einen ausgewogenen Tierbestand zu sichern, welcher den Tieren auch entgegenkommt. Diesbezüglich hilft die Jagd auch Schäden im Wald zu vermeiden und zu vermindern. Außerdem sichert und pflegt die Jagd die naturbelassenen Lebensräume der Tiere und sorgt damit für einen artenreichen Wildstand.

 

Wie kann die Jagd nachhaltig erfolgen?

Heutzutage ist die Jagd eine sinnvolle, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Nutzung natürlicher Ressourcen und erfolgt nach juristischen Grundlagen und Gesetzen. Als nachhaltig kann die Jagd beschrieben werden, wenn sie sowohl flächendeckend als auch juristisch fundiert erfolgt. Eine pflegliche Jagd gilt dann als nachhaltig, wenn sie (nämlich) vor allem den Überschuss an Tieren entnimmt, den Anteil an kranken und alten Stücken erlegt und den Fortbestand einer Wildart nicht gefährdet. Als konkretes Beispiel dient wieder der Wildbestand. Es wird im Abschussplan vorgegeben, wie viel geschossen werden darf und diese Zahl darf nicht überschritten werden. Hält sich der/die Jäger*in an diese Stückzahl, wird der Wildbestand so genutzt, dass auch die zukünftige Generation noch etwas davon hat. Des Weiteren ist der sorgsame Umgang mit dem Fleisch auch ein wichtiger Aspekt, denn eine fachgerechte und fast vollständige Verwertung der Beute ist Grundbestandteil einer jeden Jagdausbildung eines jeden Jägers oder einer jeden Jägerin.

 

Warum gibt es immer noch ein schlechtes Image der Jäger*innen?

Trotz der bereits genannten positiven Aspekte hat die Jagd aber dennoch bis heute einen eher schlechten Ruf. Jäger*innen werden als „Mörder“ oder „Töter“ beschimpft und zugleich in eine Schublade mit negativen Assoziationen geschoben. Ein Hauptgrund für diese negative Ansicht ist sicherlich die Erlegung eines freien Tieres, was für viele einen Dorn im Auge darstellt. Des Weiteren stört es manche Menschen, dass Jäger*innen sowohl Forststraßen als auch Waldwege befahren und dabei Lärm und Umweltverschmutzung verursachen. Kritiker*innen sollten sich dennoch auch die positiven Aspekte der Jagd vor Augen halten.

 

Weshalb nutzt uns die Jagd in drei Worten oder Aspekten?

Heutzutage ist die Jagd eine auf Gesetzen basierende und somit sinnvolle und nachhaltige, sowie umweltschonende Tätigkeit. Mit der Hege zusammen sichert sie die Kulturlandschaft und somit die Lebensgrundlagen der jagdbaren und freilebenden Tiere. Abschließen möchte ich nun mit einem Jägerspruch:

„Nicht wo du jagst ob Gebirge, Wald oder Au,

nicht was du jagst ob Gams, Hirsch oder Sau,

nicht wer du bist Fürst, Herr oder Knecht,

nur wie du jagst, macht Waidgerecht!“

 

Florian mit seinem Gewehr für welches ein Jagdgewehrschein oder umgangssprachlich ein „Waffenpass“ erforderlich ist

 

 

 

Bildquellen: alle Bilder inklusive dem Beitragsbild stammen von  © Heidi Siller

Eine waschechte Südtirolerin, die in Innsbruck studiert und liebend gern in den Bergen unterwegs ist, ganz nach dem Motto: Du bist nicht du, wenn dir die Bergluft fehlt!