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Diana Budisavljević – eine beeindruckende Frau

In der Maria-Theresien-Straße gibt es ein Haus. Natürlich nicht nur eines, sondern sehr viele Häuser. Aber in einem ganz Bestimmten, der Nummer 15, ist die Buchhandlung Tyrolia. Und nicht nur das – denn dieses Haus trägt auch die Schrift „Obexer-Haus“. Darum, oder besser gesagt um eine Frau, die darin geboren wurde, soll sich dieser Artikel drehen: Diana Budisavljević, die Retterin tausender Kinder im zweiten Weltkrieg.

Diana Budisavljević wurde am 15. Januar 1891 als Diana Obexer in genau dem Haus Nummer 15 geboren. Sie war Tochter einer Unternehmerfamilie und verbrachte ihre Ausbildungszeit in Innsbruck, bis sie den angehenden serbisch-kroatischen Arzt Julije Budisavljević kennenlernte. Sie heirateten 1917 und übersiedelten nach Zagreb, Kroatien.

In Kroatien, als Verbündeter des Deutschen Reichs, kam im zweiten Weltkrieg das faschistische Ustascha-Regime an die Macht. Ab April 1941 verfolgten und ermordeten regimetreue AnhängerInnen Juden und Jüdinnen, Roma und Romnja, Kommunisten und Kommunistinnen und vor allem auch Serben und Serbinnen, die in Kroatien lebten – wie auch der Mann von Diana Budisavljević.

Die Ustascha errichteten ähnlich wie die Nationalsozialisten Konzentrationslager– unter anderem das KZ Jasenovac, und das KZ Loborgrad. Diana Budisavljević erfuhr 1941 von den menschenunwürdigen Zuständen unter anderem im KZ Loborgrad und dass dort christlich-orthodoxe Frauen mit ihren Kindern in Haft waren. Daraufhin startete sie eine Hilfsaktion namens „Aktion Diana Budisavljević“, in deren Zuge Hilfsgüter wie Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Geld in dieses und noch viele weitere Konzentrationslager geschickt wurden.

Im selben Jahr hörte Diana Budisavljević am Bahnhof in Zagreb während der Versorgung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, welche nach Deutschland gebracht werden sollten, auch von einem großen Zug Kinder, der in ein weiteres KZ (KZ Stara Gradiška/Logor Stara Gradiška) gebracht wurde. Die Mütter der Kinder aber wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland transportiert – die Kinder waren also elternlos. Daraufhin setzte sich Diana Budisavljević vermutlich mit einem Deutschen Offizier Namens Gustav von Koczian in Verbindung und bekam die Erlaubnis, diese Kinder aus dem Konzentrationslager zu holen. Mit Unterstützung des deutschen Regierungsbeamten Kamilo Brössler (Bresler), dem Kontakt zum Oberst der Ustascha, Eugen „Dido“ Kvaternik und den Schwestern vom Roten Kreuz wurden auf diesem Wege immer mehr Kinder aus dem Lager gebracht und in Kinderheimen und Krankenhäusern versorgt. Diana Budisavljević besuchte besonders die Kinder in einem Kinderheim in Zagreb über Monate und pflegte die teilweise sehr kranken und ausgehungerten Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 15 Jahren.

Ab August 1942 wurde die Erlaubnis erteilt, die Kinder aus den Lagern in fremde Familien unterzubringen und Diana Budisavljević organisierte dies in Zusammenarbeit mit der Caritas der Erzdiözese Zagreb unter Leitung von Stjepan Dumić und Paul Jesih. So wurden einige Tausend Kinder in kroatischen Bauernfamilien untergebracht.

Unter anderem durch Transportlisten fertigte Diana Budisavljević mit ihren Helfer und Helferinnen eine Kinderkartei an, welche gegen Kriegsende zwischen 10 und 12 Tausend Einträge umfasste. Mit Hilfe dieser Kartei war es möglich, viele Kinder rasch mit ihren Eltern, welche nach der Zwangsarbeit in Deutschland nach Hause zurückkehrten, zusammenzubringen. Unmittelbar nach Kriegsende musste sie ihre Aufzeichnungen jedoch an den Geheimdienst und die Geheimpolizei Jugoslawiens, genannt OZNA, übergeben.

Vieles, was man über Diana Budisavljević und ihren Tätigkeiten weiß, stammt aus ihren eigenen Aufzeichnungen in Tagebüchern. Die Einträge beginnen darin am 23. Oktober 1941 und enden am 7. Februar 1947.

1972 kehrte Diana Budisavljević in ihre Geburtsstadt Innsbruck zurück und lebte dort in der Anichstraße 24 bis zu ihrem Lebensende 1978 – ohne (An-)erkennung ihrer Hilfeleistungen. Erst Jahre später wurden ihr stilles Engagement bekannt und gewürdigt. So trägt heute der städtische Kindergarten in der Burghard-Breitner-Straße in Innsbruck den Namen „Städtischer Kindergarten Reichenau Ost. Diana Budisavljević“ und am Haus Nr. 15 in der Maria-Theresien-Straße sieht man seit 7. April 2021 links vom Eingang der Tyrolia eine Gedenktafel für die stille Heldin Innsbrucks. Die Inschrift lautet:

„Diana Budisavljević, geb. Obexer 1891 – 1978

Diana Budisavljević aus Innsbruck rettete während des zweiten Weltkrieges mit Unterstützung von weiteren Helfer/innen mehrere tausend überwiegend serbische Kinder aus den Konzentrationslagern des faschistischen Ustasa-Regimes im damaligen „unabhängigen Staat Kroatien“. Erst Jahre nach ihrem Tod wurde ihr humanitäres Engagement auch hier in ihrer Heimatstadt bekannt. Mit dieser Tafel an ihrem Elternhaus gedenkt die Stadt Innsbruck dieser mutigen Frau.“

Der Tyrolia Verlag veröffentlichte 2017 den Biografischen Roman von Wilhelm Kuehs: „Dianas Liste“– angelehnt an „Schindlers Liste“. Ein weiteres Werk, das in Anlehnung an Diana Budisavljevićs Tätigkeit geschrieben wurde, ist „Zeit der Häutung“ von Robert Kleindienst.

Warum ihr Engagement erst so spät bekannt wurde und warum ihre Arbeit in den Lehr- und Geschichtsbüchern weder in Österreich noch in Kroatien aufscheint, lässt sich nur spekulieren und wirft auch die Frage auf, wie viele Informationen über den zweiten Weltkrieg noch entdeckt und öffentlich gemacht werden müssen.

 

 

 

 

 

Obwohl sämtliche Angaben sorgfältig recherchiert und mehrfach überprüft wurden, können wir keine Haftung für eventuelle Irrtümer übernehmen.

Beitragsbild: © Innsbruck Tourismus / Mario Webhofer