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Die Frage nach dem erfüllten Leben

,,Der Stoff für die Prüfung nächste Woche ist zu bewältigen, aber die Wäsche wäre auch noch zu machen, Kochen wäre auch gut, außerdem steht der Zahnarzt- und Augenarzttermin an, dazwischen wäre es nicht schlecht die Seminararbeit anzufangen und übrigens, für Sport wäre es auch langsam wieder Zeit.‘‘

Unser Alltag, der nur selten stressfrei ist, überschattet unsere eigentlichen Träume und Wünsche. Die Wanderungen, die man geplant hat, die Kurse und Reisen die man gerne machen wollte, die Themen, mit denen man sich mehr befassen wollte, sind vielleicht noch irgendwo im Hinterkopf oder ganz verblasst. Die Wünsche, die man während seiner Ausbildung hatte, die Träume, die man als Kind hatte und die Ziele, die man sich gesetzt hat, sind verschwommen. Wie sollte man das denn alles unter einen Hut bringen, wie sollte man den Wünschen nachgehen, wenn alles so schon viel zu viel Zeit beansprucht?  Und auch wenn man nur über das neue Rezept stolpert, das man sich vor 3 Monaten vorgemerkt, aber nie ausprobiert hat. Vielleicht denkt man dann irgendwann – hätte ich doch. Man tendiert dazu sich das Gegenteil einzureden, die ,,Ablenkungen‘‘ werden ein notwendiges Ablassen von den Wünschen und Zielen. Ich muss arbeiten und studieren, habe zu wenig Geld, zu wenig Zeit und wenn all das nicht stimmen sollte, vielleicht bin ich dann doch nicht der Typ für eine Reise beispielsweise, die ich mir so lange gewünscht hätte. Egal, es passt doch sowieso alles, ich brauche mich nicht beschweren. Ob das Leben, das man führt, ein erfülltes ist und ob man den Zweck seiner eigenen Existenz erfüllt, hängt von der Perspektive ab aus der ich es betrachte und von den Prioritäten, die ich mir gesetzt habe.

Doch eine Beschäftigung und eine Ablenkung finden wir doch immer. Nach einem langen Arbeitstag, lege ich mich doch lieber aufs Sofa, mache ich mir doch lieber ein Bier auf anstatt darüber nachzudenken, ob ich ein erfülltes Leben führe – da fehlen mir echt die Nerven dafür.  Viele denken nicht über ihren Alltag hinaus und vergessen ihre Träume und Wünsche immer mehr, aus Mangel an Zeit und Nerven. Aus Faul- oder Blindheit, da alles sowieso seinen Lauf nimmt und alles ganz in Ordnung ist. Doch wenn es nicht um den Job, das Studium, die Karriere, die Familie geht, sondern das Augenmerk nur auf das eigene Selbst legt, kann man der Frage, ob man ein erfülltes Leben führt, nicht ausweichen. Gekonnt, fast schon intuitiv lenken wir uns ab, flüchten in den Konsum, denken uns was man doch noch alles gerne hätte, lassen uns von Werbungen berieseln und für dumm verkaufen, unterbewusst; wir wollen immer mehr und mit diesem Job oder diesem Studium, kann ich mir eventuell und irgendwann all das erfüllen, doch das was ich eigentlich will, kommt zu diesem Zeitpunkt gar nicht erst in Frage und steht außer Diskussion.

Und mit diesen Gedanken lehnt man sich bequem in seinen ,,Alltagssessel‘‘ zurück und genießt die Aussicht auf das bis jetzt Erreichte und vergisst dabei seine Träume, sein eigenes Selbst und vor allem die Aussicht, die man haben könnte, wenn man den Sessel auf die andere Seite des Hauses stellen würde. Diese Aussicht die man haben könnte und nur nicht hat, weil man dort drüben nie sitzt, weil sie ungewohnt ist und neu wäre. Weil man eventuell etwas anders machen müsste und das ein zu großer Aufwand wäre. Und somit wird man die Abenteuer auf der anderen Seite nie erleben, wenn man den Willen und die Kraft den Sessel rüberzutragen nicht aufbringt. Und da sitzen wir nun, bequem, mit der Aussicht auf alles Erreichte und das zu Erreichende scheint ewig weit weg und unmöglich zu sein.

 

Und man bleibt beim gewohnten und oberflächlich zufriedenen Ausblick. Doch ob dieses ,,zufrieden‘‘ befriedigend ist, kann man sich nur selbst beantworten. Wenn man seinen Ausblick auf diese Weise genießt wird man wahrscheinlich auf die Frage: Führst du ein erfülltes Leben?, keine Antwort finden, die für das eigene Selbst akzeptabel wäre.