Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Quarantäne Tagebuch: Pandemie an der Uni Innsbruck

Corona ist auch bei den Innsbrucker Studierenden angekommen.

Wie ist das denn so, wenn es einen betrifft und was genau passiert, wenn man auf einmal wirklich das Haus nicht mehr verlassen darf. Wenn man eben keine Hamstereinkäufe getätigt hat, weil man das alles bisher für überflüssig gehalten hat. Und wie funktioniert das mit der Uni? Eine Zeitlos Redakteurin kann da aus Erfahrung berichten:

Covid-19 (umgangssprachlich Coronavirus) ist schon lang nicht mehr nur ein Problem in Fernost. Mittlerweile hat es auch die ersten Studierenden der Uni Innsbruck getroffen. Die Universität hat als Konsequenz ihre Räumlichkeiten verschlossen und stellt auf Fernlehre (distant learning) um. Das MCI hebt jede Anwesenheitspflicht auf und einigen Studierenden – überwiegend vom Campus Technik – wird Isolation verordnet.

Man hat sich sicher schon drüber lustig gemacht oder versucht vorzustellen, wie das denn so ist, wenn man zwei Wochen in Quarantäne verbringen muss. – Was soll ich sagen? Mich hat es in genau dem Fall getroffen, wie ich meine ersten Tage so verbringe:

Tag 1, 8.3.2020: Temperatur 36,8°C

Als ich nach meinem Nachmittags-Nap auf mein Handy schaue, versteh ich erst mal gar nichts. Gefühlt 100 Nachrichten in einer Gruppe, die ich nicht kenne – und so verschlafen, wie ich bin, versteh ich nicht mal, was der Titel der WhatsApp-Gruppe bedeuten soll…

Die WhatsApp-Gruppe, über die alle wichtigen Infos geteilt werden.

Über eine Lerngruppe komme ich dann langsam drauf, was Sache ist. Wir haben alle eine Mail bekommen, dass wir bis zum 16.3.2020 isoliert daheimbleiben sollen, da wir am 2.3. eine Vorlesung besucht haben, in der sich auch eine infizierte Person befunden hat.

Na toll! Nur weil in einer Vorlesung, in der ich war, irgendeine Person den Virus in sich getragen hat, darf ab sofort unser gesamter Jahrgang sein Zimmer nicht mehr verlassen. Andererseits denkt man dann auch erst so wirklich darüber nach, mit wie vielen Leuten man so in einer Woche Kontakt hatte. Vielleicht ein klein wenig übertrieben, andererseits die sichere Seite.

Erst mal meine WG informieren. Mein Mitbewohner – studiert auch an der Technik – hat eine ähnliche Mail bekommen. Der erste Anruf geht an meine beste Freundin, die mich ab Mittwoch besuchen wollte. Super ärgerlich! Aber ein Risiko wollen wir dann auch nicht eingehen.

Nächster Anruf geht nach Hause. Meine Mama bleibt auch erst mal daheim, weil bei ihr an der Schule die Eltern von Schülern erkrankt sind. Scheint also wirklich grad die Runde zu machen.

Nach all der Aufregung ist es ziemlich spät geworden – aber auch egal, schließlich kann ich morgen ausschlafen.

Mein erster voller Tag in Isolation startet entspannt.

Tag 2, 9.3.2020: Temperatur 37°C

Beim Aufwachen habe ich sofort wieder das Thema im Kopf. So super fit fühle ich mich nicht, aber vielleicht bin ich auch einfach noch verschlafen. Es schadet auf jeden Fall nichts, wenn ich mal Temperatur messe – nichts Unauffälliges. Also erst mal nicht weiter beunruhigen lassen. In unserer „COVID-19 Technik“ WhatsApp Gruppe geht es weiter rund. Fragen zu Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Updates von Leuten, die irgendwo angerufen haben. Ich setze mich nach einem kleinen Frühstück mal hinter meine Baustatik Hausaufgaben, irgendwann müssen die schließlich gemacht werden.

Wie lange so ein Tag werden kann, wenn man weiß, dass man nichts außer Haus machen darf. Andere Tage vergehen hingegen wie im Flug, wenn man das Bett nicht verlässt.

Etwas Beschäftigung muss sein…

Des Weiteren versuche ich meine Zeit mit Hörbüchern, Serien, Filmen und Puzzlespielen zu verbringen. Währenddessen wird in der Gruppe über erste Anrufe und amtssignierte Schreiben berichtet, dass einem das Verlassen des Hauses in jedem Fall untersagt ist.

Am Abend dann die Nachricht, dass die Universität alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen absagt und soweit es geht auf online umsteigt. – Dann geht es wenigstens allen anderen Studierenden ein wenig wie mir.

Nächster Tag, die erste Langeweile kommt auf.

Tag 3, 10.3.2020: Temperatur 36,6°C

In der Früh habe ich schon wieder über 100 neue Nachrichten auf meinem Handy. Aber das Wichtigste ist wohl, die Mail, die ich von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck bekommen habe: Die Bitte um einen DRINGENDEN Rückruf, da ihnen meine Nummer nicht bekannt ist.

Nach kurzer Warteschleife werde ich durchgestellt, allerdings nicht an die richtige Person, diese ist bereits im Gespräch und ich soll zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anrufen. Passt mir auch, schließlich beginnt jetzt meine erste online Vorlesung.

Was soll ich sagen, ich habe sicher besser aufgepasst, als wenn ich wirklich im Hörsaal gesessen wäre. Dabei saß ich sicher nicht mit Zettel und Stift an meinem Schreibtisch. Ich bin durch die Wohnung gelaufen, habe mir Essen gekocht und das dann ganz gemütlich auf dem Sofa gegessen. – Vielleicht sollte man das wirklich mehr einführen, dass die Vorlesungen per Stream verfolgt werden können.

Die Vorlesung live in der Küche verfolgen – das ist gar nicht so schlecht!

Nach erneuten Komplikationen wurde ich dann endlich von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck erreicht. Bei dem kurzen Telefonat kam allerdings nichts Neues raus, was ich nicht eh schon wusste: Ich muss bis einschließlich Mittwoch, den 18.3. zu Hause bleiben und soll auch möglichst keinen Kontakt zu meinen Mitbewohnern haben. Da ich keine Symptome aufweise, ist sonst aber nicht weiter zu tun. Außerdem bekomme ich noch einen Brief zugestellt, in dem alles Wichtige noch einmal zusammengefasst ist.

Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich die nächste Woche irgendwie daheim zu beschäftigen und abzuwarten. Fortsetzung folgt …

Bilder und Titelbild: Christina Schaefer

Wichtige Telefonnummern:
Medizinische Auskünfte bei Symptomen: 1450
Bei allgemeinen Fragen zum Coronavirus: 0800 555 621
24-Stunden-Hotline vom Land Tirol: 0800 80 80 30
Hotline zu reiserechtlichen Fragen: 0800 201 211 (Mo-So 9-15h)
Rückfragen an die Universität Innsbruck: corona@uibk.ac.at