Früher war alles besser?

Jacqueline Kohler/ Februar 4, 2020/ Genial/ 0Kommentare

Share

Unter dem Thema „Früher was alles besser?“ fand dieses Jahr zum dritten Mal das „Take One“ Kurzfilmfestival in Innsbruck statt. Am 1. Februar 2020 wurden die besten zwölf Filme im Rahmen der Preisverleihung im Vierundeinzig in Innsbruck auf der großen Leinwand gezeigt und die besten drei Kurzfilme gekürt. Der Gewinnerfilm des Wettbewerbes wird dann bei dem Bozener Filmfestival in drei Kinos gezeigt.

Take One

Das Tiroler Kurzfilmfestival wird von Studenten und Studentinnen des Medienkollegs organisiert und sogar von drei Studierenden moderiert. Am Abend der Preisverleihung wurde auch für eine ausreichende Verpflegung durch ein Buffett gesorgt und die Veranstaltung wurde von der Band „Sunny Side Up“ begleitet. Kurz um: es fehlte an nichts.

Kriterien für die Kurzfilme waren unter anderem die Erfüllung des Themas „Früher war alles besser?“ und die maximale Dauer von zehn Minuten. Die eingesendeten Filme wurden dann von der Fachjury begutachtet und die besten zwölf für die engere Auswahl nominiert. Mitglieder der Jury waren: Christoph und Philipp Kaar, Lukas Hauser, Fred Einkemmer, Felix Gorbach, Fabian Widmann und Dénes Széchényi.

Und Action…

Nach einer kurzen Ansprache der Moderatoren und der Moderatorin werden die zwölf nominierten Kurzfilme präsentiert. Thematisch ist alles dabei: von tiefsinniger Poesie, zu Scheidung und Liebeskummer, über Erinnerungen an die Kindheit und einer Zeitreise in die Vergangenheit, bis hin zu Erlebnissen aus dem zweiten Weltkrieg. Die Interpretationen des Themas sind sehr weitläufig, aber genau das macht den Abend besonders abwechslungsreich und spannend.

Gewonnen hat den Wettbewerb der Film „Nachtdienst“ von Catharina Lott und dieser wird somit im Rahmen des Bozener Filmfestivals in drei Kinos gezeigt. Zweiter Platz wurde der einzige englischsprachige Film des Abends „Keeper“ (Bewahrerin) von David Lojek und den dritten Platz belegt Laura Marberger mit dem kürzesten Film „Sunday“. Besondere Erwähnung fand bei der Jury der Kurzfilm „Startschuss“ von Zora Fuhrmann, der nostalgische Erinnerungen an die Kindheit hervorruft.

Bitte lächeln!

In der Pause fand sogar noch eine Preisverleihung statt. Die Gewinnerinnen des „Take One“ Fotowettbewerbes auf Instagram wurden gekürt. Der Fotowettbewerb lief unter dem selben Thema, wie der Filmwettbewerb und zeigte weitere kreative Umsetzungen des Themas. Die Fotos mussten dann nur unter dem Hashtag „#takeonefoto“ auf Instagram gepostet werden.

…Cut

Nach der Preisvergabe hat Die Zeitlos drei Teilnehmer zu dem Projekt befragt. Lisa-Maria Lux, Mathilda Ketunuti und Raphael Grimm haben gemeinsam den Kurzfilm „90 Jahre Licht und Schatten“ produziert. In dem 10-minütigen Video spricht Mathildas Großmutter über ihr Leben und speziell die Zeit während des zweiten Weltkrieges. Das Ergebnis ist eine rührende Geschichte mit viel „Licht und Schatten“, was der Titel ja schon verrät.

Die Zeitlos: Was waren eure ersten Gedanken bei dem Thema: „Früher war alles besser?“ ?

Raphael: Mein erster Gedanke waren die Geschichten meiner Großeltern und Verwandten.

Lisa-Maria: Wir wollten jemanden interviewen, der eine Ahnung hat, wie es früher war. Ältere Leute sagen ja selber oft: „Früher war alles besser.“. [lacht]

Mathilda: Ja, da kam die Idee mit meiner Oma.

Was war eure Motivation um bei dem Wettbewerb mitzumachen? Waren es die Preise…?

Raphael: Auf keinen Fall! Wir wollten eine Geschichte erzählen. Da es nur noch wenige Menschen gibt, die diese Zeit erlebt haben, wollten wir es für die Zukunft festhalten.

Mathilda: Meine Oma hat schon oft aus ihrem Leben erzählt. Sie hat so viel Interessantes und Spannendes zu erzählen und ich habe schon oft mit ihr darüber gesprochen. Der Gedanke, einen richtigen Film von ihr zu haben hat mir sehr gefallen. Sie ist ja schon 90 und wenn sie mal nicht mehr da ist, ist es etwas unglaublich Schönes so einen Film zu haben.

Lisa-Maria: Ich wusste nicht einmal, was die Preise sind! Für mich war das dabei sein wichtig. Die Zeit, die man mit Freunden in so ein Projekt steckt und das ganze Erlebnis waren toll.

Wie waren eure Schritte bzw. Vorgehen bei der Produktion des Filmes?

Mathilda: Es war eigentlich alles ziemlich spontan! Ich bin in den Weihnachtsferien zu meiner Oma gefahren und Raphi hat mir davor kurz die ganzen Kameraeinstellungen gezeigt und dann habe ich sie gefilmt.

Raphael: Das Interview war ein sehr spannender Teil, das Ergebnis kann man ja immer erst im Nachhinein beurteilen…das ist immer eine Überraschung. Der letzte Schritt war dann der Schnitt, das war hauptsächlich Archivrecherche und das logische Zusammenfügen der Videos.

Lisa-Maria: Das Schwierige war, das Interview, welches eine Stunde dauert, auf nur zehn Minuten zu kürzen, dann mussten wir noch passende Schnittbilder finden, dazu gehört sehr viel Archivarbeit. Ja und dann eben das Zusammenfügen…da ist es wichtig, dass alles flüssig ist.

Wie fand deine Oma es, dass ihr einen Film über sie machen wolltet?

Mathilda: [lacht] Als ich sie fragte, ob sie dazu Lust hätte, meinte sie nur: „Die kennen mich ja eh alle nicht, also ist es mir egal“. Ich denke sie fand es ganz ok, sie hat sich sehr über das Ergebnis gefreut.

Wie findet ihr die Veranstaltung „Take One“ generell?

Lisa-Maria: Ich finde es sehr cool, das junge Leute die Chance haben Filme zu machen und diese dann auch vor einem Publikum zu präsentieren. Und es war sehr interessant die verschiedenen Umsetzungen zu sehen. Auf manche Themen wäre ich nie gekommen…

Raphael: Ich finde es sehr schön, dass auch bei uns in Tirol solche Dinge auf die Beine gestellt werden. Das ist ja eine Menge Arbeit und ich finde es toll, dass junge Leute sich die Zeit nehmen so etwas zu veranstalten.

Wie habt ihr euch gefühlt, als euer Film auf der Leinwand gezeigt wurde?

Mathilda: Einfach stolz. Auf unseren Film und meine Oma, dass ich eine so tolle Frau in meinem Leben habe. Sie hat so viel erlebt und es war sehr berührend ihre Geschichte anderen zu zeigen.

Lisa-Maria: Nach der ganzen Zeit, die man in den Film investiert hat, ist es etwas ganz Besonderes nominiert zu werden und ihn dann auf der Leinwand zu sehen ist einfach…einfach unglaublich. Besonders spannend fand ich es, die Zuschauer zu beobachten, wie reagieren sie und so weiter.

Raphael: Das ist immer ein schönes Gefühl. Es freut einen, wenn man mit seinem Projekt Leute erreichen kann und wenn sich dann einige zu diesen Thema Gedanken machen, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Danke für das Interview und gratuliere für die Nominierung!

Raphael: Vielen Dank.


Fotos: Raju Löffelholz

Share this Post

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*