Rauchzeichen – Ich wäre gerne länger einer deiner Momente

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Eine Darstellung, die von mehr erzählt als dem Rauchen. Dreiecksbeziehungen und Alltagstrott, Leidenschaft und das über-den-Garten-hinausschauen fanden letzten Donnerstag im Bogentheater auf der Bühne ihren Platz. Und obwohl der Rauch nur als Metapher immer wieder durch den Raum wabert, macht dieses Theaterstück süchtig auf mehr.

„Mein Garten, dein Garten“

Treffpunkt: Bogentheater um 20 Uhr. Wir machen es uns mit einem Gläschen Rotwein im Theaterraum gemütlich, plaudern noch ein wenig und inspizieren das Ambiente.

Das Bühnenbild ganz minimalistisch, dekoriert mit Gegenständen, die mit Neonstoff umwickelt oder befüllt wurden. Und dann fängt das Stück auch schon an und plötzlich befinden wir uns in Eva’s schönem Garten. Eva, eine hingebungsvolle Ehefrau, spricht viel von ihren Gefühlen. Sie lebt ganz für ihren Paul. Und Paul lebt ganz für seine Romane. Er ist nämlich Autor und spricht ganz viel von Ideen. Die braucht man nämlich, um gute Romane zu verfassen.

Die beiden leben ihren Alltag, bis eines Tages Marianne mit ihren Stöckelschuhen im gepflegten Garten steht. Marianne, eine Kindheitsfreundin von Paul, bringt gleich eine Ladung Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Kindes-Neugierde mit. Damit bringt sie so einiges der vertrauten Idylle des Paars zum Wanken. Eva gefällt das gar nicht. Auf einmal muss sie auf großzügige Gastfreundin tun, wo es doch Pauls Freundin ist und NICHT ihre. Und auf einmal muss sie ihr schönes Paradies mit dieser Marianne teilen. Ganz nach dem Motto „Mein Garten, dein Garten“. Aber es dauert nicht lange und Paul findet das Ganze mit Marianne auch nicht mehr so toll. Denn plötzlich soll über das Rauchen abgestimmt werden, wo er doch immer geraucht hat. Immer wenn er traurig ist und immer, wenn er glücklich ist.

Paul, der den Rauch der Zigaretten stets als Metapher für seine Liebe zu Eva sieht, muss mit Entsetzen dabei zusehen, wie sich sein gewohntes und geliebtes Umfeld verändert. Denn Eva hat der Versuchung nachgegeben und kostet den Apfel, den Marianne ihr anbietet. Und er schmeckt nach Freiheit.

Ideen haben auch Gefühle.
-Eva (Lisa Michelle Koller)

Die Darsteller Lucas Lazarus, Alica Sysoeva und Lisa Michelle Koller

Von Sir Walther Raleigh und der Raucherdebatte im Wirtshaus

Als wir uns nach dem Schauspiel mit dem Verfasser des Textes, Matthias Baltauf über sein Stück unterhalten, erfahren wir so einige interessante side-facts.

„Eigentlich wollte ich eine Geschichtsschreibung über die Herkunft von Tabak schreiben“, erzählt er uns. Denn die Idee zu diesem Werk bot ihm die Anekdote über Sir Walter Raleigh (ein damaliger Alchemist), der im Auftrag der Queen I. den Rauch von Tabak wiegen sollte. Raleigh nahm diese Aufforderung an und bat die Queen um eine kleine, feine Waage. Er nahm sich seine Pfeife und wog den Tabak, vor und nachdem er geraucht hatte, ab. Die Differenz dieser beiden Tabak-Gewichte benannte er vor Augen der Queen als das eigentliche Gewicht des Rauchs. Die Queen war begeistert.

Aus dieser Inspiration entstand dann ein Theaterstück, das eine Metapher zur aktuellen Raucherdebatte darstellt. Es geht um die Dreiecksbeziehung des Wirts, des Rauchers und des Nichtrauchers. Plötzlich ist da der Nichtraucher im Gasthaus und plädiert dafür, das Rauchen zu verbieten. Sogleich bekommt es der Wirt mit der Angst zu tun. Wird er dadurch nicht die Raucher als Wirtshausbesucher verlieren?

„Auch mir bricht der Rauch die Zunge meiner Seele.“
-Eva (Lisa Michelle Koller)

Das Stück ist voller tiefgreifenden Metaphern und versteckten Anspielungen

„Ihr müsst über den Garten hinaus wachsen. Nehmt euch ein Beispiel am Baum: Er hat seine Wurzeln im Garten. Aber seine Äste ragen bereits über den Gartenzaun hinaus.“
-Marianne (Alica Sysoeva)

Das Stück berichtet von der Schönheit der Freiheit. Man braucht keine Angst vor ihr zu haben. Uns hat an diesem Schauspiel sehr gut gefallen hat, dass es voller tiefgreifender Metaphern und versteckter Anspielungen war. Dadurch, dass es ständig zum Überlegen anregt, bleibt die Spannung kontinuierlich. Außerdem mussten wir zu unserem Erstaunen feststellen, dass es an vielen Passagen mit sehr trefflichem Humor ausgeschmückt war.

Wir können allen Mitwirkenden zu dem gelungenen Stück gratulieren.

Wenn ihr auch süchtig auf mehr geworden seit, dann könnt ihr euch gerne die Vorstellung von innversion an folgenden Tagen ansehen:

-11. Dezember

-13. Dezember

-15. Dezember

-18. Dezember

-20. Dezember

Reservierungen gibt es hier

Tickets kosten 12 – 14€

Bilder von innversion, Text von Sarah Schurian und Julia Gmeiner.

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