Hanf am Innsbrucker Christkindlmarkt. Viel Rauch um Nichts?

Lucas Brand/ Dezember 13, 2019/ Genial

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Der Stand des CBD Innsbruck ist am Christkindlmarkt in aller Munde. Die Diskussionen darüber werden bestimmt durch die Frage, ob der Verkauf von Cannabidiol (CBD), ein Hanfprodukt, unter anderem zum Rauchen, als zeitgemäße Entwicklung oder als Verfall von Tradition einzustufen ist. Die Zeitlos war vor Ort und hat nachgefragt. Wie kommt das bei den Leuten an und was sagt der Eigentümer Christoph Wopfner dazu? Verteufelung und deplatziertes Dasein oder Wandel der Zeit?

Neugierde vs. Abneigung

Eine Umfrage in der Maria-Theresien-Straße sollte Aufschluss darüber geben. Der allgemeine Tenor, es gibt keinen. Die Thematik teilt sich in drei Lager und spaltet die Gemüter. Generell könnte man sagen, junge Leute sind der Veräußerung von CBD, deklariert als „Aromaprodukte“, aufgeschlossener als alte konservative. Dazwischen rangieren die Unentschlossenen, immer vorsichtigen, mit Hang zum gemäßigten Gewagten, vielleicht Verruchten, wenn es keiner sieht. Irgendwie interessiert es sie aber, das war ihnen anzumerken. Aussagen wie: „Davon habe ich schon gehört“ und „das hilft doch gegen Schmerzen“ flankierten die durchdringende Neugierde der Befragten. Offenbar wusste die Mehrzahl der Leute, dass dort drüben in diesem Stand, wo sprichwörtlich der Rauch aufgeht, etwas vor sich geht, das es in derartiger Form an einem Christkindlmarkt noch nicht gab. Ob dies nun Segen oder Fluch bedeutet, wussten die meisten selbst nicht so genau. Was die Skeptiker unter den Befragten wussten, es handle sich dabei um Hanfprodukte. In einigen Fällen reichte das, um weitere Fragen und Diskussionen zu unterbinden. „Damit möchte ich nichts zu tun haben, Dankeschön und Wiedersehen“, so der Redensführer einer Gruppe mittleren Alters. Der Eigentümer des CBD Innsbruck, Christoph Wopfner erklärt sich die Skepsis mancher aufgrund der Stigmatisierung des Hanfblattes und der Hanfprodukte als illegale Droge. „Dieses negative Bild wurde über Jahrzehnte in unserer Gesellschaft vorangetragen“. Wopfner betont darauf, dass er ausschließlich „Aromaprodukte“ verkaufe und „keine Einnahmeempfehlungen ausgebe.“

CBD im Straßenverkehr

Okey, aber was ist nun dieses „Aromaprodukt“ das die Gemüter glühen lässt? Eine genaue Beschreibung findet ihr hier. Es sieht aus, wie das grüne Zeug aus unzähligen Music Videos, es riecht danach und man kann es rauchen. Bist du es vielleicht doch, mein Anker der Langeweile, meine Gesellschaftsrebellion im Geheimen? Mitnichten! Cannabidiol ist im Unterschied zu THC, ein nicht psychoaktives pflanzliches Produkt des weiblichen Hanfs. In der EU ist es als verschreibungspflichtiges Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel aufgelistet – nicht aber als Betäubungsmittel. Der Verkauf unter der Klassifikation „Aromaprodukt“ ist legal. Eine „Up in Smoke Kur“ sozusagen.  Wopfner selbst sagt, dass er „keinerlei Verzehrungsempfehlungen oder dergleichen gebe, dann wäre es illegal. Was die Leute jedoch damit zuhause machen kann ich nicht kontrollieren und ist auch nicht meine Angelegenheit“. Also ähnlich dem hochprozentigen Alkohol, wie beispielsweise Stroh 80, ist der Verkauf legal. Ob man sich nun einen Schuss davon in den Tee kippt, oder die ganze Flasche mit dem besten Kumpel ext, bleibt Charakter Sache. Ganz nach dem Motto: „A bsoffene Gschicht“ geht nur mich und die „schoafe Russin“ etwas an. Letzten Endes wie bei so vielem, die Dosis macht das Gift. Auf die Frage, wie man nun bei CBD Konsum mit der Verkehrstauglichkeit umgehe, weiß Wopfner im ersten Moment keine Antwort zu geben. Prinzipiell rät er aber von der Einnahme CBD-haltiger Produkte vor dem Lenken eines Fahrzeuges ab. „Ich würde mich nicht hinters Steuer setzen, da CBD müde machen kann.“ Dem Cannabidiol wird also eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. „CBD ist nicht psychoaktiv daher auch legal“, so Wopfner. Gesetzlich festgelegte Grenzwerte im Straßenverkehr, wie beim Alkoholkonsum, gibt es nicht.

Indica Jones und der erste Kreuzzug

Auch die Medizin findet immer mehr Interesse an der Erforschung von Cannabidiol. Einzelnen Probandenstudien zufolge soll CBD gegen Multiple -Sklerose (MS) und psychosomatische Erkrankungen wirksam sein. Wopfner dazu: „Es gibt medizinische Studien die MS heilen können. Für ein medizinisches Gutachten benötigt es aber noch Langzeitstudien“. Diese sind jedoch aufgrund des recht jungen Forschungsinteresses der Medizin an CBD noch nicht ausreichend vorhanden. Diese positive Wirkung des CBD auf das neurale Nervensystem lockt vermehrt ältere Generationen an Wopfner`s Stand.  Ältere Damen, als Gruppe formiert, Schulter an Schulter, die eine hinter der anderen fast so als wären sie auf einer geheimen Mission, sind ihm die Liebsten. „Die sind so nett und irgendwie herzig“, so Wopfner. Nur gelegentlich vernimmt man ein „Die Hascher scho wieder“ im Hintergrund der städtischen Soundkulisse, führt der Ladenbesitzer weiter aus. „Die sind aber einfach uninformiert“ und damit vielleicht die eigentlichen Fehlplazierten, sagt Wopfner.

Der Stand des CBD Innsbruck mit den Verkäufer*innen, Christoph Wopfner und seine Tante

Was ist (schon) Tradition?

Die Umfrage der Zeitlos hat gezeigt was Christoph Wopfner damit andeutet. Nicht jeder Gast des Innsbrucker Christkindlmarktes ist glücklich darüber, dass CBD (in) Innsbruck mit einem Stand vertreten ist. Dabei reiht sich das Produkt, rein objektiv, gut in die dargebotenen Verkaufsstände der Maria-Theresien-Straße. Mineral-Gestein fürs persönliche Chakra, ätherische Öle für die innere Balance oder selbstgestrickte Socken. Eine esoterisch angehauchte Orientierung der Stände in der Maria-Theresien-Straße ist nicht von der Hand zu weisen. Dazu gesellt sich das „Aromaprodukt“ -Konzept Wopfner`s. Über CBD echauffiert es sich jedoch leichter als über Mineralien und Socken. Er selbst vertritt einen relativ pragmatischen Zugang zur Traditionsthematik des Christkindlmarktes. „Wir (die Verkaufsstände) wollen einfach nur unsere Produkte verkaufen. Außer der Wohlfarth, mit eigenem Stand, verkauft hier niemand Christbaumkugeln.“ Der Weihnachtsmarkt verschafft ihm die notwendige Öffentlichkeit seinen Betrieb und Versandt in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. „CBD muss raus aus dem dunklen Dickicht der Stigmatisierung“, sagt Wopfner. Und der gute, alte Glühweinstand, gefühlte zehn an der Zahl? Der muss bleiben, denn „I hab zwar nix gegen des Kraut (Ann. CBD) aber a Glühwein wär ma lieber“, so die Aussage eines Passanten. Gekotzt wird halt immer – beschreibt aber ziemlich genau den vorherrschenden Tenor derer, die sich „morgens, halb 10 in Österreich“ vor dem Glühweinstandl einfinden.

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