#öhwahl2019 // Interview mit den SpitzenkandidatInnen Felix Meisl und Elisabeth Ebli (GRAS)

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Von 27. bis 29. Mai 2019 finden die ÖH-Wahlen statt. Da Wahlbeteiligung wichtig und wünschenswert ist, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Innsbrucks Studierende darüber genauestens zu informieren. In den nächsten Tagen stellen wir euch in mehreren Artikeln und Interviews die verschiedenen Fraktionen und den generellen Ablauf der Wahlen vor. Heute haben wir ein Interview mit dem Spitzenteam der Grünen und Alternativen Student_Innen (GRAS) für euch: Felix Meisl und Elisabeth Ebli.

Die Zeitlos: Für was steht ihr und was wollt ihr verkörpern?

Elisabeth: Wir stellen uns grundsätzlich klar gegen jede Form von Diskriminierung, sei es aufgrund von Nationalität, Geschlecht oder Sexualität. Alle Studierenden sollten die gleichen Rechte haben. Dazu gehört auch, dass wir uns für eine feministische Hochschule stark machen. Natürlich ist gerade in Zeiten von Fridays for Future und anderen Bewegungen das Umweltthema wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Hier wollen wir auch anknüpfen, da irgendwann die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr zu leugnen sein werden

Felix: Darüber hinaus stehen wir für eine politische ÖH und eine politische Universität ein, die kritisches Denken anregen möchte und menschenverachtende Maßnahmen nicht unterstützen will. Wir befinden uns in einer Zeit des politischen Umbruchs, wir hatten hier in Österreich bis vor Kurzem eine schwarz-blaue Regierung. Wir haben gesehen, dass ÖVP und FPÖ gemeinsam versuchen, massiven Einfluss auf die Meinungsbildung in unserem Land zu nehmen. Das wollen wir verhindern. Daher fordern wir eine freie und faire Universität und insbesondere ein kritisches Studium, in dem für Studierende genug Platz ist, sich selbst Gedanken über die großen und kleinen Dinge zu machen.

Wo seht ihr die aktuellen Probleme an der Universität?

Elisabeth: Wir haben hier in Innsbruck seit einiger Zeit eine Art „politischen Stillstand“, da die AG derzeit die absolute Mehrheit in der ÖH hat und sie auch wegen ihrer Nähe zur ÖVP nicht die Werte und Themen vertritt, die wir für sinnvoll halten, also beispielsweise das Umwelt- und Feminismus-Thema. Das sind Themen, um die sich Studierende Sorgen machen. In diesen Bereichen wollen sie Veränderungen sehen. Stattdessen wird die ÖH von der AG entpolitisiert. Das bringt uns wieder zurück zu unserer Forderung nach einer freien Uni.

Felix: Dringender Verbesserungsbedarf besteht auch bei den Lebens- und Lernbedingungen der Studierenden. Wer einmal mittags durch das Geiwi-Gebäude gelaufen ist, weiß, dass es definitiv nicht genügend Lernplätze gibt. Auch die Hauptbibliothek sollte 24 Stunden geöffnet sein, damit man auch am Wochenende abends lernen kann. Ein weiteres Problem sehen wir darin, dass es kaum Platz für Kommunikation gibt. Der universitäre Alltag lebt doch gerade davon, dass verschiedenste Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Dinge hinterfragen. Eine Lösung dafür wäre zum Beispiel die Umgestaltung des Geiwi- und Technik-Campus-Vorplatzes, sowie die Schaffung von Ausruh- und Begegnungsmöglichkeiten. Weiters wollen wir eine Stärkung des interdisziplinären Bereichs: Studierende sollten die Möglichkeit haben, mehr Wahlfächer belegen zu können. Und natürlich steht auch das Thema „Wohnen“, das in Innsbruck ja ein großes Problem darstellt, im Fokus. Da setzen wir uns für die Mietzinsbeihilfe ab Tag eins unabhängig vom Einkommen der Eltern und einen gratis Nahverkehr für Studierende ein und wollen langfristig erwirken, dass WG-Zimmer im Schnitt nicht mehr als 350€ im Monat kosten.

Kurz zusammengefasst: Was sind eure Hauptthemen?

Elisabeth: Auf jeden Fall ist „Wohnen“ ein großer Block, gerade mit der Forderung, dass WGs leistbar und der Nahverkehr kostenlos sein sollen. Dann ist uns natürlich eine nachhaltige und plastikfreie Uni wichtig und die vorher angesprochene Steigerung der Lebensqualität.

Felix: Eine Forderung, die wir bis jetzt noch gar nicht angesprochen haben, ist, dass wir ein Grundstipendium für alle Studierenden in der Höhe von 850€ wollen. Das ist so etwas wie das bedingungslose Grundeinkommen. Wir denken einfach, dass es hier ganz stark darum geht, die soziale Kluft zu überwinden und allen die Möglichkeit zu geben, den Zugang zur Universität zu finden. Gerade weil Bildung ja bekanntlich die beste Maßnahme ist, um aus einer prekären Lebenssituation herauszukommen.

Elisabeth: Viele können es sich auch einfach nicht leisten, neben ihrem Vollzeitstudium zu arbeiten. Diese Forderung bedeutet ein radikales Umdenken in der bisherigen Bildungspolitik. Daher stehen wir in enger Verbindung mit der GRAS auf Bundesebene, da dieses Vorhaben auf der nationalen Ebene umgesetzt werden muss.

Inwieweit würdet ihr euch zu den Grünen zählen? Gibt es Punkte, wo ihr euch bewusst von der Partei differenziert?

Elisabeth: In Innsbruck hat die GRAS wirklich den Raum, um sich einzubringen. Wir sind nicht konfliktscheu und machen nicht nur das, was unsere Partei gut findet. Wenn die Grünen-Politik jetzt so nicht stimmt und nicht studienfreundlich genug ist, dann arbeiten wir nicht aktiv dagegen, sondern bringen konstruktive Kritik ein, die dann auch Gehör findet. Ich glaube auch, es ist ganz wichtig zu sagen, dass wir natürlich grünennahe sind und viele grüne Prinzipien vertreten. Zeitgleich sind jedoch die Interessen der Studierenden unsere höchste Priorität.

Felix: Es ist Grundsatz Nr. 1, dass wir inhaltlich unabhängig sind. Aber wir werden natürlich genauso von den Grünen finanziert, wie die AG von der ÖVP finanziert wird und das leugnen wir auch nicht. Da unser Budget allgemein kleiner ist, ist auch unsere Abhängigkeit eher geringer. Wir leben eben davon, dass wir mit Leuten in Kontakt stehen und unsere Politik eine Zukunftsperspektive transportiert.

Was wollt ihr den Studierenden mitgeben?

Felix: Setzt euch dafür ein, dass die Zukunft ein Stück besser ist als die Gegenwart gerade! Wir stehen momentan vor großen Herausforderungen. Habt keine Angst, politisch aktiv zu werden und versucht, die Parteienscheu abzulegen. Denkt daran, dass wir wirklich etwas verändern können. Gerade bei Bewegungen wie Fridays for Future sieht man, dass die Medien nur auf so eine Protestbewegung gewartet haben. Es gibt Menschen, die uns unterstützen, wenn wir einen Wandel fordern und es ist an uns, das Jetzt kritisch zu hinterfragen und den Weg in eine bessere Zukunft einzuschlagen.

Bild/Infobox: Pauline Tagwerker

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