Weil man uns die Zukunft klaut

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Trotz Regens ist eine beeindruckende Zahl junger Menschen dem Aufruf der Fridays-for-Future-Bewegung, nach dem Vorbild Greta Thunbergs, gefolgt: Dem weltweiten Klimastreik am gestrigen Freitag, 15.März, schlossen sich in Innsbruck rund 4000 Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten an.

„Wir sind hier. Wir sind laut. Weil man uns die Zukunft klaut!“ Bereits um 10 Uhr morgens ist die Maria-Theresien-Straße erfüllt von den Rufen junger Protestierender. Mit bunten Regenschirmen trotzen sie dem Regenwetter, viele haben Plakate mit Aufschriften wie „Save our future“, oder „There’s no PLANet B“ mitgebracht.

Die Polizei spricht von 4000 Teilnehmern, die Veranstalter gehen von 8000 aus.

Die Stimmung ist ausgelassen, auch wenn die Jugendlichen aus ernstem Grund streiken. Sie sehen ihre Zukunft durch die Untätigkeit von Politik und Wirtschaft in Bezug auf den Klimawandel bedroht. Die Teilnehmer sind selbstbewusst, sie wissen, dass ihre Demonstration gehört und gesehen wird und hoffen auf wirkliche Veränderungen.

Auf Plakaten bringen die Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen zum Ausdruck.

„Für eine bessere Welt in der Zukunft“ und aus Umweltbewusstsein sind Felix und seine Freunde (6. Klasse) statt in die Schule auf die Straße gegangen. Aus ähnlichem Grund demonstrieren auch Leopold und Sebastian (10. Klasse) zum ersten Mal: „Weil wir uns gemeinsam mit allen anderen Schülerinnen und Schülern für das Klima einsetzen wollen. Wir hoffen, dass nicht nur die Stadt reagieren wird, sondern auch im weiteren Sinne ein größeres Umdenken stattfindet.“

Im Bürgermeisterbüro kamen die Rufe der Demonstrantinnen und Demonstranten jedenfalls an. Georg Willi, Innsbrucks Bürgermeister, zeigt sich im Gespräch mit dem Studierendenmagazin Die Zeitlos positiv überrascht: „Dass so viele Leute da sind, freut mich extrem.“ Vor allem im Bereich Hausbau und Verkehr setze seine Stadtregierung bereits auf grüne Lösungen. Doch er weiß auch: „Veränderung ist immer mühsam.“ Und so appelliert er an die Jugend: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen und für das eintreten, was für eure Zukunft wichtig ist. Unser Problem ist, dass die Entscheider von heute, das, was sie entscheiden, oft gar nicht mehr erleben. Ihr müsst mit unseren Entscheidungen leben und daher sollten die Entscheidungen von heute in eurem Sinne fallen.“

Auch die Veranstalterinnen und Veranstalter vom Verein Fridays for Future Innsbruck geben sich zuversichtlich: „Wir haben sehr positives Feeback erhalten und sind stolz darauf, dass wir so viele Menschen erreicht haben. Wir glauben, dass dadurch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt wurde, es mit mehr Bedacht behandelt wird und dass Politikerinnen und Politiker jetzt Stellung dazu beziehen. Wir streiken auf jeden Fall standhaft weiter, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen und hoffen, dass Maßnahmen getroffen werden.“

Die Ansprache zu Beginn der Demonstration geht in den lauten Protestrufen unter.

Ob die Fridays-for-Future-Bewegung ein Impuls für ein weitreichendes gesellschaftliches Umdenken sein kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Zumindest die junge Generation hat die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz erkannt. Wie ein Student im Demonstrationszug anmerkt: „In der jetzigen Politik, da sitzen so viele alte Leute drin, da wird sich nicht so viel ändern. Aber es geht darum, dass die Leute, die jetzt auf die Straße gehen, in der Zukunft dieses Mindset haben und die Dinge anders machen, wenn sie an der Macht sind.“

Greta Thunberg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollen darauf nicht warten. Für sie steht fest: Um die Klimakatastrophe zu verhindern muss jetzt gehandelt werden.

Gegen 11 Uhr setzt sich der Demonstrationszug in Richtung Landesmuseum in Bewegung. Begleitet werden die Protestrufe von der Musik des Street Noice Orchestras.


In mehr als 100 Staaten protestieren junge Menschen für ihre Zukunft.
„Kinder haben eine Unschuldsvermutung, man vermutet hinter Kindern nicht Schlimmes. Und die Kinder sind die, die am meisten davon betroffen sein werden“ , merkt ein Vater am Rande der Demonstration an.

Bilder: Moritz Jelting

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