Kannst du mir die Zeit töten? – Ein Theaterstück von SoliArts

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Am 07.03.2019 fand die Premiere des Theaterstückes „Kannst du mir dir Zeit töten?“ im BRUX (Freies Theater Innsbruck) statt. Das Innsbrucker Theaterkollektiv SoliArts unter der Leitung von Sarah Milena Rendel präsentiert in diesem Stück auf iriitierend-amüsante Weise die Themen Sehnsucht, Suizid und (Selbst-) Suche.

Teletubbies. Das ist meine erste Assoziation, als ich etwas zu spät in den dunklen Theatersaal im BRUX Theater komme. Auf der hell erleuchteten Bühne sitzen vier Frauen nebeneinander auf kleinen Camping-Hockern. Sie sind jeweils einheitlich in rot, blau, weiß und gelb gekleidet, und beginnen zu reden.

„Kein Popcorn ist das Schlimmste am Kopfkino!“

„Irgendetwas gibt es immer.“

„Ich hasse meinen Terminkalender mehr als öffentliche Toiletten.“

Eine Handlung? Fehlanzeige. Interaktionen? Gespräche? Fehlanzeige. Sätze allein sind es, die man hört. Zwar lassen die Stimmlagen der Sprecherinnen vermuten, dass es sich um eine Unterhaltung handelt, aber ohne jeden Sinn und ohne jeden Zusammenhang. Das verwirrt.

Manchmal stehen andere Dinge im Vordergrund.

Auf der Bühne sind am Boden weiße Linien aufgeklebt, die am hinteren Ende zusammenlaufen, was den ganzen Raum perspektivisch macht. Anfangs bewegen sich die vier Schauspielerinnen mit den Hockern nur entlang dieser Linien, später geht es auch kreuz und quer, mal in den hinteren, mal in den vorderen Bühnenbereich.

„Ich möchte sterben.“

„Ich bin tot.“

„Ich schau‘ mir nur Bilder in Zeitungen an.“

„Es ist so einfach, scheiße zueinander zu sein.“

Kannst du mir die Zeit töten? ist an das Stück Gier“ von Sarah Kane angelehnt. Sie war die Erste, die ein Theaterstück schrieb und präsentierte, das weder Handlung noch zusammenhängenden Sinn braucht. Fünf Monate lang hat Sarah Milena Rendel, Obfrau des Vereins SoliArts, an dem Text für das Stück geschrieben; weitere fünf Monate dauerten die Proben.

Es wird wild.

Denn ob die vier Personen nun die verschiedenen Gedanken in einem einzigen Kopf darstellen oder ob sie für sich als Personen stehen und jede ihren eigenen Weg sucht, ist nicht erkennbar. Aber die Suche nach Sinn, Wahrheit, dem Leben und die Sehnsucht zieht sich wie ein roter Faden durch das eineinhalb Stunden lange Theaterstück. Es ist tiefsinnig, irre und völlig banal in Abwechslung – eigentlich doch genau wie das Leben.

Und so verlasse ich den dunklen Keller des Audioversums (in dem sich das BRUX Theater befindet) in Gedanken versunken an die Suche nach dem Sinn des Lebens, der Sehnsucht nach dem Leben oder der Wahrheit. Aber was ist die Wahrheit eigentlich?

Dass es angefangen hat zu regnen, merke ich erst, als ich schon fast zu Hause bin.

Kopfkino eben.

Ohne Popcorn.


Das wirklich empfehlenswerte Theaterstück kann man noch an folgenden Tagen im BRUX Theater unter dem Audioversum in der Wilhelm-Greil-Straße auf sich wirken lassen:

  • 16.03.2019, 20:00 Uhr, 12€
  • 17.03.2019, 20:00 Uhr, 12€

Fotos: Sarah Milena Rendel/SoliArts

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