Campus Tirol Motorsport: E-Mobility, Motorsport und junge Inspiration vereint

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Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb, bei dem Studierende verschiedener Universitäten mit selbst entwickelten Autos antreten. So setzen sich motivierte, junge Köpfe mit einer vielversprechenden Zukunftstechnologie, der Elektromobilität, auseinander. Dabei entwickeln sie nicht nur ihre technischen und mechanischen Kompetenzen weiter, sondern sammeln Erfahrungen in den Bereichen Business Administration, Marketing und Teamwork. Im Jahr 2016 hat sich in Innsbruck ein Team gebildet, das in naher Zukunft an den Rennen von Formula Student teilnehmen möchte: Campus Tirol Motorsport, ein 30-köpfiges Team, das Elektrorennwagen selbst designt, konstruiert und fertigt. Die Rennen von Formula Student werden die Mitglieder natürlich selber fahren. Eine Redakteurin von Die Zeitlos hat Lukas Dür, den Obmann und Mitgründer von Campus Tirol Motorsport e.V., in der Werkstatt des Vereins getroffen.


Formula Student – mehr als Formel 1 für Studenten

Bei der Formel 1 werden Autorennen gefahren. Jeder Rennfahrer strebt dabei den Sieg an. Formula Student ist hingegen kein reiner Renn- sondern eher ein Konstruktionswettbewerb. Ursprünglich kommt Formula Student aus den USA und wurde dort 1981 zum ersten Mal veranstaltet. Mittlerweile finden jedes Jahr acht dieser Wettbewerbe statt, vier davon in Europa. Dabei treten Teams verschiedener Universitäten in acht Disziplinen gegeneinander an. Die Fahrzeuge werden in die Kategorien „Verbrennungsmotor“ oder „Elektroantrieb“ eingeteilt und getrennt bewertet. Lukas Dür erklärt: „Die Grundidee der Formula Student ist es, einen Prototyp herzustellen, den man an Kunden, die im Bereich Motorsport tätig sind, verkaufen könnte“. Im Gegensatz zur Formel 1 werden bei der Formula Student Punkte auch für die Konstruktion des Autos vergeben. Außerdem spielen die Effizienz des Fahrzeugs beim Langstreckenrennen, das zweiundzwanzig Kilometer misst, bei der Bewertung eine wichtige Rolle. Bewertet werden statische und dynamische Disziplinen. Erstere beziehen sich auf das Projekt. Dabei werden unter anderem Punkte für das Präsentieren des eigenen Projekts vergeben. In zweitgenanntem, den dynamischen Disziplinen, fährt jedes Team vier Rennen: Autocross, ein 1,5 Kilometer langer Sprint und Kriterium, um sich für die nächste Disziplin zu qualifizieren. Endurance ist das Langstreckenrennen, bei dem es bereits eine Herausforderung ist, mit E-Antrieb die Ziellinie überhaupt zu überqueren. Sieger in Efficiency ist das Team, dessen Auto beim Langstreckenrennen am wenigsten Energie verbraucht. Die volle Beschleunigung aus dem Stand wird in der Disziplin Acceleration gemessen. Manche Fahrzeuge beschleunigen von 0 auf 100 km/h in weniger als 2 Sekunden. Zuletzt wird das Fahrwerk in Skid Pad bewertet, wobei eine liegende Achterschleife je zwei Mal im und gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Seit 2016 arbeitet auch das Campus Tirol Motorsport-Team daran, sich bald mit der Konkurrenz „TU Fast München“, „GreenTeam Uni Stuttgart“ und anderen zu messen. Natürlich will jedes Mitglied selbst an den Start gehen. „Wer das Rennen fahren darf, machen wir vorher auf der Kartbahn aus. Dabei wird berücksichtigt, wie viel Zeit jemand in das Projekt investiert hat“, so Lukas Dür.



Das Team des Campus Tirol Motorsport

Gegründet wurde Campus Tirol Motorsport am Institut für Mechatronik im Herbst 2016. Nachdem sich Bachelor- und Master-Studenten verschiedener Studienrichtungen beworben haben, entstand schnell ein etwa 30-köpfiges Team. Später wurden sie zu einem eigenständigen Verein. „Am Anfang war es eine große Herausforderung, das Team zu koordinieren. Jeder brauchte eine Aufgabe, da sich jeder engagieren wollte.“, so der Obmann und Mitgründer Lukas Dür. Zu Beginn gab es noch keine Strukturen, auf die die Studenten zurückgreifen konnten. Darüber hinaus hat keiner aus dem Team vorher an der Konstruktion eines elektrischen Autos mitgearbeitet. Ab Oktober wird das Projekt von einem Aufsichtsrat unterstützt. Dieser besteht aus Vertretern der Universität Innsbruck, der Privaten Universität für Medizinische Informatik und Technik, der Fachhochschule Kufstein und des Management Centers Innsbruck. Unterstützung erhält Campus Tirol Motorsport von relevanten Fachbereichen derer Instituten. Die Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, um durch Sponsorengelder, Schrauben, Werkzeug, Computer und weiteres Material zu beschaffen. „Am Anfang hatten wir nicht mal einen Schraubenzieher. Teilweise wussten wir nicht einmal, wo wir bestimme Schrauben herbekommen. Es hat eine Weile gedauert bis wir die Basis des Teams und Kontakte zu Firmen aufgebaut hatten“, so Lukas. Mittlerweile sehen zahlreiche große Unternehmen das Projekt als Chance, talentierte Studenten nach dem Studium zu rekrutieren, denn E-Mobility ist ein Thema der Zukunft. Damit die Ideen nicht ausgehen, heißt Campus Tirol Motorsport neue Mitglieder, Frauen eingeschlossen, gerne Willkommen. Innovation lebt von den Ideen aus den Köpfen von Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Zukunftsperspektiven und Motivationen. All das ist notwendig, um an der Weiterentwicklung von E-Mobility zu arbeiten. Man könnte meinen, Campus Tirol Motorsport bestehe ausschließlich aus Mechatronikern, Ingenieuren und Menschen, die Abschlüsse in ähnlichen technischer Bereichen gemacht haben. Tatsächlich ist der Verein jedoch in vier Bereiche unterteilt: Chassis/Aerodynamics, Suspension, Powertrain/Electronics und Business Administration. Wer sich in letzterem Tätigkeitsfeld engagiert, ist zum Beispiel verantwortlich für die Beziehungen zu den Sponsoren, die Erneuerung der kreativen Werbemappe oder beteiligt sich an der internen Organisation des Teams.



Fortschritte des Campus Tirol Motorsport

In der Werkstatt von Campus Tirol Motorsport sieht man den aktuellen Status quo des Autos, das komplett mit einer CAD-Software entworfen wurde, auf einem Bildschirm. Die Daten liegen dabei auf einem Server, sodass jedes Teammitglied den neuesten Stand von seinem eigenen Computer aus abrufen und weiterbearbeiten kann. Daneben liegen Stahlverkleidungen für die Motoren, die mit einem 3D-Drucker gefertigt wurden. An einem anderen Tisch findet man eine Steuerung des Autos, die das Team selbst entwickelt hat. In einem speziellen Raum werden Teile gelagert, die Feuer fangen oder unter falscher Bedienung einen Stromschlag verursachen können. Im Jahr 2017 haben sie bereits ihren ersten Rennwagen vorgestellt. Angefangen hat das Team mit der Entwicklung eines Konzepts für ihren mit Elektrizität angetriebenen Rennwagen. Daraus haben sie die technische Konstruktion entwickelt: Ein Rennwagen mit Elektro Allrad Antrieb und vier Motoren. Entstanden ist das Modell e01, welches im August 2017 seinen ersten offiziellen Auftritt am Red Bull Ring hatte. Im Oktober desselben Jahres haben die Mitglieder von Campus Tirol Motorsport das Fahrzeug in Innsbruck der Öffentlichkeit vorgestellt. Allerdings ist nicht alles problemlos verlaufen. Obwohl das Auto mechanisch fertig war, wurde die Elektronik nie eingebaut. „Wir mussten das Auto leider wieder auseinanderbauen, bevor es richtig fertig war. Aus zeitlichen und materiellen Gründen haben wir die Ressourcen aus der Fertigstellung des e01 geschont. Man muss bedenken, dass die Komponenten aufwändig durch Sponsoren finanziert wurden. Deswegen sehen wir uns verantwortlich, diese sinnvoll einzusetzen. Letztendlich haben wir uns dazu entschieden, mit den vorhandenen Ressourcen und den gewonnenen Erkenntnissen des ersten Modells eine neue Konstruktion auszuarbeiten. Dabei sollen Kinderkrankheiten beseitigt werden und eine konstruktivere Basis für mehrere Saisons entwickelt werden“ Lukas fügt hinzu, dass einen jedes neue Projekts vor spezielle Herausforderungen stellt. Gerade entsteht das e02 aus dem Vorgängermodell, das das Team nach langem Überlegen in seine Einzelteile zerlegt hat. Eine der Hauptänderungen war ein vergrößerter Rahmen, um Platzprobleme für Kabel, Kühlung und andere Komponenten zu lösen. Außerdem wird das Auto mit komplett neu entwickelten Akkupacks auf Basis der Zellanordnung aus dem e01 und verbesserten Schienen für dieselben ausgestattet.

Ein gesunder Ehrgeiz ist bei allen Teams vorhanden, die bei der Formula Student antreten. Alle wollen siegen. Doch die Veranstaltung dient auch dazu, sich gegenseitig auszutauschen und von anderen zu lernen. So werden die Autos aller Teams ständig verbessert. Das Ziel der Teilnehmer ist neben dem sportlichen Aspekt auch, Know-how im Bereich nachhaltiger Mobilität zu entwickeln, denn die Ausbildung von jungen Fachkräften in diesem Bereich ist von großer Bedeutung. Momenten bringt man Autos, die mit Verbrennungsmotoren angetrieben werden, mit dem Dieselskandal, Umweltverschmutzung und Feinstaubbelastung in Verbindung. Aus diesem Grund arbeitet die Automobilindustrie seit Jahren an umweltfreundlicheren, nachhaltigeren Lösungen. Der Elektro-Antrieb bietet eine Möglichkeit, den Personen- und Güterverkehr sowie den Motorsport energieeffizienter zu gestalten. Diese Technologie findet auch Anwendung in der Industrie, zum Beispiel bei Antrieben von Produktionsanlagen. Um diesen innovativen Ansatz weiterzuentwickeln, bedarf es Ideen und technisches Know-how zahlreicher Menschen.

Bildquelle: Aria SADR-SALEK | photography.snow.at

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