#UniGesichter: Kommt ein Akademiker in eine Bar und sagt, er sei Comedian

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Wenn ein promovierter Anglist erst promovierter Anglist werden musste, um Comedian zu sein, wenn Schildkröten als Motivation für einen Ultramarathon dienen und wenn Schwarzenegger und Ghandi in Kombination die Heldenfiguren schlechthin sind – ja, dann ist die Verwirrung perfekt. Und erst dann hat man Johannes Mahlknecht in seiner ganzen kreativen Fülle erfasst.

Johannes Mahlknecht sitzt entspannt im Breakfastclub in Innsbruck. Rechts von ihm steht eine Tasse Kaffee, links von ihm liegt ein Manuskript für eines seiner nächsten Kabaretts. „Ich versuche mich immer zu verbessern. Schlechtes kommt raus, vermeintlich Gutes rein“, verrät er mir später im Gespräch, in dem ich schnell merke: Johannes Mahlknecht in einen einzigen Text zu packen wird schwierig. Und erst beim Schreiben wird mir klar: Es ist schlichtweg unmöglich.

Vom Akademiker zum Superstar

Mahlknecht studierte Germanistik sowie Anglistik und Amerikanistik in Innsbruck. Nach seinem Diplom war der Weg für eine Uni-Karriere geebnet. Doch Johannes merkte schnell: So ein Akademiker-Alltag entspricht nicht wirklich seinen Interessen. „Als ich die Dissertation gedruckt in den Händen hielt, hatte ich mehr Freude mit dem selbstillustrierten Cover als mit dem Inhalt“, erklärt Johannes. Als es zwischen ihm und der Fachbereichsleitung auch noch zu Diskrepanzen kommt, steht die Entscheidung schließlich fest: Raus aus dem Beruf, rein in die Berufung. Dass er dabei seine Ambitionen zu niedrig schraubt, kann man dem gebürtigen Südtiroler nicht vorwerfen: „Nach neun Jahren an der Uni habe ich mir gedacht: Jetzt mache ich das, was mir taugt. Jetzt werde ich Superstar.“

Gezeichnet hat Johannes Mahlknecht schon immer gern. Wie der Bieber hält es auch der Allrounder: Mit Mitte 30 erfindet er sich neu.

Jetzt produziert Mahlknecht „Nicht nur Nonsens“

Beim Interview muss ich den roten Teppich für Johannes noch nicht ausrollen. Fragt man ihn, was er macht und wer er ist, wenn schon nicht mehr Akademiker und noch nicht Superstar, kommt die Antwort prompt: Autor, Illustrator, Kabarettist. Kurz: Comedian. „Ich versuche alle meine Talente an die Wand zu klatschen und schaue, was picken bleibt. Welchen der Aspekte ich dann wirklich weiterverfolge, entscheidet das Publikum“, erklärt Mahlknecht.

Ob beim Reimen, Illustrieren oder auf der Kabarettbühne – Johannes Mahlknecht macht immer eine gute Figur. Auch auf einem Plakat.

Angefangen hat er mit dem Gedichtband „Nicht nur Nonsens“. Darin reimt er sich kreuz und quer durch alle Aspekte des Lebens: Mal ernsthaft, mal vulgär, aber immer mit einer treffsicheren Pointe. Da wundert es nicht, dass auch der Ö3-Wecker-Moderator Robert Kratky Gefallen an Mahlknechts geistigen Reimergüssen fand und einige davon in der Rubrik „Lyrik in den Morgenstunden“ präsentierte. Einen Verlag fand er für sein Werk nicht. Deshalb veröffentlichte er es als Self-Publisher auf Amazon. Die Gedichte, ebenso wie seine Illustrationen kommen auch bei seinen Kabarettauftritten zum Einsatz.

Hörprobe „Ab in den Urlaub“ beim Ö3-Wecker mit Robert Kratky

Ohne Hoffnung, ohne Verzweiflung

Vom Akademiker zum Comedian also. Ein harter Break könnte man meinen. Tatsächlich aber wurde dem gebürtigen Südtiroler der Hang zum Kreativen in die Wiege gelegt. Bereits mit vier Jahren schickte seine Kindergartentante einen von ihm gemalten Fisch an eine Zeitung. „Wodurch ich mir sozusagen über Nacht als der „Mozart der Malerei“ KEINEN Namen machte“, erklärt Mahlknecht auf seiner Homepage selbstironisch. Generell gilt: Vom Anglisten zur Rampensau wird man nicht über Nacht: „‚Nicht nur Nonsens‘ haben über 50 Verlage abgelehnt und auch auf den Büchermessen hatte ich keinen Erfolg“, sagt Mahlknecht, fügt aber hinzu: „Man lernt daraus. Am Anfang ist man am Boden zerstört, aber jeder neue Schlag in die Fresse tut schon nicht mehr so weh wie der Vorherige.“ Eine Schriftstellerin habe einmal zu ihm gesagt, dass sie weder mit Hoffnung noch mit Verzweiflung schreibe. „Das sind die weisesten Worte, die ich je gehört habe“, sagt Mahlknecht. Generell hält er es wie sein Held Nummer eins, Arnie Schwarzenegger: „Der will Schauspieler werden und wird’s. Der will Politiker werden und wird’s wieder. Wahnsinn.“

Seit Kurzem kann man Johannes auch live auf der Kabarettbühne sehen. Dort klärt er die Menschheit beispielsweise über die Tücken der Erziehung auf.

Wie die Schildkröten beständig ans Ziel

Für die nächsten zwei Jahre hat Mahlknecht viel vor: Derzeit feilt er an zwei selbstillustrierten Kinderbüchern. Nächstes Jahr soll dann sein erster Krimi folgen, in dem es um eine weitere Leidenschaft des Allrounders geht: Ultramarathonläufe. „Ich wollte erst einen total düsteren Roman schreiben, aber nach dem zweiten Absatz habe ich gemerkt: Ich muss einfach etwas Lustiges reinbringen. Jetzt wird’s eben eine Ultralaufsportkrimikomödie“, lacht Johannes. Sportlich wie beruflich weiß der Allrounder also, wohin er will: Bei ersterem nach über 50 Kilometer auf den Berg, bei zweiterem an den Punkt, an dem er von seiner Kreativität leben kann: „Ich werde alles dafür tun, um mein Ziel zu erreichen“, sagt Mahlknecht ernst, nur um dann mit dem gewohnten Lächeln auf den Lippen fortzusetzen: „Aber alles in einem ethisch akzeptierten Rahmen, schließlich muss ich meinem zweiten Helden, Ghandi, treu bleiben: Langsam, aber beständig ans Ziel.“ Wie die Schildkröten, die er besonders gerne illustriert.

Bei so viel Talent können wir uns nur der Rezension auf der Rückseite seines Gedichtbandes anschließen: „Weltweit herrscht der schlichte Konsens, Nobelpreis her für ‚Nicht nur Nonsens‘“, fordert dort ein mysteriöser John Grindknight, obwohl das Wording des Herrn Grindknight und seine deutsche Namensübersetzung – „to grind“ für „mahlen“ und „knight“ für „Ritter“ (netter Versuch, Herr MahlKNECHT) – wohl sehr dem Allrounder selbst ähneln. Ein Treffer mitten ins Zwerchfell, noch bevor man überhaupt eine Seite des Buches gelüftet hat – das schafft auch nur Johannes Mahlknecht. Auf altbekannte Weise und so, wie er nun einmal ist: überraschend, witzig, geistreich.

FÜR ALLE KURZENTSCHLOSSENEN: Johannes Mahlknecht ist heute, Freitag, 11.01.2019, um 20:00 Uhr im Funtasy in Innsbruck mit seinem Kabarett-Programm „Die hohe Kunst der Barbarei“ zu sehen und hören.

Mehr zu Johannes Mahlknecht und seinen Programmen findet ihr auf seiner Homepage

Text: Diana Foidl; Bilder: Beitragsbild – franzmagazine, alle anderen Bilder – privat

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