Gloria in excelseeds deo: Zum Glück keine Weihnachtsplatte!

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Kurz vor Weihnachten lässt 2seedsleft ihr Geschenk an die Innsbrucker Musikszene aus dem Sack. Mit “Peeple” feiert die nordtiroler Band die Ankunft ihres drittgeborenen Albums, das mit völlig neuen Sounds daherkommt. Wer die Wunschliste noch nicht abgeschickt hat, sollte schnell einen kleinen, musikalischen Extrawunsch hinzufügen.

“Unsere Musik nehmen wir sehr ernst”

2seedsleft – so nennt sich die Kombi aus Andy Steiner (git, voc), Sebastian Schweiger (keyb, voc), Jakob Köhle (dr, voc) und Benni Lampert (bg). Die Band gibt es seit 2011, damals noch in reduzierter Version. Sebastian erzählt von der Liebesgeschichte, die im Internet begonnen hat: “Andy und ich haben uns über Youtube kennengelernt. Wir kommen aus demselben Bezirk und haben in der Oberstufe beide Musikvideos online gestellt. Irgendwann hatten wir die Idee, gemeinsam einen Song zu schreiben.” Schlagzeug und Bass sind seit 2015 dabei. Dafür haben sich die beiden zwei Mitstudenten vom Tiroler Jazzkonservatiorium gekrallt. “Unser Sound unterscheidet sich von anderen Sounds, weil er sehr abwechslungsreich ist.”, versucht Sänger Andy eine Selbstdefinition. “Wir probieren nicht krampfhaft, uns in eine Sparte zu zwängen. Wir sind witzig und ein bisschen selbstironisch, unsere Musik nehmen wir aber sehr ernst.”

2seedsleft in Vollbesetzung

2seed or not 2seed

Die Schreibweise von Albumtitel und Bandnamen verursachen Hautausschlag bei jedem Anglistikstudenten, doch keiner der Vier ist bei der Englischmatura durchgefallen. “Wir lieben ganz einfach Wortspiele”, sagt Sebastian. “Ich mag es, wenn die Leute ein bisschen nachdenken müssen. Aber wir werden so oft darauf hingewiesen, dass wir unseren Bandnamen falsch schreiben. Beim Verteilen der Sticker war es besonders schlimm.”

Inhaltlich handeln die Songs von menschlichen Stereotypen. “Wir wollten eigentlich ein Riesenalbum rausbringen, in dem wir von vielen völlig unterschiedlichen Menschen erzählen.”, so Andy Steiner über die ursprünglichen Pläne. Schlussendlich sind zwei Charaktere übrig geblieben: Ana und Dr. Phil. Sie emotional und ungestüm, er superintelligent und erfolgreich, aber emotional unterkühlt.   

Indie in the air

Das Intro des Albums ist eine Liebeserklärung ans Indie-Genre. Die restlichen Titel pubertieren etwas und wollen sich nicht so recht in eine Schublade quetschen lassen. Für Sebastian ein Zeichen der Weiterentwicklung: “Wir haben uns am Anfang sehr stark an den Beatles orientiert, wir wollten vor allem ‘retro’ klingen. Jetzt sind wir etwas davon abgekommen, wir werden moderner und jazziger. Das neue Album ist schon fast experimentell. ” In einigen Songs wird mit Haushaltsgegendständen geklappert und auch einen Special Guest gibt es. Saxophonlegende Florian Bramböck legt im Titel “Snotty” ein Solo hin – doch nicht auf dem Saxophon, sondern auf der Klarinette. Er verleiht dem Schlussteil des Albums einen Hauch von Gipsy und Chanson. Eines hält die Songs aber doch zusammen: das Spannungsverhältnis zwischen kindlicher Unbeschwertheit und sehr feiner Melancholie. Man muss an längst vergangene Sommertage im Garten hinter dem Haus denken und wird dabei ein ganz kleines bisschen traurig.

Auch die Omas gehen ab

Sänger Andy Steiner glaubt fest daran, dass “Peeple” einem breiten Publikum gefallen wird: “Das Album ist sehr facettenreich und eine Neudefinition von unserem Sound. Wir werden generell von einer großen Altersspanne gehört. Zuerst waren vor allem ältere Leute von unserer Musik begeistert, dann immer öfter kleine Kinder. Meine Nichten lieben unser erstes Album und gehen zu dem Sound total ab. Die letzten, die es checken, sind witzigerweise oft die Leute in unserem Alter.”

Indie, Rock, Jazz und Chanson – das Album “Peeple” ist auf jeden Fall ein Griff in die auditive Keksdose. Die Titel klingen abwechslungsreich und very sweet, es lässt sich für jeden Geschmack was finden. Für Opa und die kleine Hipster-Schwester gibt es “Peeple” übrigens auch auf Vinyl.


Auch im SixtyTwenty sind sie schon aufgetreten.

2seedsleft ist comin’ to town…

Für alle Fans und Zweifler gibt es Mitte der Woche die Möglichkeit, sich selbst von den neuen Tracks zu überzeugen. Nach den Release-Konzerten in Pfunds und Reutte laden die vier Musiker am Mittwoch zu einem besinnlichen Bierchen ins Treibhaus Innsbruck ein, wo sie der stillen Nacht für ein paar Stunden den Rücken kehren und den Vorweihnachtsstress in smoothen Sounds ertränken. Bis Jahresende gönnt sich 2seedsleft dann eine kurze Babypause, für das neue Jahr gibt es aber schon Pläne: “Wir müssen uns ein bisschen zurückhalten und erstmal dieses Projekt abschließen.”, sagt Sebastian und spoilert dann doch ein bisschen. “Am nächsten Album sind wir aber schon dran. Wie es genau wird, kann man noch nicht sagen. Es wird sicher nicht ‘Peeple 2.0’, eher wieder was ganz Neues.” Nur eins verraten die beiden schon mal im Voraus: Es wird auf jeden Fall ziemlich fett.

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Fotos: Helena Scheiber (Beitragsbild), Drab Flower Music

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