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(IMHO) Kapitel zwei: Halloween macht Kinder froh und die Wirtschaft ebenso

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Die Nacht des 31. Oktobers – eine auf die sich viele Kinder, auch hierzulande, schon lange freuen. Eine Schreckensnacht für mich, lukratives Ereignis wiederum für Wirtschaft, Onkel Karies und Tante Übergewicht. Warum ich mit den katholischen, aus Irland stammenden Bräuchen, die in den USA einen Relaunch erlebten, nichts anfangen kann. Warum wir zum Mitmachen gezwungen werden und wie mich Halloween doch ein Stück weit auch amüsiert.

Halloween Sandra Rattenegger

Es klingelt an der Tür – schon wieder – „Halloween, du nervst!“
„Süßes oder Saures“ glaube ich vernommen zu haben. Die meisten kleinen Vampire, Hexen und Geister tun sich noch etwas schwer mit so vielen „S“ in einem Satz. Ein Satz, bei dem sich mir der Magen zusammenzieht.

Am Liebsten würde ich dem kleinen Frankensteinmonster vor der Haustüre erzählen, was wahrscheinlich auch seine Mutter seit Jahren predigt: „von Süßem bekommst du Karies und kannst sehr krank werden“ und außerdem:„du bist nicht gruselig sondern entzückend“. Ich will mir jedoch den Anblick der traurigen, enttäuschten Gesichtchen und das ein oder andere Ei an meiner Haustür ersparen. Also überreiche ich schließlich doch eine Schokoladenmonsterfigur eines beim Nachbarland ansässigen Fabrikanten, der mit dem „Feiertag“ Halloween viel Profit machen wird und dieser Welt immer noch weis machen will, dass Kühe lila sind.

Mit jedem Klingeln an unseren Haustüren, klingelt es umso lauter in den Kassen des heimischen Handels und der Gastronomie. 26 Euro geben Herr und Frau Österreicher im Schnitt für Halloween aus. Topseller sind natürlich die Süßigkeiten. Und so wurde wieder ein Feiertag geschaffen, um die Kariesgarantie bis Weihnachten aufrechtzuerhalten. Obwohl sich das Ernährungsbewusstsein gebessert hat, schicken die Mütter und Väter der Nation ihre Kinder am Abend vor Allerheiligen auf die Straße zum Betteln für Süßigkeiten. „Weil es ja alle machen und sie sehen doch so süß aus…“. Dieses Argument kann ich teilweise gut nachvollziehen, schließlich will auch ich nicht der Buhmann sein und den Kindern den Spaß verderben.

Die Freude am Verkleiden und für einen Abend gruselig zu sein ist hierzulande, wenn man die meist magere Ausbeute der Kinder sieht – zum Glück – doch noch überwiegend. Zumindest vermittelt mir dieses Gefühl meine kleine Nichte, die als Hexe zu Halloween Arzl unsicher gemacht und dabei herzzerreißend ausgesehen hat.

Schaut man jedoch zum Inszenierungsmeister über den großen Teich, kann man erkennen, dass der Brauchtum größere Auswirkungen hat. Die Verhaltensweisen der Kinder im Bezug auf ihre erbettelten süßen Schätze sind in den USA mehr als fragwürdig. Der Talkshow-Master Jimmy Kimmel zeigt das mit seiner alljährlichen Halloweenstreich-Aktion, auf eine sehr amüsante aber auch brutale Art und Weise. Bei dieser Aktion filmen Eltern die Reaktionen ihrer Kinder auf die Mitteilung: „Wir haben alle deine Süßigkeiten aufgegessen.“ Die Zurschaustellung ihrer Kinder ist ihnen dabei offensichtlich völlig egal, was in diesem Fall meiner persönlichen Erheiterung sehr entgegenkommt.

Ebenso egal scheint Ihnen der Zuckerkonsum der Kinder generell zu sein, nämlich ist dieser in den USA höher als hierzulande. Das mag daran liegen, dass viele US-Amerikaner nach wie vor nicht glauben, dass Zucker Ursache für schwere Krankheiten und Übergewicht ist.

Da sich das (Zuckerkonsum-)Verhalten der Kinder, durch die mageren Ausbeuten, also in Österreich nur kurzfristig verändert, kann ich auch nächstes Jahr wieder mit halbwegs gutem Gewissen Süßes geben, um Saures zu meiden. Bleibt nur noch für die Eltern zu hoffen, dass der Zuckerschock und die schmerzenden Mägen bis zum Morgen von Allerheiligen abklingen, damit die alljährliche Modenschau auf den Friedhöfen nicht von den klagenden Geistern und heulenden Wölfen des Vorabends gestört wird.

Bild: Pukey The Pumpkin von JD Hancock via Flickr unter CC 2.0

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