CoolTour bei Nacht

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Am kommenden Samstag, den 6. Oktober 2018, öffnen rund 700 Kulturinstitutionen in ganz Österreich zu später Stunde ihre Tore.  Bei der 19. ORF – Lange Nacht der Museen beteiligen sich auch knapp 70 Einrichtungen aus Tirol. Die Zeitlos hat drei Innsbrucker Spots schon mal im Voraus und bei Tageslicht ausgecheckt.

 

Runde Sache

Erst wer am Ende der Treppe angelangt ist, erkennt aus Ausmaß des 360-Grad-Gemäldes im Tirol Panorama.

Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum – klingt erstmal nach heile-Welt-Historie und verstaubtem Patriotismus. Dennoch zählt das Haus zu den absoluten Klassikern der Innsbrucker Museumslandschaft. Denn wer sich entgegen aller tristen Erwartungen zum Bergisel begibt, findet sich in einem zeitgemäß konzipierten Museum zum ‚Mythos Tirol‘ wieder. Ausgestattet mit Audio-Guide wandert man von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, begegnet bedeutenden Persönlichkeiten und lernt typische Facetten der Tiroler Kultur kennen. Zahlreiche Ausstellungsobjekte, von der Buttermodel bis zur Retro-Skiliftgondel, machen die Tiroler Lebenswelt greifbar und halten individuelle Geschichten bereit. Das Herzstück der Sammlung ist das riesige Rundgemälde von Michael Zeno Diemer, welches die Betrachter den Tiroler Freiheitskampf von 1809 hautnah miterleben lässt. Das anschließende Kaiserjägermuseum widmet sich den gleichnamigen Bund und seinen Kämpfern. Wer hierfür nicht gerade spezielles Interesse mitbringt, sollte sich lieber auf das Tirol Panorama konzentrieren. Denn Letzteres bietet eine überschaubare, informative und unterhaltsamen Ausstellung, in der sich sowohl eingefleischte Museumsfans wie Kulturbanausen und Ur-Tiroler wie ‚Zuagroaste‘ verlieren können.

 

Zwischen die Räder kommen

Im Ausstellungsraum zu „Freiheit? Fischluft! Fahrrad!“ findet man sich wahrlich zwischen die Rädern wieder.

Was hat ein Vulkanausbruch in Indonesien mit der Erfindung des Fahrrads zu tun? Und welches Ereignis veranlasste die Stadt Innsbruck im 19. Jahrhundert, ein generelles Radfahrverbot einzuführen? Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere Fakten rund um das Fahrrad und dessen Nutzung findet man in der Ausstellung „Freiheit? Frischluft! Fahrrad!“ im Museum im Zeughaus. Historische Ausstellungsstücke und moderne Exponate erzählen die Geschichte des Radfahrens in Tirol und weltweit. Die überdimensionalen Fahrradspeichen, in denen verschiedenen Ausstellungsstücke platziert sind, verleihen dem Raum trotz seiner kompakten Größe zudem eine eindrucksvolle Aufmachung. Bleibt nur zu sagen: Man muss das Rad nicht neu erfinden – lieber die  Ausstellung dazu besuchen.

 

Sinnvolle Alternativen

Die Lautstärke verschiedener Geräuschproduzenten lässt sich in der Dauerausstellung des Audioversums erfühlen.

Richtig hinhören, hinsehen, fühlen – Ausprobieren ist im Audioversum ScienceCenter angesagt. An verschiedenen interaktiven Stationen lässt sich so die Welt des Hörens erleben. Die Ausstellung rückt den meist nur unbewusst wahrgenommenen Sinn ins Rampenlicht und hält auch für Erwachsene Oh!- und Aha-Momente bereit. Neben der Hauptausstellung „Abenteuer Hören“  bringt die Sonderausstellung „Superhirn“ die Köpfe der Besucher mit kniffligen Aufgaben zum Rauchen und erklärt, was dabei eigentlich im Hirn vor sich geht und wie Sinnesreize verarbeitet werden. Wer wissen möchte, was  beim Riechen im Körper passiert, welche Nase hinter Chanel No.5 steckt und woher der Ausdruck ‚Käsefüße‘ kommt, ist in der Sonderausstellung „Geruchswelten“ genau richtig. Dabei kommt es auch wahrlich auf den richtigen Riecher an, denn zwischen Duftproben von Jasmin und Vanille finden sich auch weniger reizvolle Substanzen zum Schnuppern.

Die vorgestellten Museen mögen ganz interessant klingen, aber die haben ja auch tagsüber geöffnet, also:

 

Warum zur Museumsnacht?

Was?! Ins Museum? Am Samstag Abend?! Definitiv mal was anderes und kein schlechter Grund, die Stammkneipe auf später zu verschieben.

Unter den 69 Spots in Tirol finden sich neben unseren vorgestellten Zeitlos-Museen noch andere Traditionshäuser, alternative Einrichtungen und individuelle Galerien – perfekt also, um sich auf Entdeckungstour durch die Museumslandschaft zu begeben. Oder man wagt sich endlich mal in diese kleine Galerie, vor der man tagsüber immer zurückschreckt, weil man befürchtet, als einziger Besucher entweder misstrauisch beäugt oder in endlose Kunstdiskussionen verwickelt zu werden. Der Ticketpreis von 15 Euro (ermäßigt 12 Euro) ist ein echtes Schnäppchen, denn bei den meisten Häusern liegt der Normalpreis schon bei rund 10 Euro. Damit man von möglichst vielen Ausstellungen einen Eindruck bekommen kann, bieten viele Einrichtungen spezielle Kurzführungen an. Zudem berechtigt das Museumsnacht-Ticket zur Nutzung der  Shuttle-Busse, die regelmäßig an den weiter entfernten Spots verkehren. Und nicht zuletzt: Es ist eine MuseumsNACHT. Klassischerweise schließen die Museen früh abends. Schon allein die Tatsache, dass der Besuch bei Nacht stattfindet, sorgt also für ganz besonderes Flair.

 

Auf einen Blick

–          Samstag, 06. Oktober 2018

–          18 Uhr bis 1 Uhr

–          15 Euro, ermäßigt 12 Euro

–           „Treffpunkt Museum“ am Franziskanerplatz in Innsbruck (Startpunkt für Fußroute, Ausgabe

der Infobroschüre, Ticketverkauf am Freitag, 5.10.2018, 15 bis 20 Uhr und Samstag, 6.10.2018, ab 9 Uhr)

–          Vorverkauf bei den teilnehmenden Kultureinrichtungen

–          weitere Infos unter https://langenacht.orf.at/

 

Im Ausstellungsraum des Tirol Panoramas begegnet man Ausstellungsstücken von Früher bis Heute.

 

Einer neben dem anderen: Porträts ehemaliger Kaiserjäger im ihnen gewidmeten Museum.

 

Ausstellungsstücke aus vergangenen Zeiten bis in die Gegenwart schmücken die Ausstellung „Freiheit? Frischluft! Fahrrad!“.

 

Im Audioversum ScienceCenter kann man die Welt der Gerüche erkunden und erschnuppern.

 

Bei der Ausstellung „Geruchswelten“ gibt es auch ein Haus zum Gerüche raten.

Fotos: Lisa Probst

 

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