(IMHO #38) Endlich Rad-WM!

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Was wieder einmal im Vorfeld einer größeren Veranstaltung in Innsbruck rumgejammert wird. Ein Wunder, dass noch niemand der Stadt für immer den Rücken gekehrt hat. Und das nur, weil die Rad-WM Einzug hält. Eine großartige, nein, geradezu atemberaubende und wunderbare Veranstaltung kommt zu uns. Das muss gefeiert werden!

Verschneites Bergpanorama bei der Tour of the Alps (© EXPA)

 

Nun, es liegt in der Natur der Österreicherinnen und Österreich, dass „gsudert“ und alles schlecht geredet wird, sobald der friedliche und gewohnte Alltag auch nur ein klein wenig die Bahn der Routine verlässt. Sie sind halt Weltmeister im Rumheulen, die Ösis. Aber wenn man sich so in der Stadt umhört, dann könnte man fast meinen, dass die Apokalypse kurz bevorsteht. Und das deshalb, weil die weltbesten Radlerinnen und Radler nach Innsbruck kommen. Eigentlich sollte man froh darüber sein.

Denn die Rad-WM ist ein großes Sportfest, bei dem man Spitzensportlerinnen und -sportlern bei ihrer Arbeit zusehen darf. In atemberaubender Geschwindigkeit werden sie von einem Ende Tirols ans andere flitzen, um dann jedes Mal in Innsbruck mit Pauken und Trompeten empfangen zu werden. Ein Traum, der für die Stadt endlich in Erfüllung geht. Immerhin hat Innsbruck erst im Mai einen radlfahrenden Mann ins höchste politische Amt der Stadt gewählt. Es ist also nur konsequent, dass die Rad-WM in Innsbruck stattfindet.

Vergessen wir auch nicht, wie toll die ganzen Straßensperren sind. Denn das ganze Jahr über wird gejammert (wie gesagt: Weltmeister), dass man in Innsbruck aufgrund der Autokarawanen weder vor noch zurück kommt. Voilà: endlich dürfen die CO2-Schleudern nicht mehr die ganze Stadt besetzen und uns mit ihren Abgasen und Plastikpartikeln wertvolle Lebensdauer stehlen.

Endlich autofreie Woche in Innsbruck. Danke, Rad-WM!

 

Außerdem sinkt in dieser Zeit die Gefahr von Autounfällen. Denn sieht man sich die aktuellsten Zahlen der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden in Innsbruck an, dann waren 2016 insgesamt 1.089 Menschen von Autounfällen betroffen. Das macht im Schnitt fast genau drei Betroffene am Tag. Ergo wird es vom 22. bis zum 30. September wenigstens 27 glücklichere Menschen geben. Nur schade, dass diese nie etwas von ihrem Glück erfahren werden.

Auch dürfte es vielen Einheimischen nur gut tun etwas mehr zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Gerade wurde bekannt, dass es in Österreich wieder mehr Übergewichtige gibt. Vielleicht kommt ja die eine oder der andere in dieser WM-Zeit auf den Geschmack, die Strecke zur Arbeit, zur Schule oder zum nächsten Supermarkt zu Fuß zurückzulegen.

Das Wichtigste aber betrifft in erster Linie die Altstadt-Bewohnerinnen und Bewohner: endlich muss man nicht mehr Angst haben, dass man beim Verlassen der Wohnung von einer Horde fotografierender Chinesinnen und Chinesen niedergewalzt wird. Die Altstadt wird so fast schon zur Naherholungszone, ja sie wird vergleichsweise aussterben. Und seien wir mal ehrlich: lieber lass ich mich von einer Profi-Radlerin oder einem Profi-Radler überfahren, als von tausenden Touris überlaufen zu werden.

Ein Durchkommen in der Innsbrucker Altstadt ähnelt meist einem Spießrutenlauf.

 

Ein kleines Zuckerl noch am Ende. Wem all diese Gründe noch zu wenig sind, was eigentlich nicht sein sollte, dem soll folgendes ans Herz gelegt werden: zur Feier der Rad-WM wird am 21. September die Oper „Carmen“, die an diesem Tag im Landestheater aufgeführt wird, auch auf dem Vorplatz übertragen. Ein Public Viewing der etwas anderen Art, zwischen Hofburg, Nordkette und Landestheater. Wer kann dazu schon nein sagen?


Titelbild: Innsbruck Tourismus/Tommy Bause (Rennen über die Innbrücke bei der Tour of the Alps)

Fotos: EXPA; Auto Verbot von geralt via Pixabay unter CC0; Matthäus Masè

#IMHO – In My Humble Opinion – Meiner bescheidenen Meinung nach#

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