Für drei Bier nach Malle – 1.200 km für 10€

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Seit diesem Frühjahr gibt es die Verbindung Innsbruck – Mallorca am hiesigen Flughafen. In der Bibliothek sitzend bekam Ich von einer Gruppe reiselustiger Kommilitonen ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte (oder wollte): Für magere 20€ auf die balearische Ferieninsel und wieder zurück: Wer würde dazu Nein sagen?

Wie ist das überhaupt möglich? Nach den Pleiten von AirBerlin und Niki kam Schwung in die Fluglinienbranche. Ryanair hat Anfang des Jahres die Fluglinie Laudamotion aufgekauft und somit auch Slots für den Innsbrucker Flughafen. Damit kamen die in Deutschland schon länger bekannten und werbeträchtig sehr wirksamen Ultrabilligflüge nach Innsbruck.

Natürlich bleibt es nicht bei diesen Kosten. Will man nicht in einem Hotel am Ballermann versauern, kommen noch einige Euro für eine Finka und den Mietwagen obendrauf. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, zu hausen, und sowohl nach unten als auch nach oben ist preislich viel drin, doch für eine etwas größere Gruppe, bei der nicht jeder Mallorca mit Ballermann gleichsetzt, ist das ein guter Kompromiss.

Ein Yachthafen im Süden der Insel

Denn die Insel ist tatsächlich sehr schön. Das Wetter ist zwar zu dieser Zeit nicht unbedingt wärmer als in Innsbruck, doch die Abgeschiedenheit inmitten von schier endlosen Olivenhainen auf rotbraunem Boden lässt zumindest ein wärmeres Gefühl aufkommen. Dazu ist dann das Meer nie weit entfernt und das Wasser auch warm genug, um von diversen Klippen hineinzuspringen.

Allem voran jedoch erzeugt das Essen Urlaubsgefühle. Im Supermercado glotzen einen die frisch gefangenen Fische von der Theke aus an, der Serrano Schinken kann im Ganzen oder hauchdünn geschnitten gekauft werden und an der Kasse gibt man für vergleichbare Speisen gerade mal die Hälfte aus wie im M-Preis. Und will man mal nicht selbst kochen, dann empfangen einen zahlreiche Tapasbars an jeder Ecke und manchmal sogar mit unbezahlbarem Meerblick.

Frischen Fisch und Meeresfrüchte gibt es einfach im Supermarkt, zu günstigsten Preisen und in bester Qualität

Wären da nur nicht diese Schattenseiten: für manchen wird viel zu viel Deutsch auf der Insel gesprochen, den Ballermann braucht nun wirklich kein Mensch und zudem sollte sich jeder bewusst sein, was solche Lockangebote der Umwelt im großen Stile antun können.

Die Frage ist also eher: Braucht‘s des?

Warum nicht für etwas mehr Geld und dafür weniger Schadstoffverbrauch an den Gardasee oder mit denselben Leuten auf eine Hütte in die Berge? Ein Grund könnte sein, dass die Absurdität allein, für zehn Euro 1200 Kilometer fliegen zu können, die Leute schon im Vornhinein in andere Stimmung versetzt. Somit können dann Konstellationen, die so evtl. nie zusammengekommen wären, als auch ganz besondere Momente möglich gemacht werden. ein anderer Grund ist schlichtweg der, dass eine Insel einfach doch auch etwas ganz anderes ist.

Die Schinkenstraße auf dem Ballermann…wer’s braucht

Doch ob das die Umweltbelastung wert ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Es wird sich herumsprechen, dass man für einen Flug nach Mallorca nur etwa viermal so viel zahlt wie für den Bus zum Flughafen. Schlussendlich ist es ja doch immer eine Frage des Geldes und eine erhöhte Nachfrage führt evtl. dann auch zu einem noch größeren Angebot der Billigflüge und somit zu noch mehr Umweltverschmutzung.

Jedem sei der mal mehr, mal weniger verdiente Urlaub gegönnt und dieser führt meist auch zu wunderschönen Momenten und Erlebnissen. Doch im Zuge dessen sollte auch jeder, der solche Angebote wahrnimmt, an die globalen Konsequenzen und Risiken denken.

Ich persönlich habe es gemacht und bin froh um die sehr schöne Zeit, die wir dort hatten und die gelungene Ablenkung vom Masterarbeitstrott. Doch ein schlechtes ökologisches Gewissen bleibt…und will spätestens bei der nächsten Reise wieder etwas mehr Beachtung bekommen.

Die 12-köpfige Crew.

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Fotos: Vom Autor selbst

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