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Hommage an das Mountainbike – oder: Ein Aufschrei gegens Rennradfahren

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Mountainbike – das Bergfahrrad. Rennrad – klingt nach Crosstrainer, auf dem man rennt, damit sich das Rad dreht. In Innsbruck lassen sich die Gipfel von Nordkette, Patscherkofel & Co. mit dem Rennrad schlecht erreichen. Für unebenes Gelände ist das Rennrad nämlich absolut ungeeignet. Wer keine Lust hat, sich die Straße mit tausenden Abgasen zu teilen, sollte sich lieber aufs Mountainbike schwingen. Hier sind noch mehr Gründe, warum MTBs einfach die besseren Gefährten sind.

Über Stock und Stein mit riesigen Traktorreifen ist ein Genuss, der ausschließlich MountainbikerInnen vorenthalten bleibt. Der Nervenkitzel beim Springen über Wurzeln und die (eigentlich viel zu) engen Kurven machen das Biken zu einer Herausforderung, die sich nur mit einer guten Technik bewältigen lässt. Je voller der Körpereinsatz, desto intensiver sind die Glückshormone auf den abwechslungsreichen Abfahrten, die unser Körper natürlicherweise ausschüttet. Das Rennradfahren auf grauen Straßen hingegen fordert den SportlerInnen lediglich eine durchschnittliche Balance ab.

Geschwindigkeit: Man könnte meinen, dass es mit einem MTB unmöglich sei, 40 km/h zu überschreiten. Aber auf dem besseren der beiden Fahrradarten sieht man nicht nur den Wald an sich vorbeiziehen, sondern gleichzeitig wird der Geist gefordert – Wurzeln, Steinen und sonstigen Hindernissen soltle man nämlich gezielt ausweichen. Vor allem E-Mountainbikes – für bestimmte Zielgruppen finde ich diese sehr nützlich – halten mit dem Speed von Rennrädern sowohl auf Feldwegen als auch auf der Straße locker mit.

Das Training: Ist es nicht schön, wenn die Oberschenkel nach einigen hundert Höhenmetern so richtig schmerzen? Was gibt es schöneres, als sich auf einem nassen, klebrigen Feldweg jeden Zentimeter hart zu erarbeiten? Dieses Glücksgefühl, wenn man es dann zur Alm geschafft hat – da mundet das Radler um einiges mehr! Ich muss keine Ländergrenzen überschreiten, um mein Training an Kilometern zu messen; ein einziger Berg, an dem ich meine Leistung an gestrampelten Höhenmetern bewerten kann, ist sportlich und bodenständig.

Starke Wadeln: Wenn vor dir ein durchtrainierter Biker fährt, spornt das an, mit allen Kräften hinterherzukommen. Eine Bikerin vor mir motiviert mich persönlich zwar nicht besonders, aber das andere Geschlecht auf jeden Fall. Auf dem Rennrad hingegen befindet man sich in einem Mückenschwarm, bei dem ihr nicht mehr seht, als die Werbe-Radshirts eurer GruppenmitgliederInnen. Es mag zwar entspannt klingen, nichts tun zu müssen in den 17 Windschatten von allen Seiten, aber sportlich halte ich das für fragwürdig.

Individualität: Mein Bike ist eben meins, mit meiner Rahmengröße, meinem Wunschdesign, meiner Wunschausstattung. Man muss keine hohen Ansprüche haben, um sich an einem unersetzbaren, einzigartigen MTB zu erfreuen. Dennoch zählt mehr als die bescheidene Anzahl an Komponenten eines Rennrads, da Mountainbiken wie eine junge Liebe ist: man sucht sich nicht irgendeinen beliebigen Menschen aus, mit dem man Zeit verbringt; wichtig ist die Zusammenstellung von Details zu einem Ganzen, wie Charakter, Wendigkeit und Design. Mit der Zeit kommt es dann auf eine liebevolle Pflege an: So wie ihr eure/n Partner/in bei einer Erkältung bis zur Genesung versorgt, kümmert ihr euch um euer Mountainbike. So baut ihr über die Zeit eine starke Bindung auf, die nicht vergleichbar ist zu einer 0815 Beziehung zu einem Rennrad.

 

Als überzeugte Mountainbikerin fallen mir noch mehr Konter gegen das Rennrad ein. Wer sich auf einem Fahrrad noch nie verliebt gefühlt hat, sollte sich ein Mountainbike schnappen: Lasst euch nicht bezirzen von 70 km/h auf einem Rennrad, sondern spürt das Kribbeln, wenn ihr die Geschwindigkeit gepaart mit Anstrengung und Nervenkitzel auf eurem persönlichen MTB erlebt.

 

Bilder: Bianca Brodbeck, gopro snapshot von Russell via Flickr unter CC 2.0downhill von lambda’s via Flickr unter CC 2.0

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