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Mysterium: Kaugummiautomat

Sie lauern dir an so mancher Straßenecke auf, locken mit bunten Kaugummis und kleinen Spielsachen, die Kindheitserinnerungen aufleben lassen. Wo hängen die Automaten ab, die, beständig wie sie sind, jahrelang Wind, Wetter und Vandalismus standhalten? Wer füllt Kaugummis nach und nimmt dafür den Kleinschotter mit? Vor allem, gibt es in Innsbruck nostalgische Studierende, die ihre wenigen Extramoneten nicht in der Ritze des Sparschweins, sondern in der des Kaugummiautomaten verschwinden lassen?

Vermietet werden die Automaten von einer Firma namens „Warenautomaten Georg Schwarz“ mit Sitz in St. Johann im Pongau. Ab der Gründung 1966 stieg die Nachfrage kontinuierlich. Neugründungen im Ausland und Erweiterung des Sortiments waren die Folge. Heute zählt die Unternehmensgruppe 60 Angestellte und diese kümmern sich um insgesamt 100.000 Automaten. Unterschieden wird zwischen Innen- und Außenautomaten, für die entsprechende Befüllungen angeboten werden. Finden Automatenbenützer in Außenautomaten Kaugummis und kleines Spielzeug, drehen sie sich vielleicht in einem Wirtshaus für die gleiche Münze eine Handvoll Erdnüsse raus. 1981 wurden erstmals Kondomautomaten positioniert, die sich so großer Beliebtheit erfreuten, dass sie heute nun oft in Kombination mit Sex Gags, Sexy Dessous o. Ä. die Toilettenwände zieren.

Die Geräte werden gegen Unterzeichnung einer Platzmietvereinbarung an meist hochfrequentierten Plätzen aufgehängt oder hingestellt und zwar genau da, wo tendenziell am meisten Kinder vorbeilaufen. Der Platzvermieter geht natürlich nicht leer aus, denn für jede verkaufte Füllung erhält dieser eine Provision, die zuvor vertraglich festgelegt wird.  Wenn dann nun so ein stylischer Automat an einem Privatzaun hängt, haften die Vermieter zwar im Falle von Diebstahl oder Vandalismus, sie müssen sich aber ansonsten nicht im Geringsten um diesen magischen Kindermagnet kümmern. Betreut werden die Automaten nämlich von Angestellten der Firma Georg Schwarz selbst. Kaugummis werden ausgetauscht, neues Spielzeug wird nachgefüllt, das Kleingeld wird mitgenommen.

Es versteht sich von selbst, dass viele Kinder heutzutage lieber auf ihrem Smartphone rumdrücken und die mechanischen Wunder hinter ihnen an der Bushaltestelle übersehen. Das Kleingeld, dass sie von Oma zugesteckt bekommen wird nicht für eine einzige Kugel Kaugummi ausgegeben, sondern für eine ganze Packung des bicksüßen Gaumenschmauses investiert. Doch wie steht es um Innsbrucks Studierende? Dreht sich jemand unseres Alters in den narrischen fünf Minuten des Tages, in denen man auch mal kindisch ist, vielleicht ein Spielzeug raus? Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis der Innsbrucker Studierenden mal umgehört und siehe da, ich bin nicht allein. Sie mögen körperlich erwachsen wirken, doch im Herzen sind sie manchmal noch kleine Kinder. Vor allem aus Jux und Tollerei beim Barwechsel in der Partynacht ist schnell eine Münze gezückt und der Gummiball versüßt der ganzen Truppe den Abend. Ansonsten werden diese Faszinationen unserer Kindheit leider nur mehr wenig beachtet.

Nach jahrelangem Sammeln von Erfahrungen habe ich allerdings festgestellt, dass 90% der Männer es mehr als entzückend finden, wenn die Frau mit diesem kindlichen Leuchten in den Augen auf einen Kaugummiautomaten zustürmt und hektisch in der Geldtasche nach dem passenden Kleingeld kramt. Üblicherweise haben Männer nicht nur jede Menge Kleinschotter in ihrer Geldbörse, sondern nehmen zusätzlich die Rolle des „Retters“ ein. Und wenn dann die Dame einen süßen Plastikring in Kindergröße am kleinen Finger trägt, wird sie ihm natürlich auf ewig dankbar sein dafür. So zieht jede/r seinen/ihren Nutzen daraus. Die Firma „Warenautomaten Georg Schwarz“, er und sie, aber auch jene Person, die heute noch nostalgisch genug ist und den Gartenzaun mit diesen mechanischen Wundern schmückt.

 

Fotos: Ute Schneiderbauer


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #7 veröffentlicht.