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„Here’s to the ones who dream“ – La La Land in der Filmreview

„La La Land“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Damien Chazelle, u.a. Regisseur von „Whiplash“. Der Film handelt von dem ehrgeizigen Jazzpianisten Sebastian (gespielt von Ryan Gosling) und der aufstrebenden Schauspielerin Mia (dargestellt von Emma Stone), die beide nach beruflichem Erfolg in Los Angeles streben und sich dabei ineinander verlieben. Der Titel des Films nimmt Bezug auf den Spitznamen der Stadt Los Angeles. Bis Anfang Januar 2017 wurde er mit über 100 Filmpreisen ausgezeichnet.

Obwohl man von vornherein weiß, dass der Film viele Musical-Elemente beinhaltet, ist man nach der ersten Szene etwas enttäuscht – bei einem Stau auf der Autobahn in Los Angeles steigen die Leute aus ihrem Wagen, wirbeln fröhlich und befreit über die in der Sonne glänzenden Oldtimerkarossen und singen den ersten Filmsong – an Klischees und Übertreibungen kaum zu toppen. Aber man soll ja nicht schon nach den ersten paar Minuten ein Urteil fällen – schlussendlich überzeugt der Film nämlich trotzdem in all seinen Facetten. Von herzerwärmenden Musicalsongs bis zu kopfzerbrechenden und nachdenklichen Ereignissen kommt schließlich alles vor.

Thematisiert wird in „La La Land“ ein Klassiker – der amerikanische Traum mit seinem moralischen Imperativ „Du kannst es schaffen!“: Sebastians Traum ist es, eine Musikbar als Freejazz-Pianist zu eröffnen, während Mia eine große Karriere als Schauspielerin machen will. Allerdings muss für das Erreichen dieser Träume auch teuer bezahlt werden – verbiegende Selbstverleugnung, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität spielen hier eine große Rolle. Es werden also nicht nur die Sternstunden des Hollywoodlebens aufgezeigt, sondern „La La Land“ beschäftigt sich auch mit ganz alltäglichen Problemen, die uns allen passieren können und woran wir im schlimmsten Fall auch scheitern können. Wenn man in den Filmfiguren perfekte Ideale sucht, die auf der Leinwand alles richtig machen und vom wirklichen Leben weit entfernt sind, dann ist man bei diesem Film an der falschen Stelle.

Auf der Leinwand wird zwar wieder getanzt und gesungen, aber mit den US-Musicals der 50er Jahre haben die Szenen im Film eigentlich nicht mehr viel zu tun. Die Musik der 50er Jahre ist cool, lässig und Damien Chazelle beweist, dass diese Musik zeitlos geworden ist. Vermutlich ist es die Imperfektion und Unvollkommenheit einzelner Momente, die „La La Land“ nicht mit Kitsch überladen wirken lassen, sondern gefühlvolle Romantik ausstrahlen. Der immense Abwechslungsreichtum der verschiedenen Songs spiegelt die genauso große Anzahl unserer breiten Gefühlspalette wieder – mal sind wir traurig, dann wiederum glücklich, verliebt oder wirken verletzlich. Beeindruckend ist, dass die Songs von den Schauspielern selbst gesungen werden und sie nicht entgegen vieler Vermutungen stumm wie ein Fisch ihre Lippen zum Playback bewegen.

Hinter all diesen Konstellationen versucht sich der Regisseur an einer subtilen Gesellschaftskritik: Die kapitalistischen Zwänge beim (Über-)Leben, die man eingehen muss, um Lebensziele zu erreichen, gehen auf Kosten eines weiteren großen Ziels: der Liebe! Karriere gegen soziales Leben. So wird der Hollywoodtraum raffiniert bestätigt und gleichzeitig kritisiert. Und so greifen Tanz und Gesang mit dem viel kritisierten amerikanischen Traum ineinander und lassen sich zu einem zum Nachdenken anregenden Film entwickeln.

Kurzum – der Film ist äußerst empfehlenswert und purer Genuss – insofern man sich auf das Feeling und die Atmosphäre, die Damien Chazelle vermitteln will, einlässt. Mit wenigen Worten, überzeugenden Bildern und ergreifenden Liedern bringt der Film einen schönen Retrostil in die Kinos und stellt die zwei Lebensgeschichten authentisch, niveauvoll und mit Stil dar.

 

Fotos: Screenshot Youtube